Immer dasselbe, mit dem „Spiegel“… (mit Ersteindruck „The Last of Us“)

„The Last of Us“ sei „Das Letzte für uns“, heißt es dort aktuell von Thomas Lindemann, nur wer dieses „uns“ wäre, überhaupt sein könnte – danach wird nicht gefragt. Kein Deut von einem Zugeständnis an Ambivalenz, nicht einmal Ambiguität. Schon bei „BioShock Infinite“, gab es das von Christian Stöcker natürlich nicht. Gewalt wird stets als etwas ausgewiesen das nicht „gut“ sein dürfe, keinen Spaß machen solle etc. Womit natürlich in Videospielen immer das Gegenteil der Fall wäre – jedes negative Gefühl, alle potentielle Abscheu, bleibt, ideologisch affirmativ interpretiert, strikt geleugnet. Kein Ekel übrig, keine Zurückhaltung möglich – wenn diese nicht bereits normiert vorgegeben wäre. Und positiv nur Spielspaß, die Unterstellung angeblicher Zwecke wie ein wie auch immer fantasierter „Selbstzweck“ vorhanden. Terror über Imaginationen.
Nur bei Abstraktionen wie „Super Mario Bros.“, da sehen die Leute dann erfahrungsgemäß, aber auch amtlich über die USK, gar keine „Gewalt“ mehr.

Diese abgelehnte „gute Gewalt“ wäre folglich das Problem, wie es diesmal von Lindemann mit Michael Haneke als Gewährsmann heißt – während an dessen bürgerlichen Konzeptionen natürlich keine „Kritik“ geübt wird: wie denn auch, wenn selbst die Gegenposition in ihrem Steckbrief „Familie“ stehen hat – und etwa erotophob vorschreiben will wie Frauenfiguren in Rennspiele nicht auftreten sollten etc., wie sie sich nicht kleiden dürften oder so, wo vor Autos stehen usw. – wenn sie sie selbst schon nicht fahren, damit Darstellungen für das widerwärtige Patriarchat nicht als „sexistisch“ gelten. Wo die Tugend mit der Prüderie eine Wohngemeinschaft gepachtet hat die über „Männer“ und „Frauen“ zu bestimmen gedenkt.
Doch nicht nur diese Gewalt über andere Geschlechter und Sexualitäten übt ihre Brutalität und Verachtung über andersdenkende Menschen wie mich aus. Nein, sondern es schwingen dabei wohl auch immer diverse handfeste europäische Dünkel gegen amerikanische Spiele mit: oder wo bleibt etwa die „Kritik“ an den konservativen Verhältnissen in Europa, an der von Haneke selbst zugegebenen Faszination für protestantische Strenge etc. Diese ganzen Verherrlichungen? Also auch für welche „Brutstätte des Menschheitsverbrechens“ jetzt?
Und welche moralische Gewalt befürwortet somit der Spiegel. Ob mit oder ohne „Welt“-Autor Lindemann: weiterer Kommentar im VDVC-Forum

Dabei scheinen die Vorwürfe ja leider sogar noch zu stimmen, das heißt auch für mich, also zumindest dann wenn sie ohne ihre ideologisch hasserfüllt-einseitigen Implikationen vorgetragen werden: „The Last of Us“ erklärt mir seine offensichtlich Cormac-McCarthy-inspirierte Welt nur schlecht. Und verhält sich mitsamt seinen Sporen ähnlich peinlich zum offensichtlichen Vorbild „The Road“ wie das „Stalker“-Videospiel zum Tarkowsij-Film und der Strugatzki-Novelle. So stolpert es tatsächlich über Genre-Konventionen und gegen seinen eigenen Anspruch dahin. Zumindest vorerst: ich habe Ellie nach bis jetzt zwei Stunden noch nicht getroffen. Doch auch die tragische Situation in der Endzeit wirkt überaus shallow auf mich, mehr wie Hollywood-Schmarrn à la „Outbreak“ oder zuletzt „Crysis 2“. Da wünsche ich mir echt (auch) ein wenig europäische „Wolfszeit“ und wenigstens ein bisschen Zigaretten-Schachern mit Isabelle Huppert (zurück, mehr hier ab 1. Juli).
Die US-Militärs sind eindeutig keine Guten nicht, also klar dass es einem Carsten Görig beim Spiegel wenigstens eher gefällt, auch wenn es keine durchsichtige Propaganda à la „Spec Ops – The Line“ ODER „Kuma/War“ sein wird, während der Widerstand gegen die Tyrannei der Rationsverteilung zwischen Verhungern und Verdursten vorerst undurchsichtig bleibt. Doch bereits überaus formelhafte Dramaturgieanzeichen ähnlich wie „Resistance“ aufweist (das einem Görig bekanntermaßen ja auch gefiel)
Kommt nur noch ein betont langsamer Multiplayer mit zwei äußerst akzentuierten Modi hinzu, die einem nicht nur mit Facebook drangsalieren können, sondern auch dahingehend verblüffen – zumindest solange nicht so gedacht wird wie bei den genannten Spiegel-Leuten – wie grauenhaft Wettkämpfe eigentlich sein können. Nur der kompetitive Multiplayer des von mir favorisierten und in Deutschland naturgemäß beschlagnahmten „Condemned 2“ hat das bisher noch besser für mich hinbekommen, aber leider hat den (zumindest auf der 360) kaum jemand gespielt.

Kurzum: Mainstream von Naughty Dog halt. Tolle Technik, aber erwartet bloß keine Wunder!
Überraschen lass ich mich vorerst dennoch. Allein schon: die Giraffen will ich sehen 🙂

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