Microsoft im Abseits

Gäbe es beim Gaming ein SchiedsrichterInnengespann, Microsoft stünde dort seit gestern deutlich im Abseits und hätte zusätzlich womöglich noch eine gelbe Karte für schlechtes Betragen erhalten. Die Ideen zu Online und Gebrauchtspielen – bis hin zu Vollpreisgebühren -, von denen ich am allerschlimmsten ja den Installationszwang finde, sind Ausdruck einer Gigantomanie der Gier die sich durchaus auch nicht rentieren könnte.
Hardcore-Gaming zu einer elitären Freizeitgestaltung umzugestalten – bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der zusätzlichen 20% für Konsolenspiele – ist frech bis dreist. Und könnte noch negative Synergieeffekte mit sich bringen, welche derzeit gar nicht absehbar sind. Fast scheint es mir so, als kenne Microsoft das Videospielpublikum gar nicht – vor allem nicht dessen durchschnittliche Finanzkraft.

Fokus auf Fernsehen

Und in erster Linie unverständlich, da gerade in den USA GameStop besonders stark erscheint. Also weshalb unbedingt an denen vorbei entwickeln – mit dem Preis den US-Markt gleichzeitg beim LIVE-Service vom Rest der Welt noch weiter auseinander zu dividieren?
Denn die „Eins“ getaufte Konsole erscheint dabei prinzipiell als ein Gerät das primär für den nordamerikanischen Markt entwickelt wurde: schon jetzt sind bei Xbox LIVE-Gold schätzungsweise 90% der Angebote auf die USA beschränkt. Und die allermeisten EuropäerInnen werden nicht einmal wissen was Fantasy-Football überhaupt sein soll.
Dass Microsoft eine ähnliche Vertragslage in Europa einmal gelingen könnte halte ich für völlig ausgeschlossen: Fernsehserien gibt es bei Microsoft in Österreich noch überhaupt nicht, Sony schaffte es bislang nicht einmal ihren Videoverleih nach ganz Europa zu bringen, der Comic-Verkauf war sogar in den USA nicht lukrativ genug, usw. Und da kommt jetzt Microsoft daher und will dem Sony-Filmstudio zumindest ein zweites Netflix (House of Cards) entgegen halten, wenn schon kein weiteres HBO – zusammen mit Steven Spielberg…

Kolportagen und Persiflagen

Viacom brachte vor der Sendung eine Stunde lang fast ausschließlich anmoderierte Wiederholungen von seiner Internetseite, während im Nachhinein fix und fertige, das heißt längst vor-aufgezeichnete, Reportagen aus (angeblichen) Microsoft-Laboren gesendet wurden – nie war die Verzahnung von Marketing und Journalismus sichtbarer, keine Chips-Packung der Welt hätte das besser bereitstellen können, während bei IGN ein Peter Molyneux mehr als deplatziert wirkte.
Auch sind Exklusiv-Deals wie jener mit Wired einmal kritisch zu hinterfragen: oder was soll das bitte für eine Ethik sein die alles schon längst im Vorhinein weiß, aber eben nichts sagen darf und die ganze Zeit nur so tut als wüsste sie von nichts. Das ist bestenfalls Betrug am Publikum, im schlimmsten Fall schlichte Korruption – jedenfalls kein benimmst Dich.
Den Vogel schossen auf der Präsentation selbst für mich allerdings die Leute aus Finnland ab, welche tatsächlich ein Video einspielen ließen: eine Exklusivität die wie eine Parodie auf das aktuelle David-Cage-Spiel mit Ellen Page bei Sony wirkte. Eine schlechte Parodie – Marke Jerry Bruckheimer.
Schließlich heißt „Project Gotham Racing 5“ wieder „Forza Motorsport“: Microsoft kümmert der Simulationswert ihrer Marke, anders als Polyphony Digital, selbst nach „Horizon“ scheinbar nichts bis nur wenig – was ebenfalls noch kontraproduktiv sein könnte, denn das bereits geteaserte, „echte“ neue „Project Gotham Racing“ dürfte so noch heuer exklusiv für die 360 erscheinen – und erst auf der E3-Präsentation in zweieinhalb Wochen vorgestellt werden.

Unglaublich aber wahr, legte Eric Hirshberg die eindeutig beste Performance für mich hin: die neuen, besonders süß gestalteten deutschen Schäferhunde aus „Call of Duty“ waren für mich die eigentlichen Stars des Abends. David S. Goyer durch Stephen Gaghan (Syriana) zu ersetzen ist eigentlich eine Riesensensation, auch wenn das Ergebnis bislang zweifelhaft erscheint. Doch allein bei ihnen war Next-Gen auch grafisch anzutreffen, denn bei den sonstigen Einspielungen dominierte wieder dieses seltsame weiße Licht das ich schon von der Sony-Präsentation aus dem Februar nur allzu gut negativ in Erinnerung hatte. Fast scheint mit dieser Gaukelei die HDR-Einführung 2004/05 wiederholt werden zu wollen – zumal heutige Grafikprozessoren schon wirklich die Qualität von Vorberechnungen erreichen können, herrje: selbst meine integrierte Apple-Hardware. Also das ist längst nicht besonders mehr, der Unterschied eben fast nicht vorhanden, und weder Fußball sah demnach nach Fußball aus, noch Basketball nach Basketball. Einzig das neue „Madden“ konnte etwas mehr Eindruck auf mich machen, als es ein Intro aus früheren Zeiten sonst hätte machen können. Stichwort Fußball-Intros: Konami und Kojima werden nach dem gestrigen Abend wohl erst auf der E3 ihren großen Auftritt haben, womöglich auch mit Fußball. Ebenso wie dann statt „Call of Duty“ auch erst die neue Konsolen-Version von „Battlefield 4“ gezeigt werden dürfte (immerhin lässt Activision einen kurzen „Ghosts“-Release-Date-Trailer mittlerweile schon vom PlayStation Network streamen).

„TV“, Xbox: „go home“, „Sports“, „Television“ und „Xbox is about to become the next water cooler“. „Call of Duty“, der Hund, sowie noch einmal – diesmal in aller Deutlichkeit -, Xbox: „go home“ –

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