Kommentar auf Militainment.info – zu „Feindbilder“ und „Medienverantwortung“

Anlass ist ein Dokument über „Battlefield 3“ bei der „Informationsstelle Militarisierung“. Kommentar: ‚Nicht das erste Mal ist mir mit diesem Text von Ihnen aufgefallen, dass der eigentlich ziemlich brauchbar ist. Das ist eine sehr gute Zusammenfassung von „Battlefield 3“ – in praktisch jeder Beziehung -, wären am Ende nicht immer diese aus meiner Sicht schon regelrecht absurd zu nennenden ideologischen Schlussfolgerungen, welche ich auch hier ab „Feindbilder“ (11f.) wieder sehe. Dabei beginnt auch „Feindbilder“ eigentlich noch völlig korrekt: bloß auf einmal kommt (wieder) die Frau Schiffer ins Spiel, und alles geht flöten.
Den Rest kann ich so nicht mehr nur einseitig nennen, sondern Ressentiment-beladen selbst FeindInnenbilder indirekt artikulierend. Das geht doch einfach nicht – und passt nicht einmal zusammen.

Ja, Spiele wie „Battlefield 3“ oder auch „Homefront“ stehen auf eher westlicher Seite, ja diese Spiele wenden sich gegen autoritäre Regime wie im Iran oder in Nordkorea. Und nein, daraus sollte sogar kein Hehl gemacht werden wie ich finde. Das ist auch gut so. Sogar lobenswert für mich: also, ja, warum nicht? Sollten anders autoritäre Regime wie im Iran etwa verharmlost werden? Und das soll „Medienverantwortung“ sein? Geht es noch zynischer? Oder was wollen Sie mit diesen Verweisen auf Leute wie Frau Schiffer ständig –
Nein, Realität kann doch sowieso nur mittelbar erfahren werden. Und „Realismus“ ist in Videospielen dahingehend doch ebenfalls verschieden zu betrachten.
Welche eingebildete Wirklichkeit sollten Titel wie „Battlefield 3“ demnach auch abbilden: illustrieren? Als Fiktionen setzen sie sich nunmal mit Ängsten auseinander welche hierzulande bestehen dürften. Und bestehen diese Ängste wahrlich grundlos? Völlig ohne Grund, wenn erfahren wird wie mit Frauen oder Homosexuellen im Iran umgegangen wird. Mit Andersdenkenden. Nicht bloß dort, mit Homosexuellen auch auf den Straßen Moskaus. Wenn das Staatsoberhaupt die Shoah leugnet – Rechtsextreme aus aller Welt dazu nach Teheran eingeladen wurden. Wenn in Osteuropa rechtsextreme Garden marschierten. Welche Menschenverachtung soll hier indirekt eigentlich alles unterstützt werden – unter dem Deckmantel einer Friedensbewegung oder von Anti-Rassismus. Das sind allesamt jedenfalls keine emanzipatorischen Botschaften welche Sie hier verbreiten, Herr Schulze von Glaßer. Und so eben nicht bloß in Hinblick auf Kreative aus der Videospielindustrie, oder deren Millionenpublikum: den Antiamerikanismus kann ich bei der „Gamestar“ schon redaktionell nur mehr eklatant nennen, da bräuchte es eigentlich gar keine Leserbriefe mehr so. Die Ansichten gegen Amerikas „Gewaltkultur“
Niemand braucht die Amis oder deren Politik zu mögen. Oder deren kulturelle Errungenschaften – von Mark Twain über John Carmack und Oprah Winfrey bis Gen Padova. Ich möchte auch nicht dort bei denen leben, bei derem Sexualstrafrecht. Und könnte vor einer Amerikanisierung in macherlei Hinsicht auch bloß warnen. Doch welcher Chauvinismus tritt hier zum Vorschein?
Auch ein Chauvinismus Resteuropa betreffend.
Wie sich ein wiedererstarktes Deutschland da moralisch überlegen imaginiert zeigt sich auch nicht bloß an Anti-Videospiel-Veröffentlichungen bei jemandem wie Jürgen Elsässer.
Welche FeindInnenbilder baut eine Frau Schiffer auf? Weshalb wird das nicht gefragt. Wo ist da die „Kritik“?
Da haben Sie gerade in seitenweisen Ausführungen, was einen enormen Arbeitsaufwand dargestellt haben muss, indirekt erklärt, dass ein Titel wie „Battlefield 3“ sehr wohl auch differenzierte GegnerInnenschaften integriert hat, und keineswegs bloß arabische FeindInnenbilder imaginiert. Der Rest widerspricht sich dazu doch. Fällt das gar nicht auf. Es werden so eben auch woanders AntagonistInnen gesucht. Doch wo sucht zum Beispiel eine Frau Schiffer keine Antagonismen?

Da muss ich überhaupt nicht auf ihr Verhältnis zu regimetreuen iranischen Medien verweisen. Bei einer Frau Schiffer, die in dem „Vergleich“ zwischen Islamophobie und Antisemitismus beim Antisemitismus praktisch die gesamte Antisemitismusforschung ignoriert hat und sich auf einen Antisemitismusbegriff bei Rassismus aus dem Brockhaus (!) berief. Und wenn man dann nachfragt, woher sie ihre Ideen in Hinblick auf Videospiele etwa hatte, und den Namen Dave Grossman liest, dann kann ich auch nur daran erinnern, dass genau dieser in Deutschland auch so populär erscheinende Grossman in einer Publikation der LaRouche-Bewegung sich dankbar für die Arbeit der LaRouche-Leute zeigte, und zugestimmt hat, dass eine „unpatriotische“ Clique in den USA – in Hinblick auf alles was da anscheinend nicht passt – aus unter anderem „Israel“ im Hintergrund finanziell unterstützt werden würde. Aber 1+1 ergibt anscheinend halt wirklich nicht immer 2.‘

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