Ersteindruck „Killer Is Dead“: Goichi Suda’s „Kabale und Liebe“, sehr frei nach Friedrich Schiller –

„Love & Kill“. Nein, nicht Liebe und „Hinrichtung“ (Love & Execution).
Und, wieder nein: Punk ist, unter anderem, (noch) nicht tot. Jedenfalls nicht ganz – das zeigt einmal mehr „Killer Is Dead“. Obwohl ich von Musik zugegenermaßen keinerlei Ahnung habe. Aber das ist auch nicht mein Punkt. Zu diesem gewissermaßen Abschluss einer Trilogie welche dereinst mit „No More Heroes“ und der Figur Travis Touchdown auf der Wii begann.
Sondern natürlich der Videospiel-Anachronismus, den der Titel in einem Jahr nach Spielen wie „Tomb Raider“ und „The Last of Us“ bereits darstellt – nach all deren Rationalisierungen von Gewalt. Zu sagen Gewalt ist nur dann in Ordnung, wenn sie sinnvoll angewendet werden würde. Über Familienwerte und Co. Um egoistischer Weise zu „überleben“ oder so. Für sich und die Seinen. Nein. Gerade derlei Limitierungen sind alles andere als ok –
Spiele aus Japan werden deshalb zwar ebenfalls immer mehr angefeindet werden, doch verschließen sich weiterhin konsequent dieser Ideologie einer reduzierten Rechtfertigung – das zeigte letztes Jahr bereits „Ninja Gaiden 3“, in dem sich das zu beschützende Kind am Ende gar in eine Art Godzilla verwandelte. Ähnliches, jedenfalls nichts Geringeres, erhoffe ich mir auch hier. Ich habe mich ausnahmsweise überhaupt nicht vorinformiert und will deshalb auch mal nicht gespoilert werden.

Der mörderische Star von „Killer Is Dead“ ist dabei ein gewisser Mondo Zappa, ein deutlich älterer und damit wesentlich reifer gezeichneter Charakter als Touchdown. Doch „reif“ natürlich wieder immer noch nicht im bürgerlichen Sinne, dahingehend wird er wohl (hoffentlich) keinen Ansprüchen genügen können. Seine dunkle Stimme und sein beherrschtes Verhältnis zu Frauen erinnert an James Bond. Sein Name zweifellos an „Frank“ (siehe unten), nein nicht den gemäßigt autoritären Rechtspopulisten welcher dieser Tage Österreich mit Plakaten bombardieren lässt. Ob „ehrlich“ steuerbefreit oder anonsten nur bescheuert.
Und mit „Mondo“ war schließlich auch mal was – ganz früher, in der Freiheit der Siebziger repräsentierte „Mondo“ noch etwa Nacktheit unter Wilden, das heißt die weite Welt im westlichen Ausbeutungsfilm. Oder zumindest eine gewisse Grausamkeit daraus. Da wurde etwa von Leuten erzählt die zwar vornehmlich dunkelhäutig waren, aber trotzdem noch wild sein durften – ebenso wie minderjährige hellhäutige Mädchen wie Katja Bienert nackt. Heute wünscht man sich dafür schon die Adenauer-Ära wieder zurück, wenn man das Gefühl hat, dass ein „Mädchen aus dem Dschungel“ wie „Liane“ in diesen Tagen noch undenkbarer geworden wäre. Der menschliche Körper ein politisch zunehmender mit Minen der Unterstellungen und Diffamierungen besetztes Feld geworden ist.

Dennoch heißt es sich mit „Killer Is Dead“ umstellen, denn vom naiven Charme des Travis Touchdown ist nur wenig übrig geblieben: Travis war ein verhältnismäßig lieber Junge, aber auch noch ein echt Pubertierender quasi – auf der Suche nach „Entladung“ im literarisch sadistischen Sinn, nicht im inflationär gebrauchten landläufigen. Eine sexuelle Selbstfindungsodyssee die im zweiten Teil „Desperate Struggle“ bald in Ernüchterung umschlug.
Doch nicht nur die Hauptfigur, auch das Spiel wurde tatsächlich reifer: traktierte „No More Heroes“ ständig mit Nebensächlichkeiten in einer Pseudo-offenen Welt, ist „Killer Is Dead“ zwar linearer, aber dafür auch wesentlich konzentrierter gestaltet worden. Tatsächlich wieder ein hetero-männliches „Bayonetta“, noch weniger melodramatisch-ernst als „Shadow of the Damned“. Und trotzdem anscheinend ohne Lutscher auskommend. Hinzu kommt eine deutlich verbesserte Technik: nach den Suda-Produktionen für Electronic Arts (Shadow of the Damned) und, mit James Gunn, Warner (Lollipop Chainsaw) braucht sich „Killer Is Dead“ nun auch technisch wirklich nicht mehr verstecken.
Sowie: selbst wenn sich die Gemeinsamkeiten für mich damit bereits erledigt haben, aber Musik ist für Suda sicherlich ähnlich wichtig wie für Quentin Tarantino. Und das zeigt sich auch in „Killer Is Dead“ wieder: erstmals wird der Soundtrack von Akira Yamaoka mit einer eigenen Edition auch auf einer erschwinglichen CD mitgeliefert.
Dennoch steht für mich politisch jetzt schon fest: das nächste ähnlich gelagerte große Videospiel muss endlich unbedingt offensiv schwul werden. Und sei es nur als Ausrede um das Klima für das Thema Sexualität abseits der biederen Norm bürgerlicher Haushalte allgemein zu verbessern – entweder das, oder auf Gewalt vollständig verzichten.

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