Neuer Brief auf SB.com

Zu einem sozialen „Experiment“ in Großbritannien: ‚Ich würde es schonmal weit eher als „pornografisch“ bezeichnen, wenn die Queen oder andere aus der königlichen Familie ihre Hüte spazieren führen. Etwas pornografischeres als „Trooping the Colour“ jedes Jahr, oder deren unnatürliche Verhaltensweisen – nicht nur dabei -, fällt mir auf Anhieb gar nicht ein. Denn die sind so sündhaft teuer, dass sie sich die meisten nicht einmal leisten könnten – während andere im Land unter mangelhaften Sozialleistungen leiden.
Ich akzeptiere diese Reden über sexuellen Ausdruck als „Pornografie“ schonmal nicht, finde sie überaus diskriminierend und beleidigend – ja selbst „pornografisch“: aber es kommt wohl auch darauf an was da rezipiert wird, wenn hier scheinbar schon felsenfest davon ausgegangen wird dass sich da Leute für ihr Medienverhalten schämen bräuchten. Da etwas scheinbar schonmal nicht geschmackvoll oder vertretbar wäre. Sie nicht dazu stehen könnten, deswegen Beziehungen gleich notgedrungen auseinander fallen würden. Die ganze Palette an Stereotypien, von „Sucht“ etc.
Oder wie sollen sich diese Verhältnisse demnach nochmal konstituiert haben, wenn sie am sexuellen Gefallen folglich sofort zu scheitern hätten? Über welche Heuchelei? Was für eine Unehrlichkeit wird hier darüber indirekt auch transportiert. Ich glaube, dass vor allem genau diese Konzeptionen von Sozialität letztlich zu solchen (erfolgreichen) Vorstellungen aus der Politik führen können, wie zu sehen ist bereits geführt haben.
Und finde ja im Gegenteil, dass die britische „Pornografie“ in den letzten Jahren teilweise richtig gut geworden ist. Ein erigierter Penis, eine Klitoris oder ein Anus können etwas durchaus sehr Schönes sein, noch dazu wenn sie ansehnlich inszeniert sind. Und anstatt darauf stolz zu sein, wollen sie diese „verbieten“, oder zumindest einschränken (lassen): das hört sich ja regelrecht nach einer Art Registrierung an – was ist da eigentlich mit dem Datenschutz (genau)?
Die Figur von Fox Mulder ist übrigens irgendwann als ausgewiesener „Pornographie“-Rezipient angelegt worden, vielleicht auch um gängige Klischees dahingehend mal zu unterlaufen -‚

In den letzten Tagen äußerte ich mich dazu ebenfalls im VDVC-Forum: ‚Ehrlich gesagt lese ich das mit den Gewaltdarstellungen zum ersten Mal: bislang dachte ich sollte „Pornografie“ allgemein im Internet nicht mehr zugänglich gemacht werden und dahingehend eine Anpassung an den traditionellen Rundfunk stattfinden, ganz ähnlich wie in Deutschland.
Da gibt es ja auch einige historische Parallelen: so wurden bis zur Aufhebung des Pornografieverbots 1975 diverse scheinpornografische Sexfilme lukrativ produziert, die sogenannte „Sexwelle“. Im prüden England gab es die, wenn auch in kleinerem Ausmaß und hierzulande praktisch unbekannt, ebenfalls. Also als Quasi-Ersatz für „richtige“ Pornografie, welche damals aus Skandinavien kommend eine seit den späten 60er Jahren auch europäische Modeerscheinung gewesen ist.

Die Gewaltproblematik würde ich dabei ähnlich einordnen wie die um Scheinminderjährige: die Scheinminderjährigen werden im Rahmen der „Pornografie“ erst dann problematisch wenn sie explizit sind, das heißt wenn sie explizit behaupten sie wären minderjährige Personen, es in Wirklichkeit (und per dem in der Branche international vorgegebenen Nachweis) aber nicht sind, beziehungsweise zum Zeitpunkt der neueren Aufnahmen nicht waren.
Es ist auch nur eine meiner Auffassung nach landläufig falsche Ansicht, dass BDSM-Inhalte für gewöhnlich unter „Gewaltpornografie“ verortet werden. Das allermeiste BDSM-Material auf Trägermedien wird auch in Deutschland als strafrechtlich über das „Pornografie“-Verbot hinaus unproblematisch betrachtet, also nicht etwa von Vornherein zu „Gewaltpornografie“ erklärt. Meiner Erfahrung nach zumindest solange es ausnahmsweise nicht die BPjM in die Finger bekommen hat
Es ist nur so, dass es in Europa wie etwa Holland, ein paar Internetseiten gibt in denen kommerziell und im großen Stil Vergewaltigungen inszeniert werden. Und ähnlich wie bei den Minderjährigen ist dann diese Scheingewalt sozusagen das Problematische. Mit der traditionellen BDSM-Szene haben diese Produktionen aber auch nichts zu tun und sie werden auch international häufig nicht akzeptiert, zum Beispiel selbst von der US-Erotikindustrie nicht.

Anmerkung: beim Themenkomplex „Pornografie“ und „Gewalt“ ist natürlich zu berücksichtigen, dass es auch eine pornografiefeindliche Tradition gibt welche sämtliche „Pornografie“ als „Gewalt“ wahrnimmt. Also „pornografische Inhalte ohne Gewaltdarstellungen“ gäbe es danach gar nicht -‚

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