„Hass auf eine womöglich auch nur bloß eingebildet vorhandene Masse“ – Kommentar bei der ZEIT

Kommentar: ‚Ressentiments haben aus meiner Sicht ja kaum je etwas mit Vorurteilen zu tun, sondern sind wohl oft schlicht über Generationen traditierte negative Gefühle die keine (andere) Urteilsfindung entkräftigen werden: davon zeugt für mich, ähnlich wie bei der jüngst veröffentlichten englischsprachigen Publikation „Nazisploitation“, über Bilder des Nationalsozialismus in eingebildeter „Low-Brow“-Kultur, auch diese Wiedergabe einer versammelten AutorInnenschaft zu Videospielen die es wagen Krieg eben ohne moralische Überlegenheitsdünkel zu thematisieren. „Krieg“ nicht nur in Videospielen, sondern auch als (!) Videospiel. Wo Kultur halt immer noch am ehesten über (soziale) Abrenzungen läuft –
Als eine bloß etwas divergierende Form von Diskriminierungen.

Erste-Hilfe-Pakete gibt es in „Call of Duty“ schon lange nicht mehr. Das ist für diese Form von Checkpoint-Spielen bereits viel zu kompliziert geworden. Dafür automatische Selbstheilung nach dem Motto „Die Zeit heilt alle Wunden“ – für die AutorInnen alles wahrscheinlich noch viel schlimmer, so wie sich da Genre-Konventionen anscheinend (auch) entzogen wird. Aber worum geschieht das eigentlich? Bedenklicher Weise doch genau über jene Ideologie deren Mangel absurder Weise noch beklagt wird: Realismus.
Oder die Pakete hat auch ein „Rotes Kreuz“ einzuschränken gewusst, dass sein Emblem in keinen „solchen“ Videospielen sehen will. Wo auch hier ungeheuerlicher Weise gefordert wird, dass Kriegsvebrechen in Videospielen nicht thematisiert werden sollen. Ausgeblendet oder verhindert. Bei einer hier sichtbaren Publizistik die ich als konstant undemokratisch einschätzen möchte und als Gefahr auch nicht verharmlosen: oder wo bleiben hier Artikel wie unlängst in der New York Times, die „Call of Duty“ und Co. einmal nicht mit ausdrücklicher Ablehnung begegnen, sondern vielleicht gerade diese Ablehnung auf das hierzulande immer noch vorhandene Problem der Wehrpflicht zurückführen – welche es in den USA eben nicht gibt und die ein „Call of Duty“ dort gerade so populär gemacht hat. Wo Menschen zu keinem „Dienst“ an Waffen real gezwungen werden, wo eben keine reale Militarisierung darüber einsetzt, wie auch in einer deutschen Studie von Thorsten Quandt unlängst statistisch bestätigt wurde und welche den Schluss dieses Artikels auch mal erklären könnte. Nicht nur so stehen lassen

Es gibt verschiedene Realismen – nicht bloß Ideologische. Bei Videospielen sind meistens entweder audiovisuelle Wiedergaben gemeint und Steuerungsmodi gemeint, oder bestimmte Spielmechaniken. Kaum je das was da unterstellt wird – schon gar nicht wenn das irgendwelche PR-Agenturen verkaufen die mit den Produktionen selbst für gewöhnlich gar nicht viel zu tun hatten bevor sie einen Werbeauftrag in dieser Hinsicht etwa umgesetzt haben. Oder bei den diversen gerade für historische oder zeitgenössisch-militärische Spiele wichtigen bis unerlässlichen Beratungen: jedenfalls keine „Kritik“punkte. Ebenso wenig wie (Selbst-)Zensurmaßnahmen welche gerade für den deutschen Markt und dessen kultureller Sauberkeitsvorstellungen oft immer noch angefertigt werden müssen.
Doch dazu genügt eigentlich auch ein Blick in die Kommentare zu diesem Text, die ich vielfach nur reaktionär nennen kann: wo ein Antiamerikanismus längst obsiegt zu haben scheint und revisionistische Parolen einer Rehabilitierung ehemaliger deutscher Militärs teils unverhohlen gefordert werden, offen ausgesprochen sind. Ganz im Sinne der ZEIT (Online)?
Auch wie in dem Text gefordert wird – ähnlich wie der Aktivist Peter Bürger auf Militainment.info – vermeintliche „Kritik“ dadurch zu erzeugen indem einem Publikum über die Spiele noch „Gewalt“ angetan werden sollte, in welcher Form auch immer, kann ich einfach nur menschenverachtend nennen.
Doch wer, welche Redaktion, in einem Artikel bei „Modern Warfare“ eben nicht denken will und dann genau das dem Spiel normativ unterstellt, dass dort nie nachgedacht werden sollte, der wird auch andere RezipientInnen traditioneller Videospiele zum Thema Krieg nur Ähnliches vorwerfen können. Keinen anderen Zugang für möglich erachten, nichts außer „Spielspaß“ be- oder hinterfragen. Keine konstante Situation des Scheiterns, von Perspektivenwechseln etc. Dazu gibt es naturgemäß auch kein Wort der Vielfalt, anderer Zugänge als Besagter, verschiedener Wahrnehmungen, von Diversität außerhalb bestimmter Rahmen und Bahnen, Überzeugungen. Sonst würde ja auch die restliche Berichterstattung über „diese“ Videospiele nicht mehr stimmen – mal auf den Kopf gestellt werden.
Nichts außer Arroganz. Höchstens noch ein klein wenig ebenso unangebrachten Zynismus. Und Arroganz kann für mich niemals etwas mit Wissenschaft zu tun haben. Oder Bildung. Oder Intellektualität, nichts mit Nach-Denken. Wahrscheinlich nicht einmal mit Denken allein.
Wären Videospiele keine Videospiele sondern (nur) gedruckte Literatur wäre vieles was in dem Artikel steht nichts anderes als die (künstliche) Empörung über eine Wiedergabe von „Krieg“ in Buchstabenform: noch dazu wenn die Vorgabe(n) halt nicht stimmt/en – oder wie über Schrecken bloß (andere) Musik gemacht werden könnte. Ein anderes Denken, Sein ermöglicht wird als es hier so beliebt (ist): bei dieser Präsenz von Hass auf eine womöglich auch nur eingebildet vorhandene Masse

Über pyri

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