Zensur macht (auch) von Kinderbüchern keinen Sinn

Sondern verleugnet die eigene Vergangenheit. Kulturelle Geschichtsklitterung par excellence, dieser Revisionismus: oder weshalb sollten Kindern die rassistischen Werke ihrer Eltern und Großeltern überhaupt zugemutet werden?
Welche Tradition soll da trotzdem aufrecht erhalten bleiben. Und wieso? Gäbe es denn auch nicht genügend andere zeitgenössische Medien? Was soll eine Selektion von Inhalten welche zur Gänze nicht geeignet sind? Weshalb wird diese Literatur angeleitet trotzdem für geeignet gehalten?

Wenn eine Astrid Lindgren jetzt doch zur Rassistin geworden ist.
Die männlichen Schlümpfe sind schließlich noch zusätzlich Kommunisten.
Papa Schlumpf gar ein Wiedergänger von Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili! Nicht einmal Wladimir Iljitsch Uljanow, Donny… Sondern eben noch viel schlimmer.

Wieso überhaupt noch Lindgren lesen? Ihre polizeikritischen Implikationen könnten schließlich auch finale Rettungsschüsse in Frage stellen. Oder Filme anschauen wo andere doch nur verunglimpft werden. Ebenso ganze Berufsgruppen gar: ein Josef Meinrad macht im ersten „Sissi“-Film schließlich auch keine besonders gute Figur. Und dem war jahrzehntelang ebenfalls der Iffland-Ring anvertraut worden


Hergé in der Jackson-Spielberg-Variante: vom ursprünglichen Kolonialismus keine Spur mehr –

Ob die ständige Rede über „White Trash“ zu Beginn von „Gone with the Wind“ oder Mickey Rooney in „Breakfast at Tiffany’s“, so kann es nicht weiter gehen… Oder etwa doch?
Von welchen Gruppen wird da eigentlich gesprochen?
Welche Literalität in Frage gestellt? Welches Erbe?
Was soll darüber alles beschönigt werden und wer allein bestimmen welche Unterschiede Berücksichtigung finden. Was ist das nur wieder für eine Mentalität. Worunter soll so ein Schlussstrich gezogen werden? Und welche Normalität bleibt anders unangetastet?
Was ist mit Sportveranstaltungen wo mit Beinen auf Rasen gelaufen wird und jenen die das nicht tun können? Absurd. Daran denkt niemand, denn das sind keine Mehrheiten irgendwo und nichts das leicht berücksichtigt werden kann.

Doch Astrid Lindgren ist nicht erst seit gestern rassistisch geworden, sondern war das auch schon vor fünfzig Jahren. Die Frage ist eher wieso das erst jetzt (mehr) Leuten aufzufallen scheint, und worauf das wiederum hindeutet? Wie zynisch und ignorant allein schon die Vorstellung, ob aus „familiären“ oder anderweitig angeblich aufgeklärten Gründen, dass das erst jetzt auffällt – im Zeitalter der Empörung.
Was Frau Lindgren aber auch schon immer war ist antiautoritär, und die Leute denen ihr Rassismus erst jetzt aufgefallen ist sind weit eher das glatte Gegenteil davon. Und davor wollen sie ihre Kinder etwa nicht schützen, vor sich selbst, vor ihrem Einfluss – welche Hautfarbe da wer auch immer hätte.
Vor welcher Demütigung und Erniedrigung da nicht – und zu welchem Zweck? Für welche Anpassung und/oder Vorbereitung auf ein ebenso normiertes Leben wie sie es selbst führen?

Und Menschenverachtung beschränkt sich eben auch nicht auf Reduktionen zu Ebenen von „weißen Männern“, was auch immer „weiß“ und „Mann“ überhaupt heißen soll – sich selbst diesbezüglich für überlegen zu halten ist in jedem Fall schließlich bloß eine weitere Form von Chauvinismus: deutsche Zeitungen als „weiße“ Publikationen irgendwo zuzuordnen macht keine Situation besser, denn eine dagegen eingebildete „Buntheit“ im Netz kann ich bestenfalls dezent nennen. Wer hat überhaupt Internetzugang, geschweige denn wer kann sich dort entsprechend „vernetzen“ – und wohin? Mit wem? Sogar worüber?
Und mit welcher eigenen Ideologie, selben Überheblichkeit, die natürlich nicht in Frage gestellt wird. Keinen Deut.


Rassistischer „Klassiker“: alles von der Rekonstruktion im zweiten Teil (vielleicht noch darüber hinaus) rausschneiden und bedenkenlos im Geschichtsunterricht bringen – als weiterhin ein spielfilmhistorisches „Meisterwerk“?

Während vielleicht AsylwerberInnen in Kirchen hungern, Obdachlose auf Straßen frieren und andere Menschen in Pflegeheimen ihr Dasein fristen. Möglicherweise ein Lebtag lang. Allesamt bloß bis auf den Tod warten dürfen?

Terror der Angst

Was für ein Zynismus dabei noch etablierte Berufsbilder gegen Hautfarben in Szene setzen zu wollen, sogar (auch) die eigenen, oder wie wehrlos wurde eine Gesellschaft bereits welche nur noch eine angeblich „zivile“ Öffentlichkeit für Staatsgewalt mobilisieren kann, ich sollte wohl doch besser sagen militarisieren, anstatt anscheinend auch nur einen Gedanken an eine eigene Couragiertheit im persönlichen Umgang zu verschwenden. Welche Einschüchterungen mit vorgefertigt gegebenen Ismen ständig Normverhalten (re)produziert, ohne sich zu fragen bis wann diese Ansinnen von öffentlicher Sicherheit eigentlich auch die eigene Freiheit halt möglicherweise doch betreffen würden, oder wie Leben diese Leute eigentlich: was meinen diese Leute überhaupt in welche Knechtschaft sie ihre Mitmenschen gar bringen können, so dass bald nur mehr ein eingefleischter Klüngel auch nur den Funken einer Chance auf eine akzeptable Sozialität hat. Und alle anderen erbarm- und hoffnungslos ausgrenzt – bis zum geht nicht mehr, bis für andere nicht einmal mehr Luft zum atmen da ist. Für diese Unerwünschten, deren Denkweisen zurechtgestutzt werden sollen. Tja, getrimmt auf was – eigentlich? Auf welches eigene „Niveau“? Auf welches eigene „zeitgemäße“ Verhalten? Und mit welchen Mitteln? So dass sie sich „richtig“ verhalten, wissen was sich demnach (alles) gehören würde oder nicht, und ansonsten am besten schweigen, ruhig verhalten, bloß nicht auffallen, am besten nicht einmal mehr andere ansprechen. Also alle die etwa ohne „gesunden Menschenverstand“ ausgestattet sind.
Wer soll denn nämlich wissen wer das jetzt eigentlich ist in einem Gegenüber, wo dieser Mensch vielleicht (alles) dazugehört, welche Sittenwacht an Polizei oder „Journalismus“ da möglicherweise verständigt wird, spricht jemand ein falsches Wort?

Wie bei Kati in Amerika (unbezahlte Werbung)?

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2 Antworten zu Zensur macht (auch) von Kinderbüchern keinen Sinn

  1. Jane schreibt:

    Reblogged this on kinderundwerbung and commented:
    Rassismus in Kinderbüchern oder: Was uns der Dichter eigentlich nicht sagen wollte

  2. Jane schreibt:

    Guter Artikel. Die Tatsache: Ist mir auch erst vor kurzem beim Lesen eines anderen Artikels mit ähnlichem Thema aufgefallen. So gehts wohl vielen. Daher wahrscheinlich die Empörung. Damals fand man Pippi einfach lustig. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich die taka-tuka Geschichten noch meinen Kindern zeigen würde.

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