USK gibt „Halo 4“ wieder ab sechzehn Jahren frei

Nachdem „Halo 3“, dessen Spin-Off „ODST“ und „Reach“, der letzte Franchise-Beitrag von Bungie, keine Jugendfreigabe erhalten haben, wird „Halo 4“, das Retail-Debut von 343 Industries, wie den ersten beiden Teilen von den Obersten Landesjugendbehörden in Deutschland wieder keine Jugendbeeinträchtigung attestiert. Siehe Datenbank
Mittlerweile lässt sich wohl eine Linie erkennen und dürfte sich die Videospielindustrie mit gewissen Standards in der Gewaltdarstellung – ähnlich dem Filmbereich – langsam aber sicher etablieren. Sei es entweder durch Kooperation mit den Behörden (dahingehend wie etwa die „BFG“-Edition von „Doom 3“ nun wirklich aussehen wird), eigene (das heißt selbst auferlegte) Einschränkungen noch bevor es zu Gutachten kommt (Borderlands 2), oder schlicht dem Dogma/Ideal allgemeiner Zurückhaltung. „Zensur“ darf dabei gerne außen vor bleiben.
Denn letzten Endes kommt, wenn jetzt nicht einmal Agent 47 mehr indiziert ist, es weniger darauf an ob Blut spritzt oder nicht, sondern wohin: das zeigen nachhaltig nicht nur die Aufgabe von Enthauptungen bei „Borderlands“, sondern etwa auch die unbefleckte Kleidung von Juliet Starling. Unterschiedliche Märkte können schließlich auch nachträglich mit entsprechenden Veränderungen bedient werden – womöglich noch kostenpflichtig. Freiheit bezahlt.
Und Zeit, oder besser Zeitgenossenschaft: denn dass ein „Halo“, „Assassin’s Creed“ oder „God of War“ unproblematischer erscheint als in einer soziopolitischen Gegenwart angesiedelte Titel ist auch Ausdruck dieser Linie. Ebenso wie dass der Nationalsozialismus noch immer kaum thematisiert werden kann, nicht einmal abstrakt oder auch nur unabsichtlich (Heise zum „Humble Indie Bundle 6“)

Ihr Übriges zu der Willkür von „Gewalt“ beitragen werden darüber hinaus welche Farben zur Auswahl stehen, welche Sichtbarkeit dieser vorhanden ist, und wie mit Licht und Schatten gearbeitet wird. Bis ein weiteres Gewaltverbrechen das System selbstverstandener Unaussprechlichkeiten (erneut) ins Wanken bringt oder öffentlich mehr in Frage stellt…
Ein Diskurs über Farben findet im visuellen Bereich ja weiterhin nicht statt. „Gewalt“ blieb dort seit jeher „Gewalt“. Anders als in der Musik ist darin an Worte vielfach gar nicht zu denken, die Symbole werden bestenfalls archäologisch reduziert – womit sich so meiner Erfahrung nach noch vielfach aus Affären gezogen werden möchte. Und weiterhin nichts verteidigt werden braucht.
Große Titel wie „Dead Island – Riptide“ könnten in Hinkunft so jedenfalls dennoch wirklich eine Ausnahme sein, und indizierte Videospiele nur mehr tatsächlich ein Fall für den Untergrund.

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s