Ersteindruck „Flashback“ (2013)

Mit AMY hatte mich Paul Cuisset Anfang letzten Jahres schon schwer beeindruckt.
Umso gespannter war ich auf die Neuinterpretation seines eigenen „Flashback“, dem Mittelstück der inoffiziellen „Conrad-Trilogie“ von Delphine Software – „Flashback“ und dessen Sequel „Fade to Black“, zusammengenommen mit Eric Chahi’s „Another World“, dessen Fortsetzung „Heart of the Alien“ unterging. Schon vor zwei Jahren beglückte Chahi Microsoft’s Arcade-Sommer bei Ubisoft mit „From Dust“, nun also Cuisset, wieder mit „Flashback“: das ursprüngliche Spiel erschien dabei zu einer Zeit als versucht wurde, Plattformspiele auch jenseits von SEGA- und Nintendo-Konsolen zu etablieren. Ergebnisse waren etwa „Earthworm Jim“, aber auch „Prince of Persia“, „Commander Keen“ und „Jazz Jackrabbit“.
„Flashback“ gehörte dort, wie auch „Another World“ das ästhetisch noch immer bestechen kann, zu den eher düster-realistischen und weniger Cartoon-haften (Comic-)Spielen. Das Sequel „Fade to Black“ nahm im Zuge seines Wechsels zu polygonalem 3-D 1995 schließlich auch viele Elemente des späteren „Tomb Raider“ vorweg.
Spielbare Computerspielgeschichte also. Auf den ersten Blick wirkt „Flashback“ dabei wesentlich konventioneller als „Another World“ und insgesamt mehr verwandt mit „Contra“: tatsächlich lässt es sich wohl als eine SciFi-Mischung aus „Contra“ und „Pitfall“ beschreiben, wobei es auch Anteile des „Metroidvania“-Subgenres aufweist.
Wies das überaus fortschrittliche „Another World“ bereits ästhetische Ähnlichkeiten mit Delphine’s Kriminalabenteuer „Cruise for a Corpse“ aus demselben Jahr 1991 auf, setzte „Flashback“ (1992) die von Jordan Mechner für „Prince of Persia“ in den Achtzigern entwickelte Rotoskoptechnik für neue CD-Konsolen fort, erschien ursprünglich aber noch auf 3,5″-Disketten für den Commodore Amiga und 1993 MS-DOS. Die in diesem Remake enthaltene Originalversion ist leider nur die denkbar schlechtest integrierte: sie wird praktisch nur als Ausrede für das Remake vorgestellt. Und ob einem dies auch wirklich gefallen wird hängt dabei wohl vor allem davon ab, ob einem neuere Videospiel-Konventionen zusagen: denn nicht nur die Steuerung wurde an (technische wie künstlerische) Konventionen angepasst, sondern dem Ganzen etwa auch Rollenspielelemente hinzugefügt – wie sie heutzutage in praktisch 90% sämtlicher Spiele enthalten sind: mir spielt sich dieses „Flashback“ gewissermaßen viel zu flüssig. Wie bei jüngeren „Metroidvania“-Spielen, die ja – siehe etwa „Guacamelee!“ – noch immer gepflegt werden, fehlt mir das Gefühl der Herausforderung bei jedem neuen Bildschirm, etwas das bereits das allererste „Prince of Persia“ in vollem Umfang aufwies und ich schon bei „Shadow Complex“ 2009 als praktisch nicht (mehr) vorhanden empfand. Und weist ein Spiel wie „Flashback“ kein oder nur wenig Backtracking auf, kann der Mangel dieses Gefühls ein beabsichtigtes Erlebnis durchaus zunichte machen…

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