Die Militarisierung der Militarisierung

Wichtig ist ernst: wer eine Hausmarke so wichtig nimmt wie Microsoft „Halo“ – was Sony mit keiner ihrer Franchises auch nur annähernd tut -, das heißt mit diversen großen Filmprojekten (gescheitert oder animiert), einer eigenen App die ihrerseits mit eigenen, mehr oder weniger aufwendigen Videoproduktionen gefüttert wird (wie im Übrigen „Forward Unto Dawn“ selbst, um das es hier in erster Linie gehen soll), ja mit 343 Industries sogar einer eigenen In-House-Start-Up-Kompanie die sich nach Bungie jetzt um alles „Halo“ kümmern soll, wer das alles tut, hat entweder einen gewaltig an der Waffel oder viel vor und damit zu tun.
Da Microsoft nicht irgendwer ist tippe ich auf Letzteres: es muss irgendwann so vor zehn Jahren schon gewesen sein, als sich dort jemand gedacht hat „daraus machen wir was“. Und zwar „das nächste Star Wars“.
Heute, zehn Jahre später, ist „Halo“ zwar vornehmlich noch immer dort wo es damals schon gewesen ist. Dennoch hat sich das „Marathon“-Sequel in der Zeit gewissermaßen verändert: es könnte der Gewinn als „Spiel des Jahres“ beim TIME Magazine gewesen sein, denn nach „Halo 3“ wurde alles immer ernster. Vielleicht fing es auch mit der Super-Bowl-Werbung (unten) an
Jedenfalls ist Microsoft eigentlich gar nicht die Schuld zu geben, denn schon Bungie hat „Halo“ mit „ODST“ und „Reach“ in Richtung Jazz und Erlösung gebracht. Und seitdem wird der „Kampf“ praktisch immer wieder „beendet“.
Dabei konnten die Teile 1-3 durchaus noch durchgängig wie Komödien gelesen werden, Schwänke über Kanonenfutter, ein militärisches „Meet the Feebles“, auch wenn sie selbst da nur empört haben mögen.

Schon Lev Grossman bemerkte einst das Potential von „Halo“ in Richtung „Star Wars“, dafür bräuchte es aber auch eine eigene Identität: und unvermittelt hatte die „Halo“ auch irgendwie von Anfang an. Seien es die bunten Neonlichter (Technik), die stetige Schwere in der ursprünglich bereits vielfältigen Musik von Marty O’Donnell (wo der religiöse Ernst gewissermaßen doch von Anfang an bereits vorhanden gewesen ist), oder die sich immer wiederholenden Ausflüge in die Weite, weg vom Stereotyp des Korridor-Shooters (Technik die Zweite, inklusive entsprechender Nachdenklichkeit), und der schablonenhafte Avatar als notgedrungen völlig ausdrucksloser und weitgehend frei interpretierbarer, postmoderner Superheld. Der oder die Stahlmonster welche gespielt werden.
Unvermittelte Ungeheuer.

So etwas erfordert wohl Humor, damit es von der Ideologie gewisser Leute überhaupt einigermaßen ertragen werden wird. Doch glücklicher Weise hat „Halo“ diesen eben, den es vielleicht auch jemals nur im Ansatz hatte, abgelegt. Und so konnte aus „Forward Unto Dawn“ auch ein ernstes „Starship Troopers“ in der „Battlestar Galactica“-Ästhetik von 2003 werden.
Denn die Produktion zeigt keine IdiotInnen. Sie zeigt vielleicht überdurchschnittliche Schönheiten, doch keine jungen Leute die nicht in der Lage wären über sich selbst oder ihre Situation nachzudenken. Und die Welt in die sie geworfen wurden so durchaus auch in Frage stellen, selbst den „gigantischen“ und völlig entmenschlicht erscheinenden „Roboter“ dem sie in der vierten und vorletzten Folge letzte Woche begegnet sind.
Das Ungeheuer des Spielers, der Spielerin.

Auch da wo nur mehr geschimpft werden kann, und gar nichts mehr einfällt. In der Welt von „Halo“ ist über „Frieden“ nicht leiden reden: und gerade deshalb wird diese Welt das verlogene und anmaßende Dünkel über überkommene Gewalt-Vorbilder gerade mit ihrem Ernst provozieren. In einer Welt in der „Provokation“ längst kein Hinweis auf eine Gedankenanregung mehr (geworden) ist, sondern ebenfalls schon ein schlimmes Schimpfwort.
Und ein Tarantino nur deshalb halbwegs akzeptiert ist, so, dass selbst die von einem Bundesfamilienministerium gestützte Sache ihn anführt (wo mein Kommentar wohl noch am Sanktnimmerleinstag „freigegeben“ werden muss), und er dafür keinen Wandel in Richtung Mainstream wie Peter Jackson durchmachen musste, weil Tarantino halt nicht ernst genommen werden braucht: weil er eben auch „ironisch“ wäre, neben „realistisch“ wie ihn ein Bernd Graff in der Süddeutschen mal absurder Weise apostrophiert hat. So wie „David Lynch“ wäre – weil die „Gewalt“ sonst offenbar schon nicht anders ausgehalten wird. Als mit Ironie oder einem Vorwand von Realismus nicht einmal versucht wird anders zu verstehen. Humor: nein, ich bin froh dass „Halo“ nicht (mehr) so humorvoll ist. Und ernster ist, sowie demnach auch zumindest ernster genommen werden bräuchte. Würde das wer auch wollen.
Also Microsoft und 343: bitte genau so weitermachen, bitte noch ernster, noch mehr „Pathos“, Melodrama, noch mehr „Hurra“ für die Heimat rufen (wo immer diese auch wäre), weil Ihr genau so noch provokanter seid – jedenfalls für die mit denen ich es so (leider) zu tun bekomme. Denn das trifft an genau den Stellen wo es am bittersten nötig ist

Weltenretter am Ende, selbst wie aktuell bei Trilogie-Neustarts

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