Kommentar bei NEGATIV-Film

Via Facebook: ‚Jedes einzelne Bild, alle Einstellungen seien so offenbar zu rechtfertigen, müssten sich erst mühsam legitimieren. Seien sonst abzulehnen: eine einzige Verhöhnung von „Kritik“. Dieser Text stellt selbst nichts anderes als massive strukturelle Gewalt dar, wenn er über ein Medium UND sein rezipierendes Publikum dermaßen bestimmen möchte, mittels Unterscheidungen von Wertigkeiten. Die Kultur des Einzelnen zählt so scheinbar nichts, gerade wenn sich dabei gegen „Konsum“ ausgesprochen wird. Zwischen Kunst und Kommerz so trennen zu wollen ist dünkelhafte Illusion und könnte ich mit meinem Gewissen zum Beispiel niemals vereinbaren. Sie entbehrt auch jeglicher historischer Grundlage: ginge es danach wäre die allermeiste heutzutage musealisierte Kunst auch als „Kommerz“ abzulehnen. Wie auch offizialisierter Kulturbetrieb, Kulturindustrien die häufig mit dem Tourismus eines Landes oder einer Stadt einhergehen. Über dieses Primat, wenn schon nicht Diktat, eingebildeter Authentizität oder Unabhängigkeit. Wie geht das überhaupt: auch ein Michael-Haneke-Film ist etwa Kommerz wenn dieser Kooperationen mit den Warner Brothers eingeht, sogar noch extra einen im Österreich der Neunziger Jahre zumindest teilweise mit Transfermitteln finanzierten Film ein Jahrzehnt später in den USA mit amerikanischen SchauspielerInnen regelrecht nachstellt. Solches Re-Enactment leistet: wenn kulturelle Normen über Fördertöpfe gerichtet werden endet kein Problem, sondern beginnt erst eines. Töpfe welche mindestens ebenso wie „Kommerz“ die Gefahr bergen Ausdruck in bestimmte Richtungen zu lenken: doch das soll tendenziell demnach verharmlost werden. Problematisch sei lediglich die Gefährlichkeit sexueller Fantasien, das heißt letztlich die von unliebsam Denken, Wünschen oder Ängsten. Wie bei Krieg und Frieden, sexueller Offenheit, Folter oder Vergewaltigungen. Ein „Breaking the Waves“ halte ich so ebenfalls für missbraucht: alle Ideen laufen darüber ebenfalls auf bürgerliche Zurückhaltung hinaus. Oder weshalb wird das Beispiel eines „Antichrist“ nicht genommen, in dem Blut ejakuliert wird – in und aus Deutschland gefördert -, und angeblich nur „jugendbeeinträchtigend“, während andere Ejakulationen beständig für jugendgefährdet erklärt werden. Wie passen diese kulturellen Sauberkeitsvorstellungen mit kultureller Verantwortung zusammen, geschweige denn Freiheit. Oder besser mit welcher Verantwortungslosigkeit, in einer Gesellschaft welche es anscheinend noch witzig findet „sinnfrei“ statt „sinnlos“ zu sagen. Dann noch: weshalb sollte die Szene mit dem alten Mann in „Breaking the Waves“ überhaupt „erschüttern“? Was für Körperbilder dominieren da – gerade als Mensch mit Behinderung frage ich mich das, wenn Menschen Freude bereitet wird. Und finde diese Äußerungen über Sexualität mehr als entlarvend, geschweige denn schien der Film so leider unverstanden geblieben zu sein. Weshalb wird Sexismus überhaupt im Ausdruck anderer Menschen so gesucht, in einer unangepassten Ästhetik von Videospielen aber nicht etwa bei Egon Schiele: Sexismus in Videospielen und deren Industrie ist es für mich jedenfalls, wenn dem Deutsch sprechenden Fußballer in „FIFA Street“ gesagt gelassen wird dass Frauen-Fußball „schlimm“ sei, oder wenn „Halo: Resch“, das weibliche Avatare integriert hat, unter den AAA-Titeln immer noch eine Ausnahme darstellt. Sexismus ist es so etwa, dass das bei „Call of Duty“ nicht der Fall ist. Auf Sexismus deutet auch noch immer, oder eben sogar immer mehr, der Umstand hin, dass es kaum namhafte Videospieldesignerinnen in der Branche gibt. Dass Leute wie Roberta Williams oder Dani Bunten entweder nicht mehr aktiv oder schon längst tot sind. Als Feminist würde ich mich deshalb im Gegenteil auch dafür einsetzen, dass mehr Videospiele von Frauen gefördert werden, das heißt genau bei Kreativen ansetzen, nicht bestimmte Charaktere entweder (völlig) ablehnen oder (allein) durchsetzen wollen. Es ist auch eine Frage mit welcher Gewalt dahingehend über sexuelle Identitäten gedacht wird herrschen zu können: weshalb etwa Männer in Videospielen nicht auch Frauen sein können, oder umgekehrt. Vielleicht gewinnen ja manche Spielerinnen von „Call of Duty“ oder anderer Shooter durchaus ohne Frauen darüber eigene erotische Reize die ich als heterosexueller Mann wieder nicht nachvollziehen kann, jedenfalls nicht ganz: ein Bemühen etwas zu verstehen wäre so jedenfalls beidseitig möglich. Darüber hinaus: was ist Abhängigkeit? Und wer wäre von wem „unabhängig“? Wann und wo? Übrig bleibt ein fremdes, andere Denken über Medien. Womöglich noch über ein- und dieselben Medien. Über Leben, Sexualität, Eindrücken, Geschmack und Empfinden Macht ausübend. Ein anderes Gefallen verhindernd. Diskriminierender und beleidigender Weise -‚
(Danke für den Hinweis im VDVC-Forum)

Kommentar im VDVC-Forum über den NEGATIV-Artikel: ‚Das ist einer der schlimmsten Texte welche ich über das Medium, womöglich sogar alle Medien, je gelesen habe. Weder der „Kölner Aufruf“ noch ein Spitzer, Weiß, Huber oder Glogauer waren da je nah dran, aber wahrscheinlich fällt das auch überhaupt nicht auf was da zwischen den Zeilen alles drin stehen kann. Höchstens ein Michael Felten hat sich mal ähnlich geäußert: ginge es danach wäre praktisch nichts mehr „sicher“ – müsste alles einer gesellschaftlich normierten Überprüfung erst stand halten und die Leute wie Schafe auf einer Weide umzäunt mittels „Grenzen“ vor sich hinleben. Man müsste sich schon vor den eigenen Gedanken fürchten, wobei das was diese Furcht verursacht dort noch als „Kritik“ positiv ausgewiesen wird. Nicht nur das, sondern sogar „konstruktiv“ –
Bei anderen konnte man zumindest noch den Eindruck haben, dass sie Freiheit nur in neueren Medien ablehnen – einen Literaturbetrieb zumindest nicht direkt angreifen wollen, auch wenn „allen Büchern“ schonmal kein Kunstcharakter zugebilligt wurde.
Mittlerweile frage ich mich schon manchmal was wohl Geistesgrößen wie Goethe zu diesen „Debatten“ über Inhalte gesagt hätten – von Goethe ist ja auch das Wort zur Toleranz überliefert, wonach Dulden beleidigen heiße. Nur Anerkennung ein Ziel sein könne. Doch diese Leute kommen sich wohl noch ganz gut damit vor, weil sie ja – trotz all ihren Vorwürfen – keine „Verbote“ fordern, demnach – zumindest bis zu einem gewissen Grad – „tolerant“ wären, etc.‘

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