Zensur: deutsche Version von „BioShock Infinite“ kaschiert und verlängert Antisemitismus

„BioShock Infinite“ ist ja bekanntlich voller Rassismus: kaum auf Columbia, der bigotten Stadt in den Wolken, angekommen, wird gleich zu Beginn „Rassenschande“ auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt, wobei dem Spieler, der Spielerin, es selbst überlassen wird einem dort vorgeführten „Mixed“ Couple Gewalt anzutun, oder nicht. Ein clever gestalteter Initationsritus, der jegliches Blutvergießen dort erst einleitet, aber bei Leuten wie Christian Stöcker wohl auch nicht dazu geführt hat ihre moralischen Überlegenheitsdünkel ausnahmsweise Mal selbstreflexiv in Frage zu stellen.
Das Wort „Neger“ kann einem sich in der Welt des Spiels bewegenden Menschen dabei jedenfalls zunächst wirklich auf Schritt und Tritt begegnen, so dass auch die deutsche Übersetzung wohl nicht umhin kam es ausgiebig zu verwenden. Bei Eigennamen ist bei mäßigen Videospielübertragungen, wozu ich so eben leider auch „BioShock Infinite“ zählen muss, es ohnehine eine Unsitte diese nicht zu übersetzen, aber spätestens seit „Skyrim“ meinem Eindruck nach auch klar, dass deren Publkum das genau so und nicht anders wünscht. Vielfach besteht bei mir demnach schon der Eindruck, dass zumindest das deutschsprachige Publikum keine besseren Übersetzungen verdient hat. Schließlich sind ähnliche Debatten auch von „Game of Thrones“ oder Tolkien her bekannt. Was hier jedoch umso verschämter wirkt, wenn bei den antirassistischen „Freunden“ der „Negro Society“ keine ebensolchen einer „Negergesellschaft“ werden. So als ob die „Negro Society“ wie „Coca Cola“ etwas wäre das auch im Deutschen geschützt werden müsste –

Wie dem auch sei fiel in zumindest einem Fall die Übersetzung dann doch etwas kreativer aus, denn aus dem „Juden“ oder „halben Juden“ welcher in der Figur Ed Gaines inne wohnen würde, wurde im Deutschen ein „Schacherer“. Ich übersetze „half a jew“ mal nicht mit „Halbjude“: die Denkleistung sich zu fragen weshalb Gaines in einem Tondokument plötzlich von einem „halben Juden“ spricht, wenn es darum geht aus anderen Leuten möglichst viel Geld herauszupressen, nimmt die deutsche Übersetzung den RezipientInnen bereits ab. Ganz zu schweigen von der Frage was „Juden“ da überhaupt dementsprechend mit Geld zu tun haben sollten und wieso das etwa witzig sein sollte.
Das jüdische Stereotyp des „Juden“ als „Schacherer“ kommt in der Übersetzung so gar nicht mehr vor. Auch der „halbe Jude“ hat für die deutsche Übersetzung demnach gewissermaßen schon aufgehört zu existieren und ist vollends im „Schacherer“ aufgegangen:

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Nein, es steht überhaupt nichts von „haggler“ dort:

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