Ersteindruck „FIFA 13“: am Ende der Fahnenstange –

Der Übergang zur nächsten Konsolengeneration wird bei EA Sports hoffentlich weniger holprig verlaufen als anno 2005: kein rudimentäres Fußball, kein „Tiger Woods“ mit wesentlich weniger Kursen und auch keinen vorläufigen Ganzausfall wie weiland beim Eishockey („NHL 06“ gab es damals noch nicht für „Next-Gen“)
Denn „FIFA 13“ dürfte das technische Limit in dieser Generation bereits strapaziert haben: nicht nur die Verpackung, in Österreich mit David Alaba als nach Ivanschitz (FIFA 10) leider etwas kleiner platzierten Coverboy neben Messi (wie viele Jahre läuft der Messi-Vertrag eigentlich?), weiß von relativ wenigen neuen Features zu berichten. Das Gewicht des Balles wurde kaum mehr verändert, neu sind vor allem die wesentlich besser agierenden KI-Kicker. Deren Verhalten ist nach der Umstellung der Animationen nunmehr standsicher geworden, ihre Raumaufteilung vorbildlicher. Ein komplett neues System wie in der Verteidigung letztes Jahr fehlt da aber
Mit der Ballphysik dürfte man selbst bei Electronic Arts noch immer nicht ganz zufrieden sein – Handspiel zu ahnden ist standardmäßig weiterhin ausgeschaltet
Immerhin bleibt einem der Pro-Evo-Gummiball aus den letzten Jahren erspart.
Dafür tut sich auch sonst etwas mehr am Spielfeldrand: die Zuschauerkulissen wurden dieses Mal bemüht eingefärbt um zumindest künstlerisch den Anstrich einer vielfältigen Atmosphäre zu bieten. Visuell sehr schön – akustisch sowieso top, und erstmals befinden sich auch auf der deutschen 360-Disc die nunmehr beiden englischsprachigen Kommentatorenteams.

„FIFA 13“ fühlt sich nach dem ersten Mal weitgehend richtig an – die Pubertät im Streit mit PES dürfte es nunmehr überstanden zu haben: ein Manko so mancher EA-Sports-Titel war dabei in den letzten Jahren, dass sie manche Aspekte gänzlich liegen gelassen haben und gar nicht bis kaum weiterentwickelt. In „FIFA 13“ wirkt jedoch sowohl der Karrieremodus, als auch die „Be A Pro“-Abteilung mitunter völlig neu.
Das Managerangebot wurde in diesem Actionspiel jetzt deutlich erweitert, und sei es bei Kleinigkeiten wie etwa die – auch optisch schön aufbereiteten – Verhandlungen mit Neuzugängen im Detail ablaufen. Rennt man mit seinem – neuerdings unbedingt jugendlichen – Pro (Jahrgang 1994!) nun die ganze Zeit durch die Gegend wird er auch einen plötzlichen Schwächeanfall erleiden und zwar nicht verletzt sein, aber das Spielfeld dennoch verlassen müssen. Dessen Kräftehaushalt zu managen wird dadurch umso wichtiger. Nur auf Frauen wie im letzten „NBA Street“-Basketball „Homecourt“ wird bekanntlich weiterhin verzichtet werden müssen. Daran wird auch die penetrante Verlagerung erster Editierfunktionen in das „Season Ticket“ („Battlefield Premium“ lässt grüßen) nichts ändern

Die zuletzt nach einer Testphase nur mehr kostenpflichtigen Live-Saisons (Gutscheine gabs dafür keine mehr) vielen ähnlich wie das „Fantasy Football“ bei „Madden“ dieses Jahr ganz weg, deren Gratis-Ersatz verspricht dafür ein weniger generisches Erlebnis und wurde (etwas versteckt und noch nicht ganz antestbar) mit den RL-Challenges verheiratet die mir in „FIFA 12“ fast am besten gefallen haben. Echtes Ligen-Reenactment ist so dennoch praktisch nicht mehr möglich. Dafür können scheinbar erstmals auch die nächsten vier Begegnungen für Teams der österreichischen Bundesliga im Vorhinein gespielt werden – das umfangreichere und kostenlose „Match Day“-Feature steht für kleinere Ligen aber offenbar trotzdem nicht zur Verfügung.
An den Online-Pass hat man sich bei EA ja wohl oder übel schon gewöhnt

Anstatt die Live-Saisons verkaufen zu wollen setzt EA Sports offenkundig voll und ganz auf den potentiellen Goldesel „Ultimate Team“: das Sammelkartenspiel ist diesmal auch wirklich beeindruckend in den Fußball-Titel integriert worden. Am besten hat es mir bislang bei „NHL 11“ gefallen, „FIFA 13“ dürfte das aber ändern.
Negativ betrachtet könnte „FIFA 13“ wie ein einziges großes Casino wirken: überall gibt es etwas zu kaufen, ob mit Real- oder Spielgeld. Oder Spielgeld mit Realgeld, wie man es denn sehen möchte – der Kommerz scheint jedenfalls keine Grenzen mehr zu kennen.
Positiv gibt es so erstmals genügend freizuschalten und EA weiß den Zeit/Geld-Faktor mit seinem Micropayment-System (nunmehr inklusive zweier eigener Währungen – „Dust 514“ und Co. lassen grüßen) durchaus immer noch zu würdigen, niemand braucht für neue Items unbedingt bezahlen, wenn er oder sie ein wenig Lebenszeit in „FIFA 13“ investiert hat – zum Jubiläum der deutschen Bundesliga gibt es auch historische Trikots
It’s a profit deal…

Apropos diese Bundesliga: die „Virtuelle Bundesliga“ ist eigentlich nur eine standardisierte Variante der beliebten Multiplayer-„Saisons“, nur halt ausschließlich mit deutschen Teams – anstatt es wie dort andauernd mit Barca zu tun zu bekommen…
Und apropos Barca: Lionel Messi als Werbeträger zu haben ist zwar schön und gut, aber abgesehen von seinem aufdringlich platzierten Antlitz ist er wohl auch eindeutig zu hoch bewertet, das heißt nämlich der mit Abstand am höchsten eingestufte Spieler.

Das Versprechen den im Vorjahr gegründeten „Football Club“ nicht neu zu erfinden wurde übrigens eingelöst, wenn vielleicht auch nur rudimentär: bei „FIFA 12“ stieg ich bewusst auf Level 19 aus und verzichtete (360) auf das 20er-Achievement. Nachdem „FIFA Street“ den „Football Club“ nicht fortlaufend unterstützte stieg ich in „FIFA 13“ dennoch auf Level 20 ein. Der Umstieg vom Produkt zum Service mag aus allen Enden von „FIFA 13“ sprechen. Dennoch möchte ich mal sehen wieviele Jahre sie das System so noch durchhalten werden, ich vermute leider doch mal: keines mehr – der Reiz sich so oder so ständig neu zu erfinden wird wohl größer sein. Immerhin hege ich die Hoffnung mein „Game Face“ auch auf der PS4 oder einem 360-Nachfolgegerät dadurch nie mehr neu entwerfen zu brauchen…

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