Ersteindruck „Brothers – A Tale of Two Sons“ (2013)

„Brothers“ ist ein weiteres sehr gutes Beispiel dafür, wie sich Film und Videospiel gegenseitig bereichern können. Und im Nachhinein erscheint es angesichts dieses zeitexklusiven Xbox-Spiels umso mehr schade, dass die 2009 angekündigte Download-Umsetzung von „Antichrist“ aus Skandinavien nicht erschien.
Das für „Brothers“ verantwortliche Studio Starbreeze hat dabei schon mit „Riddick“, „The Darkness“ und „Syndicate“ hinter deren jeweils rauen Oberflächen tiefe Menschlichkeiten erahnen lassen: sei es in Gestalt des nur scheinbar gefühlskalten „Kriegers“ Vin Diesel, dem samt entsprechender Strassenkunst ausgiebig dargestellten U-Bahn-Leben zwischen den „Darkness“-Gewaltwelten, oder wenn in „Syndicate“ die Dystopie mit allerlei – für einen Shooter höchst ungewöhnlich – dekorativ gekennzeichneten Alltagsgegenständen versehen war, welche eine in den Suizid treibende Wirtschaft materiell verstärkten.
Und mit „Brothers“ erzählt über eben dieses Studio nun der Filmemacher Josef Fares ein Märchen im besten Sinne des Wortes: die Geschichte zweier Brüder welche nach dem Tod ihrer Mutter ein Heilmittel für ihren kranken Vater suchen. Sowie ungewöhnlich ist daran nicht nur die Steuerung: „Brothers“ verweigert sich nämlich konsequent den Controller-Buttons – das ganze Spiel wird nur mit den Schultertasten gesteuert, die Sticks bewegen je einen der beiden Brüder. Was „Brothers“ so besonders macht, ohne dabei aufdringlich zu sein, sind die Unterschiede zwischen dem großen und kleinen Bruder: denn während der kleine nur Schabernack im Kopf hat, Unordnung und Humor in die Welt bringt, ist allein der große während der Erkundungen der beiden für die Vernunft und konstruktive Anleitungen zuständig. Ständig möchte man wissen wie die beiden völlig verschieden auf Gegenstände und Personen reagieren – der Einfallsreichtum scheint unbegrenzt zu sein: „Brothers“ zeigt damit vielleicht ebenfalls wie sich Ungleichheit besser ergänzen kann und ist deshalb trotz aller Melancholie auch ein Lehrstück in Sachen Komödie, eine Blaupause dafür wie (Slapstick-)Comedy in Videospielen abseits von Brachialität (noch) funktionieren könnte.

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