„Die Geschichte um ihre Herkunft werden auch diese Leute nicht ändern können, doch Niemand – kein Mensch – muss sich als lebendiger Demokrat damit identifizieren.“ Kommentar im VDVC-Forum (neue Abteilung für „Stigma Videospiele“)

Kommentar: ‚Wie es auch schon in der neuen „Stigma“-News diesbezüglich heißt, glaube ich ebenfalls mehr an die Verwendung arabisch( klingende)r Namen.
Da ich des Arabischen leider nicht mächtig bin kann ich zwar auch nicht mit Sicherheit sagen, ob sich nicht doch die eine oder andere Islam-Referenz in große westliche Videospiele diesbezüglich bereits eingeschlichen hat, doch grundsätzlich glaube ich wird hier mit dem alten orientalistischen Vorurteil an die Sache herangegangen und AraberInnen mit MuslimInnen einfach gleichgesetzt – was aus meiner Sicht wie in anderen Fällen von Rassismus (vor allem beim Kolonialismus) auch ihrerseits problematisch ist, denn im arabischen Raum gibt es natürlich auch ein Christentum etc.

Auf der anderen Seite soll in diesen Tagen doch (endlich) auch der 9/11-Prozess beginnen: soll heißen, Verschwörungstheorien außer Acht gelassen, dass 9/11 2001 aus diesem Teil der Welt, also dem Arabischen, organisiert wurde und damit der Grund für den „Krieg“ mit oder gegen den „Terror“ (für die Amis) geliefert wurde, begann, ist gleich wenig abzustreiten wie dass das damalige Österreich mit dem Ersten Weltkrieg über das eine Attentat da am Balkan angefangen hat. Ob der US-„Krieg“ nun völkerrechtswidrig gewesen ist oder nicht – auch Deutschland hat da anfangs ja mitgemacht.
Dass ein politischer Islam in Afrika, erst in diesen Tagen in Nigeria wieder mal so „prominent“ dass er auch die hiesig eurozentrisch einseitig ausgerichteten Medien vermehrt erreichte, blutige Anschläge verübt, ist auch nicht von der Hand zu weisen – gerade viele MigrantInnen mit denen wir hier in Europa zu tun haben werden zum Beispiel von dort geflohene ChristInnen sein.

Insofern ist es nur recht und billig, dass diese Zeitgeschichte auch in Videospielen wie „Modern Warfare“ verarbeitet wird, wobei: gerade „Modern Warfare 2“ hatte noch sogar einen US-General als Hauptbösewicht. Den Herrn Shepherd! Bitte nicht vergessen –
Ich habe vor meiner letzten Operation gerade deswegen auch für meine Diss geschrieben, dass (auch) in der Videospielindustrie Antagonismen lieber in eigenen Reihen gesucht und gefunden werden um Niemandem – wohl gerade keine MuslimInnen – zu erzürnen. Man könnte das mit anderen Worten auch mit einiger Begründung sogar noch als feige und realitätsferne/fremde politische Korrektheit auslegen –

Es würde mich auf alle Fälle schon wundern, wenn in einem „Modern Warfare“ auf Arabisch viel vom Islam zu hören oder lesen wäre, wenn Sony 2008 gleich die ganze erste Charge von „Little Big Planet“ eingestampft hat – wegen eines einzigen Koranzitates, vorgetragen von einem dem Vernehmen nach muslimischen Musiker aus Mali, nur um nicht die Gefühle anderer MuslimInnen zu verletzen. Also wenn Activision da andauernd aus dem Koran zitieren würde…
Der Musiker wollte mit seiner Musik übrigens gerade für den Islam Werbung machen, wie später bekannt wurde http://multiplayerblog.mtv.com/2008/10/21/little-big-planet-musician-defends-song-to-mtv/ Also ein antiislamischer Schritt von Sony? Nein. Sony begründete das damals ausdrücklich mit Protesten gegen eine Trivialisierung des religiösen Textes. Da gibt es eben ähnlich wie beim Bilderverbot gegen die Mohammed-Karikaturen auch ein Musikverbot in manchen Strömungen des Islam. „Den Islam“ gibt es ja überhaupt nicht – genau so wenig wie „das Christentum“.

Man könnte darüber des weiteren behaupten, dass sogar ein „Call of Duty“ antiamerikanistische Gefühle schürt, weil es international Common Sense ist dass die Amis oder ihre Militärs halt die Bösen sind. Und das auch diese Spiele gewissermaßen so bedienen: im 2010er „Medal of Honor“ ist der Böseste von allen auch ein Bürokrat der aus der Ferne anschafft, und wenn es sein muss die eigenen Leute im afghanischen Schnee oder Sand verrecken lässt, die eigene (kapitalistische) Kosten/Nutzen-Rechnung es so besser aussehen lässt. Aber darüber hört man natürlich nichts bei Friedensbewegten wie Michael Schulze von Glaßer oder Peter Bürger –
Der Unterschied ist der, dass das Fußvolk in den Computerspielen verehrt wird, und das soll bedenklicher Weise ideologisch offensichtlich nicht sein – weshalb Ressentiments gegen „Call of Duty“ und Co. für mich vor allem auf eines hindeuten: Demokratiedefizite.

Diese Spiele sind für gewöhnlich politisch fürchterlich korrekt, können demnach selbst durchaus antiamerikanistische und antikapitalistische Ressentiments bedienen, also beides was ihnen für gewöhnlich vorgeworfen wird: ein US-Hurrapatriotismus und Geldgier durch Gewalt, aber das wird man weder von Christian Schmidt noch Carsten Görig, noch Christian Stöcker, Pfeiffer, Manfred Spitzer oder Rudolf Weiß hören.
Das nutzt natürlich alles nichts, wenn nicht nur für Leute wie Sabine Schiffer feststeht, dass, egal ob „Call of Duty“, „Medal of Honor“ oder „Battlefield“, diese alle politisch fragwürdig wären, überhaupt alle Shooter wie mir aus dem „Standard“-Forum kürzlich jemand geschrieben hat, weil eben alle arabisch aussehenden oder sprechenden Typen in den Spielen als kulturell fremdenfeindliches Stereotyp ihrerseits gewertet und verurteilt werden, eine US-Hegemonie, ein US-Imperialismus, so verlängert, aufrecht erhalten werden würde. Es eben unhinterfragt feststeht, dass „Call of Duty“ US-Propaganda ist.
Bei GameSpot wurde kürzlich ein Video veröffentlicht aus dem hervor geht wie das auch videospielenden Menschen mit arabischem Hintergrund auf die Nerven geht, wenn Arabisch sprechende Personen schon oft die Bösen sind, anhand von CS auch vor 9/11 (Bin Laden wirkte schon in den Neunzigern), das wird bei dem „Krieg gegen den Terror“ aber ähnlich sein wie mit den Deutschen die im Zweiten Weltkrieg nicht gegen ihre eigenen Großväter kämpfen wollen. Die Geschichte um ihre Herkunft werden auch diese Leute nicht ändern können, doch Niemand – kein Mensch – muss sich als lebendiger Demokrat damit identifizieren.
Aber dann müssten „Terroristen“ so, wie es bei der GameStar in ihrer „Battlefield 3“-Rezension gleich als Forderung für ein „Battlefield 4“ geheißen hat, vorher schon wohl entfernt werden – darf eben kein Bezug mehr zu dieser Zeitgeschichte hergestellt werden. Jedenfalls keiner in Form eines traditionellen Shooters – Spiele mit Figuren von Menschen aus Fleisch und Blut, statt etwa Plüschhasen.‘

Meldung bei „Stigma Videospiele“

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