Kommentare zu (weiteren) Ausgrenzungen auf Publikative.org

Kommentar: ‚Als Historiker und Mensch mit Behinderung finde ich eher solche beleidigenden Artikel einer Normgesellschaft und deren sich eingebildet demnach eindeutig für überlegen gehaltener Sozialität und/oder Literalität erschreckend, zumal ich über diese mich sowohl intellektuell als auch persönlich beschämenden Negativwahrnehmungen von Inhalten nur empören kann.
Fremde videospielende Menschen als Nazis oder misogyn zu beschimpfen: ich kann mit meinem Gewissen derlei chauvinistische Dünkel von Zuschreibungen jedenfalls nicht vereinbaren. Ob sie nun Politik oder Moral betreffen –
Frauen auf erotische Darstellungen reduzieren wenn dann Sie mit solchen Artikeln, weil Sie genau diese Darstellungen offenkundig nicht haben wollen: und damit eigentlich welche anderen Bilder von Frauen?
Positiv? Weil Gewalt (negativ) ja anscheinend auch nicht…

Und ich verstehe als Feminist auch nicht weshalb dabei heterosexueller Ausdruck von Männern wie mir angegriffen wird, aber nicht etwa wenn in einem Spiel wie „FIFA Street“ Frauenfußball als etwas „Schlimmes“ dargestellt wird etc. „Call of Duty“ immer noch keine spielbaren Frauenfiguren aufweist. Wieso wird sich nicht darum bemüht dass mehr Spiele von Frauen gefördert werden, oder mehr Frauen in dieser Ausdrucksform Führungspositionen erreichen – was die patriarchale Struktur in dieser Industrie eigentlich bedeutet, worauf sie weit eher hinweist, das heißt auf welche Restgesellschaft(en).
Mit wem reden Sie da so eigentlich, denn meistens finden diese Artikel öffentlich sowieso nur Zustimmung, obwohl Sie nur Hass propagieren: wollen Sie Kreative oder ein Publikum dass derlei Inhalte und Darstellungen in ihren Augen „nötig“ hätte oder nicht überhaupt ansprechen? Menschen wie mich? Existieren die überhaupt in ihrer Welt, oder sind sie gerade noch dafür gut genug um sie später so zu missbrauchen dass sie (weiterhin) als potentielle Gewalttäter hingestellt werden können, also Leute die Morddrohungen aussprachen etc., das heißt als welcher sich selbst erfüllenden Prophezeiung dann?
Aus welchem „sagen wir doch“ oder „haben wir ja schon immer gewusst“, wie diese misogynen Gamer-Nazis ticken?
Gerade als Behinderter finde ich es überaus diskriminierend wie hier mit struktureller Gewalt die ich nur ungeheuer laut und brutal empfinde, als unerträglichen Lärm, Druck und Zwang, über Körper(bilder) bestimmt werden möchte. Andauernd vorgeschrieben werden soll wie Menschen nicht dargestellt werden dürften, was dabei alles „erniedrigend“ wäre, mit ihren Ideen von „Würde“ nicht vereinbar, wer was nicht sein, spielen darf. Männer Frauen, Frauen Männer. Und dann noch selbstherrlich Ethik Was ist das für eine Wehleidigkeit gegenüber den eigenen bürgerlichen Lebenswelten? Menschen wie ich teilen nunmal nicht diese Vorstellungen von Leben und Sexualität, können und möchten sie nicht idealisieren. Finden Sie sich damit ab! Menschen wie ich machen Ihnen Ihr Lieben schließlich auch nicht streitig, oder macht diese Einstellung von Ihnen auch aus einem Egon Schiele etwa einen Sexisten, oder welche ästhetischen Vorstellungen sollen hier demnach allein gelten dürfen. Zu welcher fremdbestimmten Sexualität besteht so noch Aufgeschlossenheit?
Was soll ein „Frauenbild“ überhaupt sein? Sind Frauen nicht auch Menschen, das heißt welche Menschenbilder werden hier transportiert…
Ohne sich mit den betroffenen angegriffenen Kreativen anscheinend überhaupt je unterhalten zu haben.‘

Replique: ‚@horst
Ich bin eigentlich nicht „immer wieder überrascht“, denn ich kenne diese leugnenden Argumentationsmuster einer von mir kritisierten Intention leider schon seit Jahren, wo dann plötzlich gegen jede „Kritik“, die ansonsten wie eine Monstranz noch begrifflich als „kritische Einstellung“ vor sich hergetragen wird, Immunität gezeigt wird. Da will dann von „Kritik“ nichts mehr gewusst werden. Wo halt nur solche „Kritik“ zugelassen wird die halt auch (weiterhin) erwünscht ist –
Abgesehen eben von Konstruktionen wie „Frauenbild“: denn was soll die Rede von „Endsieg“ dann? Das ist, zumindest in dem Kontext, schonmal ein nationalsozialistischer Begriff. Geschweige denn die restliche Empörung. Was soll daran gar problematisch sein was da „kritisiert“ wird? Wer soll einen „Endsieg“ überhaupt haben wollen, wenn kein Nazi? Und weshalb sollte ein Antifaschist nicht auch mal in eine solche Rolle schlüpfen. Für mich gehört das zu einem aufrichtigen Antifaschismus sogar dazu, sich chauvinistischer Weise eben nicht für dermaßen überlegen zu halten: sind Helmut Berger, Hubert Kramar, Bruno Ganz und Christoph Waltz ebensolche, weil sie im Laufe ihrer Arbeit/Karrieren als Schauspieler mal entsprechende Charaktere gemimt haben? Beziehungsweise gilt das nur für eine unbequeme Masse welche dahingehend gefügig gemacht werden soll?
Oder welches Böse hätten diese sonst auch glamourisiert – ist es nicht schon eine eigene Leistung das dermaßen festschreiben zu können, wobei in manchen Spielen wie etwa dem offiziellen Multiplayer von „Call of Duty: World At War“ sogar ein Seitenwechsel Pflicht ist. Vielleicht der eigentliche „Ruf“ dabei – kritischer Weise. Als Aufruf zu einem anderen Nachdenken, zu einer differenten Erinnerungskultur fernab von angeblich weltoffenen Selbstbeweihräucherungen der potentiellen TäterInnen von einst, die eigentlich nichts weiter als eine tiefgehende Verschlossenheit zur Selbstkritik bezeugen, sowie immer nur einen Fingerzeig auf ein zu kritisierendes videospielendes Andere. Zu dem womit man selbst nicht konfrontiert werden möchte, woran man sich selbst nicht beteiligen will, wie eben dem „Endsieg“ – was immer der auch gewesen sein soll, denn welche Identifikation wird darüber schon fortgelebt: auch wenn etwa den Anfeindungen des Herrn R. über einen undifferenzierten Realismus völlig unkritisch begegnet wird. Was soll in diesem Artikel denn auch anderes gegenüber erotischen Darstellungen transportiert werden, wenn keine negativen Gefühle, Ressentiments, Ablehnungen halt bis hin zu Abscheu und Hass – ohne etwa überhaupt zu fragen ob sich manche Menschen vielleicht gerade einem Ekel nicht auch stellen wollen.
In meiner Dissertation schrieb ich noch sinngemäß, dass diese Anfeindungen gegenüber Erotik ja sehr beliebig sein werden – kaum festzumachen: ist die Dreiecksbeziehung, der Geschlechterkampf in „Catherine“ demnach auch sexistisch zu nennen. Wie ein (älterer) Breillat-Film? Eine Woody-Allen-Komödie? Wohl kaum und weiterhin oberflächlich eher nur „Onechanbara“ und „Dead or Alive“, ohne sich – ich wiederhole mich – mit dessen Kreativen überhaupt je beschäftigt zu haben.‘

Im VDVC-Forum: „Gamer sind also vorwiegend misogyne Nazis: als nächstes wohl ebenfalls noch Schuld daran, dass eine Banane krumm ist, ein Frosch keine Haar hat, etc. Wer weiß welcher videospielende englische Prinz sich demnächst als Biologe betätigen wird –
Einfach nur fürchterlich. Und da konnte ich mich jetzt (auch) nicht zurückhalten. Diese gefällige Geldeintreiberin geht mir mittlerweile auch gehörig auf den Nerven spazieren: Adam Sessler hat kürzlich auch ausführlich über die Morddrohungen berichtet welche er zu Columbine-Zeiten dereinst erhielt, von aufgebrachten WutbürgerInnen, doch darüber berichtet niemand http://www.youtube.com/watch?v=51n2CAm4_8Q
Ebenso wenig wie über die normierten Körperbilder welche eine Sexnegativität dabei transportiert…
Hauptsache die eigenen Vorstellungen eines Sollen-Seins brauchen nicht hinterfragt werden, was auch immer sein soll -„

Über pyri

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6 Antworten zu Kommentare zu (weiteren) Ausgrenzungen auf Publikative.org

  1. Anon schreibt:

    Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Wenn ja, warum beschäftigen Sie sich in Ihren Kommentar nicht mit dessen Inhalt, sondern dreschen dagegen auf Ihre eigenen Strohpuppen ein? Warum erfinden sie Unterstellungen (z.B. alle Gamer seien Nazis und Misogynisten), um dagegen mit eigenen Unterstellungen zu antworten ( „Existieren die überhaupt in ihrer Welt, oder sind sie gerade noch dafür gut genug um sie später so zu missbrauchen dass sie (weiterhin) als potentielle Gewalttäter hingestellt werden können“ etc.) Was soll diese Vorwärtsverteidigung?

    Wieso dieses Fraktionen- und Frontendenken? Wie soll überhaupt Kritik geäußert werden können, wenn Sie und viele andere in der Szene diese immer nur als Angriff auf ihre Lebenswelt werten können, den es möglichst offensiv entgegenzutreten gilt? Wie sollen Leute, die Probleme mit dem Sexismus und Gewaltfetish in Teilen der Videospielszene haben, diese äußern können, unter diesen Bedingungen? Neutraler, als in diesen Artikel geht es eigentlich nicht, ohne der Kritik die Schärfe zu nehmen.
    Sie scheinen zu glauben, Sie müssten Ihre Subkultur (die in Wahrheit längst keine mehr ist) gegen Angriffe von außem verteigen, in Wahrheit machen Sie Kritik generell unmöglich und verteidigen den Status Quo.

    • pyri schreibt:

      Ich bin diesbezügich weder in einer „Szene“ noch fühle ich mich dahingehend einer „Subkultur“ zugehörig. Auch keiner „Fraktion“, schon gar nicht in irgendeinem Parlament, und die „Front“ bin wenn dann ich allein, einfach als ander(sdenkend)er Mensch: genau gegen diese Zuschreibungen einer Mehrheitsgesellschaft, die Videospiele offenkundig „für alle“ anpassen will, stellte ich mich eben. Videospiele sind für mich ein Medium wie Film oder Literatur, und ich bezweifle dass uns da auch dieselben Medien ansprechen würden. Weshalb also schonmal immer nur Videospiele, weil sich Videospiele noch eine gewisse Offensivität und Transgressivität öffentlich bewahrt, erhalten haben die Leuten wie Ihnen missfällt? Sie Comics, Genre-Filme, entsprechende Paraliteratur etc. sowieso nicht (mehr) wahrnehmen?
      Was hätten Sie so zu verteidigen? Ob „vorwärts“ oder nicht? Sehen Sie doch, wenigstens einmal: ich weiß es gar nicht. Ich kann es überhaupt nicht wissen, weil es hier eben nicht um Sie sondern um Menschen wie mich geht. Und das ist die Schieflage die ich kritisier(t)e. Die Einseitigkeit die so gar nur zu Debatte steht. Über Sie, Ihre kulturellen Sauberkeitsvorstellungen, diskutiert hier niemand, weshalb aber über mich? Meine Kultur – warum sollte ich mich davon auch ausnehmen, wieso soll ich mich von meinem eigenen Leben distanzieren? Dabei nicht angegriffen fühlen? Wegen Ihnen?
      Von welcher Misogynität, und von welchen Nazis reden Sie sonst, wenn Sie damit nicht beständig immer nur unbekannte Fremde wie mich meinen würden? Oder was für eine infame Reduktion soll das wieder sein? Sich auf andere (misogyne Nazis) als gemeint herauszureden (versuchen)?

      Noch hinter einer Anonymität verkleidet. Eine Verkleidung die ich mir nicht einmal übergezogen habe. Ich bin hier weder als Aktivist noch Privatperson nicht ausmachbar, keiner dieser Kapuzen und/oder Windeln tragenden Verschämten, in irgendwelchen Kellergewölben hausenden Phantomen. Bei mir strahlt echtes Sonnenlicht (!) herein und wenn es etwas wärmer wär würd ich als verkrüppelte Gestalt sicher auch wieder im Freien schreiben, weil ich die Natur sehr schätze, sogar das Gras auf der Autobahn lieb habe – obwohl ich Videospieler bin, und auch dass ich mich zum Thema einer solchen Negativwahrnehmung gerade dieser Ausdrucksform akademisch geäußert habe ist einigen Leuten bekannt.
      Wobei „Kritik“ für mich auch nicht Unterschied bedeutet: ich weiß schließlich weiterhin nicht was Ihnen gefällt, auch wenn Sie sich hier ausnahmsweise mal herablassen und Leute wie mich (noch zusätzlich) ansprechen. Also nicht nur, wie sonst auch – mehr oder weniger elitär -, über deren Köpfe hinweg Gewalt ausüben. Wie beim Spiegel traditionell ein Carsten Görig, in der Videospielpresse die Überheblichkeit von 4players, seit einiger Zeit auch ein Christian Schmidt, andere AutorInnen der WASD etc. Ich kenne Ihren Geschmack und Ihr Empfinden trotzdem nicht. Geschweige denn dass ich das alles teilen würde. Demnach müsste?

      Überlegen Sie wenigstens einmal wie Sie leben und stellen Sie sich dann vor dass das jemand dementsprechend öffentlich ankreiden würde. Das woran Sie glauben, was Sie festhalten wollen, was Ihnen wichtig ist – ob Besitz, Ideologie oder Gesellschaft – hinzu kommt, dass kann ich auch nur aus diesem Kommentar wieder erkennen, anscheinend die sublime fixe Idee dass das wovon ich spreche sowieso für niemanden wirklich „Leben“ sein kann. Und dann kommen meistens noch diverse Pathologisierungen hinzu. Doch ich sage Ihnen: sehr wohl. Mich interessiert es nicht ob sie mir glauben: anscheinend ist das für Sie sowieso alles unglaubwürdig was ich schreibe. Also wie soll ein Gespräch auf auch nur annähernd gleicher Ebene erfolgen, wenn für Sie doch ohnehin zumindest feststeht dass Menschen wie ich demnach SexistInnen und GewaltfetischistInnen sind – immer noch Ihre Unterstellungen, die Sie noch so oft nicht generalisieren mögen sollten. Sie tätigten Sie hiermit sogar noch wiederholt: bei Darstellungen die zwar für gewöhnlich kaum konkretisiert werden, aber ich vielleicht allesamt nur als erotische Bewunderungen und mehr als legitime Auseinandersetzungen mit Gewalt interpretieren würde.
      Oder geben Sie mir ein Beispiel für den Sexismus und/oder Gewaltfetisch in Videospielen. Meinen Sie sexistische Gewalt in „Heavy Rain“, oder wenn sich ein Hauptcharakter von „Manhunt“ in Abscheu über seine eigenen Handlungen übergibt. Oder doch nur die dabei meiner Erfahrung nach üblichen Verdächtigen aus Japan?
      Egal: was für Sie als menschenverachtender Sachverhalt feststehen mag werde ich in jedem Fall als perfide Unterstellung und selbige Verachtung des künstlerischen Ausdrucks, der kreativen Arbeit Femder, verurteilen und zurückweisen wollen. Auch ob Menschen wie ich, die in der Realität etwa nicht Fußball spielen können dass deshalb auch nicht in Videospielen dürften, keine Waden eines Wayne Rooney objektifizieren etc. Oder Bikinis sammeln und sich virtuell anziehen, obwohl sie in einer „Realität“ ebenfalls keine Bikinifigur haben und die Stoffteile mit ihren Körpern nicht ausfüllen würden.

      Und wenn Sie nach diese neuerlichen Zeilen von mir tatsächlich gelesen zu haben noch immer davon ausgehen, von dem was ich Ihnen vorwerfe nichts geschrieben zu haben und etwa meinen, dass ich mir das alles ausdenke, dann geht es Ihnen so wie mir mit Ihren Vorwürfen über Gewaltfetischismen oder andere unerwünschte „Ästhetisierungen“ etc. Dann sollten Sie Ihre Texte und Ihre verwendeten Begrifflichkeiten, Dezisionismen, halt besser überprüfen, wenigstens einen Funken Selbstkritik an den eigenen ästhetischen Überlegungen zulassen (wollen): dass andere Menschen unter Schönheit vielleicht etwas Differentes auffassen. Das verstünde ich dabei auch unter Diversität, sowie dass es etwa ebenfalls biologische Männer gibt die als Menschen eigentlich eher Frauen sind und umgekehrt. Dass da auch einmal etwas mit Biologismus in Deutschland schon war, neben einem Kampf gegen „Schmutz und Schund“ sowie für „Zucht und Ordnung“. Und Geschlechterverwirrung demnach ebenso wie eine Konfrontation mit Gewaltdarstellungen nicht unbedingt abzulehnen ist.
      Und dabei hat Frau Anita S. dereinst eigentlich nur Stereotypien angegriffen – wo ich ihr noch zumindest teilweise beipflichten kann. Was Leute wie Sie allerdings tun, meiner Erfahrung nach in ihrer Rezeption bezeichnender Weise noch meistens Männer einer herrschenden Klasse, ist das zu Körper- und Lebensnormen auszubilden, sowie es nachher wieder abzustreiten – Leute wie mich ernsthaft zu fragen weshalb sie das nicht mit „kritisieren“ wollen?

      • Anon schreibt:

        Ich finde das interessant zu sehen, wie intensiv Sie Ihre Person sozusagen schützend vor ihr Lieblingsmedium werfen. Sie interpretieren die Kritik an den Videospielen als Kritik an Ihrer eigenen Person und antworten mit allerlei Mutmaßungen und Vorwürfen an meine. Damit entsachlichen Sie die ganze Sache und personalisieren sie. Dabei geht es weder mir, noch dem Verfasser des Artikels um die Personen, die diese Spiele konsumieren, sondern um einen milliardenschweren Arm der kommerziellen Kulturindustrie, mit der Sie sich hier identifizieren und entsprechend verteidigen.
        Dabei ignorieren Sie, dass es sich hier mitlerweile um ein Massenmedium mit enormen gesellschaftlicher Macht handelt, in der es heutzutage vielleicht nur noch das Fernsehen ähnelt. Und transgressiv, irgendwie subversiv oder gar kreativ ist an Retortenshootern wie „Call of Duty“ natürlich nichts.

        Darum geht es natürlich nicht darum, „Gleichförmigkeit“ und „Sauberkeit“ herzustellen, wenn solche Medien kritisiert werden, sondern im Gegenteil, eine Dominanz zu brechen, die Sexismus, Militarismus und co. in der Videospielkultur haben. Eine Dominanz, die im Kontext einer gesellschaftlichen Dominanzkultur steht, die aber in vielen anderen Bereichen zumindest in Ansätzen schon von einer kritischen Kultur begleitet wird, die sich hier offenbar (noch) nicht bilden kann, da jedes kritische Wort nach wie vor als existenzielle Bedrohung gesehen wird, die mit Shitstorms bis hin zu Morddrohungen (siehe Anita S.) beantwortet werden kann.

      • pyri schreibt:

        Ja weil Kommerzialität nicht subversiv sein könnte… Und diese unbegründete Behauptung nennen Sie dann wohl noch „Kritik“? Eigentlich auch „konstruktiv“?
        Tut mir leid, aber das hab ich alles schon so oft gehört. Ich habe meine Dosis Adorno schließlich auch gehabt, dennoch macht keine Infusion dieses dogmatisch-ökonomistischen Zugangs zu kulturellen Äußerungen dessen ideologische Anlagen besser. Im Gegenteil: sorry, aber ich akzeptiere auch kein Dogma einer Dichotomie zwischen Kulturindustrien und Authentizität, ebenso wenig wie ich gleich eine Antinomie zwischen Kunst und Kommerz herzustellen für sinnvoll erachte, geschweige denn für demokratisch oder verantwortungsbewusst: für mich steht Britney Spears grundsätzlich neben Arnold Schönberg, denn es sind/waren beides Menschen und sie wollten beide möglichst Vielen (hoffentlich) Gutes tun.
        Ich glaube nicht einmal an Authentizität in der Kunst und finde dass zum Beispiel ein Realismus sich weit mehr auf Demut besinnen sollte, und keine Anmaßung Wirklichkeit(en) wiederzugeben. Für Anmaßungen sehe ich weit eher das Reich der Fantasie
        Dazu ein aktuelles Beispiel aus der US-Filmwelt: ich finde etwa Spike Lee sollte weit eher Steven Spielberg als Quentin Tarantino kritisieren, denn anders als sich auch ein Haneke noch immer einbilden mag kann ein Genre-Film überhaupt nicht lügen, weil ein solcher gar nie wirklich behauptet Wahrheit(en) zu sagen, sondern sich tatsächlich höchstens über Umwegen daran annähert. Mit „Retortenshootern“ wird es sich (meistens) übrigens ganz ähnlich verhalten.
        Wenn in „Prince of Persia“ die Schlange des Orientalismus ihr Haupt erhebt darf ich das zwar genauso verurteilen, wie wenn in anderen Videospielen Prinzen und Prinzessinnen entsprechende Geschlechterrollen zugewiesen bekommen, aber ich kann das als romantische Fantasien auch akzeptieren und nicht überbewerten (wollen). Ich heule schließlich ebenfalls wenn bei Scarlett O’Hara und Rhett Butler The Good Ol‘ South flöten geht. Sie wohl nicht. Gut.
        Deren Rassismus übersehe ich trotzdem nicht. Während ein Realismus Problematisches tatsächlich schnell herstellen kann, wenn zum Beispiel Hagiographien geschrieben werden sollen.

        Das wäre meine „Sachlichkeit“ gegen die ich diese Dogmen und Ausgrenzungen gestellt sehe, sowie bereits ausführlich kritisiert habe. Mehr habe ich dazu auch eigentlich nicht zu sagen, denn das verstünde ich auch unter „Kritik“, dass man dem anderen vielleicht mal beginnt zuzuhören anstatt von Vornherein nur mit (immer neuen) Urteilen um sich zu werfen. Ich habe hier bislang schließlich nur andere Urteile und jene Unterstellungen die ich sah be- und verurteilt, dabei könnte ich auch meine eigenen Vorwürfe an etwa ihre kulturellen und politischen Ideen mitteilen, zumindest soviel ich jetzt schon darüber wissen kann: ich könnte Sie und das was Sie für richtig halten mögen auch verurteilen – wüsste ich darüber vielleicht mal Bescheid. Wären Sie so gnädig mir da etwas gar mitzuteilen, nur – kleiner Tipp: es interessiert mich nicht wirklich. Ich würde das was mir daran unter Umständen nicht passt jedenfalls kaum einer „Kritik“ aussetzen wollen wie sie es offenbar für notwendig erachten mit der Kultur oder dem Ausdruck anderer Menschen zu tun. Das verbietet mir mein Humanismus eigentlich strikt, das heißt ein Denken dass andere Menschen nicht mit Gewalt auf bestimmte Bilder reduzieren möchte. Und ich möchte auch niemanden beleidigen weil ich wen doch beschimpft habe, obwohl ich etwa auch glaubte „nur“ Kritik geübt zu haben.
        Doch Sie belegen alles was Ihnen scheinbar nicht in den Kram passt mit diversen Ismen, jetzt sind wir auch schon wiedermal beim Militarismus angelangt, und wundern sich dann noch wenn ich etwas persönlich nehme? Ernsthaft?
        Sie werfen mir vor keine Aufnahmebereitschaft für „Kritik“ zu zeigen, dennoch kommen sie und andere mit immer neuen Begriffen und Vorwürfen an, nach dem „Gewaltfetisch“ jetzt etwa aucht mit dem „Retortenshooter“ – wie auch immer sie diese nun definieren: wohl mit Fließbandarbeit, Anonymität in einem Betrieb, altmodischer Freiheit gegen schlauchendem Leveldesign etc. Ja, diese Gedankengänge kenn ich auch alle –

        Mein Lieblingsmedium ist übrigens immer noch eher der Film. Ein „Ikiru“, eine „Milchstrasse“, „Valerie“ oder „Unmoralische Geschichten“ hat das Videospiel nämlich leider noch nicht zu Wege gebracht, doch hoffe ich da zumindest noch drauf das vielleicht doch noch erleben zu dürfen, so Gott will. Aber auch darüber scheinen Sie sich so bereits ein entsprechendes Urteil gebildet zu haben – über eine psychologische Ferndiagnose… Doch über Videospiele glaube ich letzten Endes bloß eines: viel mehr gelernt zu haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
        Die Frage die mir bleibt: was kann ich dafür tun dass auch andere Menschen Verständnis für andere Sichtweisen diesbezüglich äußern, weil Ihre Meinungen über Videospielinhalte scheinen sowieso bereits längst fest zu stehen.
        Und Morddrohungen gab es (siehe oben) auch schon gegen wiederum andere, über die niemand hier spricht –

  2. Anon schreibt:

    Nur kurz:

    1. Von „Authentizität“ habe ich nicht geredet, das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Sie nicht von Ausgrenzung u.ä., reden können, wenn es um ein Massenmedium geht.
    2. Wieso soll es mich nicht verwundern, wenn Sie „Ismen“ persönlich nehmen (die zudem gar nicht gegen Sie gerichtet waren)? Der Sinn von solchen ist ja gerade, nicht Menschen und ihre persönlichen Eigenschaften zu kritiseren, sondern gesellschaftlichtliche Strukturen die sich in Videospielen wie in jeden anderen Kulturgut eben manifestieren. Sie haben Adorno gelesen, aber, habe ich den Eindruck, nicht richtig verstanden.
    3. „Das verbietet mir mein Humanismus eigentlich strikt, das heißt ein Denken dass andere Menschen nicht mit Gewalt auf bestimmte Bilder reduzieren möchte.“ – Das machen Sie allerdings hier die ganze Zeit. Ich heule nicht bei „Vom Winde verweht“, ich glaube nicht an ein großes Kunstwerk aus dem Videospielen in der Zukunft, um nur zwei Beispiele allein aus Ihren letzten Kommentar zu nennen. Oder ein anderes: Wie kommen Sie eigentlich auf die von Ihnen immer wieder genannte Behauptung, ich würde keine Videospiele mögen? Das ist genau das, was ich in meinen ersten Kommentar hier mit „Fraktionen- und Frontendenken“ meinte. Ich bin nicht „mit“ Ihnen, also bin ich „gegen“ Sie oder was?

  3. buzzti schreibt:

    Vielen Dank für deine Texte Pyri!

    @Anon: Was wäre denn die Kunst, wenn „gesellschaftlichtliche Strukturen“ sich dort nicht „manifestieren“ würden? Gerade auf diese Weise lässt sich doch soviel aus Fiktionen herauslesen!

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