Weiterer Kommentar zu Videospiel-Sondersteuern

Extra Steuern auf „Killer“- oder „Gewaltspiele“ wegen derer negativ als gefährlich für ein Gemeinwesen empfundenen Gewaltdarstellung, aber theoretisch auch wegen deren Suchtpotential, einheben zu wollen, sehe ich zumindest als ähnlich problematisch an wie Kinderlose zusätzlich deshalb zu besteuern, da sie aufgrund ihrer Kinderlosigkeit ja weniger zum Erhalt von Sozialversicherungssystemen wie den Pensionen beitragen. Wie diskriminierend, undemokratisch und gegebenenfalls wahrscheinlich auch verfassungswidrig solche Ansinnen (auch) wären leuchtet hoffentlich noch eher ein –
Persönliche Freiheiten als „Diktatur“ zu diffamieren halte ich zudem für ein ganz wesentliches Kennzeichen von politischem Extremismus: in Zusammenhang mit den bereits beschriebenen TäterInnen-Opfer-Umkehrungen möchte ich mich hiermit deshalb ein weiteres Mal, das heißt mit Nachdruck, von „Stigma Videospiele“ distanzieren, wo ich mich in den letzten vier Jahren beinahe täglich einbringen wollte. Offensichtlich vergebens: finde es äußerst bedauerlich, dass dort offenbar aufgrund eines eklatanten Mangels an sowohl politischem Bewusstsein, eindeutigen Standpunkten, als auch Bekenntnissen für die Ausdrucksform Videospiel – trotz demnach nur mehr absurd erscheinen könnendem Titel über eine Stigmatisierung diesbezüglich – solchen Forderungen nicht entschieden entgegen getreten wird, anscheinend in der Einbildung „Objektivität“ wahren zu wollen. Ein Insistieren auf Daten und Fakten ist der Untergang jedes politischen Anliegens jenseits von Mehrheiten. Jeder politischen Möglichkeit außerhalb von Normen, aller Politik anderer Werte –
Sowie der Beginn jeglicher Rücksichtslosigkeit.
Die normative Kraft des Faktischen die zentrale Gewalt und ungeheuerliche Brutalität welche dabei hilft über Meinungen von Minderheiten zu bestimmen, ob biologistisch oder halt mit anderen Ismen einseitig behaftet, wobei dann anscheinend gern auch in einem freundlich-perfiden Tonfall diese politischen Bestimmungen vorgenommen werden. Einschüchterungen (versucht) werden. Sich Menschenverachtung hinter ihren Vorwürfen versteckt, Vorwürfe die so ständig – wie ein Boomerang – eigentlich die Vorwerfenden selbst betreffen. Auf diese selbst andauernd zurückfallen, alles was den Spielen oder (anderen) RezipientInnen (dieser Spiele) unterstellt wird.

Keine Medienwirkungsforschung verfügt über ihre Grundannahmen, ihr Wirkungskonzept, bereits über die Möglichkeiten Bedeutungen oder Intentionen gefährlich gedachter Inhalte zu eruieren, ja eben beurteilen zu können.
Das ist wenn dann ein löblicher Überbau, auf den für gewöhnlich aber eher verzichtet wird – der nicht für nötig (!) erachtet wird, obwohl er es – nicht zuletzt für ein wissenschaftstheoretisches Grounding – auch unabdingbar wäre, um Auswahlverfahren, Bestimmungen überhaupt (politisch) nachvollziehbar werden zu lassen, sodass gewonnene Erkenntnisse gar überprüfbar bleiben, angreifbar etc.

Sie kann eben nicht herausfinden worauf in Spielen jeweils etwa aufmerksam gemacht werden wollte, sodass sie letztlich inkriminiert wurden oder werden.

Das ist schlicht und ergreifend auch einfach gar nicht vorgesehen: abgesehen davon, dass wenn menschlicher Ausdruck so annähernd wie Tabak besteuert werden soll das auch von einer enormen Geschichtslosigkeit betroffen wäre, ja es historisch ungemein belastet ist, unliebsamen menschlichen Ausdruck wie krebserregende Substanzen zu behandeln. Dass sich selbst bei „Stigma Videospiele“ von solchen Ansinnen nicht klar und deutlich abgegrenzt wird, dass nicht erlärt wird, dass so etwas dort unerwünscht ist, dass so etwas eben nicht toleriert wird, dagegen wenigstens ein Protest eingelegt wird, ist unverzeihlich und unentschuldbar. Das bereits angesprochene Problem dort, dass konsensualer Ausdruck unerkannt bleibt, scheint das weitergehende Problem dafür zu sein: werden Persönlichkeitsrechte verletzt, wird über fiktionalem Ausdruck womöglich mehr problematische Politik betrieben als irgendetwas anderes vermittelt, werden Schutzalter nicht eingehalten, wurden Menschen oder Tiere bei dessen Herstellung gequält, so gibt es dafür auch eigene Gesetze.

Ist mediale Gewalt immer auch reale Gewalt.

Alles andere sind zutiefst demokratiefeindliche Äußerungen welche fiktionalen Ausdruck wenigstens marginalisieren, zunichte machen wollen, wenn schon nicht materiell vernichten oder ideel aus dem Verkehr ziehen. Und dagegen kann ich als Mensch der sich moralisch für in einer gewissen Verantwortung befindlich begreift nur klar einschreiten wollen.
Happy Halloween!

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