Weiterer Vorwurf: „Vergewaltigung“ auf Microsoft-E3-Bühne…

Unter anderem in der New York Times. Entschuldigung von Phil Spencer bei Neowin.net
Als ich die Szene live gesehen hatte dachte ich in meiner Naivität noch: wunderbar – ein ganz herrlicher Kommentar zu den Sexismus-Vorwürfen. Irgendetwas stimmte da jedoch wohl nicht, und tatsächlich: tags darauf ein zwar kleines, aber doch deutlich wahrnehmbares mediales Sperrfeuer – die Szene wurde natürlich selbst als Ausdruck einer misogynen Situation betrachtet, weil gemäß der Differenzwahrnehmungen der bessere Videospieler als „Mann“ identifiziert wurde, und die schlechtere als „Frau“. Sowie das natürlich nicht patriarchal-sexistisch wäre: dabei kannte ich die sozusagen Opferrolle nur zu gut und identifizierte mich selbstverständlich gleich mit dem „Opfer“. Ich spiele nämlich sehr gerne diese Genre-Titel online, auch weil Begegnungen oft nur wenige Sekunden dauern, und als wirklich „schlechter“ Fighting-Gamer fühle ich mich dabei allermeistens wirklich „vergewaltigt“ – auch wenn ich mich für dieses Gefühl jedes Mal schäme, weil ich natürlich weiß dass das tatsächliche Vergewaltigungen verharmlost – egal ob diese nun „Frauen“ oder „Männer“ betreffen. Beim Onlinespiel mit Fremden kann ich meistens sowieso nichts über das Gender meines Gegenüber wissen… Dafür kann ich sagen, dass ich das naturgemäß keineswegs „witzig“ fand, oder ein solch konkret erfahrenes Gefühl als „Witz“ einstufen würde. Doch für dieses politische Kleingeld scheinen solche Gefühle und Situationen jedenfalls keine Rolle zu spielen, zumal dann nicht wenn Videospiele über eine betont normierte Sozialität vorgetragen werden: auch nicht ob eine erotophobe „Kritik“ an Inhalten – wie im zunehmenden Falle bei Anita Sarkeesian – nicht weit eher selbst in Geschlechterkonstruktionen eingreift, widerrechtlich die Fantasien Anderer vorführt (Kreativer wie eines Publikums), und fremde Sexualitäten öffentlich zur Schau stellt – für die politischen Zwecke eines stereotyp geschminkten, „gesunden“ und noch dazu finanziell äußerst erfolgreichen Äußeren missbräuchlich verwendet.
Die Zeiten in denen wenigstens die New York Times für mich der Garant einer Emanzipation dieser Ausdrucksform sein konnte sind demnach, nach dieser unzweideutig widerwärtigen Pathologisierung, auch vorbei: und tatsächlich, andersdenkende videospielende Menschen wie ich, welche nicht zu dieser Norm dazuzuzählen sind, mögen zwar im selben Boot wie alle anderen sitzen – dennoch sind sie, so mehr denn je, in diesen Gesellschaften Menschen zweiter Klasse. Falls sie über einen „Humanismus“ dieser Diskriminierungen überhaupt noch als Menschen gelten können und nicht sowieso bereits längst (gedankenpolizeilich) auf Ismen oder „Perversionen“ reduziert wurden

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