Kommentar zu „Hotline Miami 2“ und Hideo Kojima

Jeweils bei IDG. 1: ‚Was wollen die(se) Leute eigentlich? „Hotline Miami“ inszeniert andauernd Gewalt, aber vor deren sexueller Ausprägung schrecken sie dann zurück? Oder was? Welche Hypokrisie steckt da auch dahinter – geschweige denn die Zugänge zu entsprechenden Geschlechterrollen. Und wer will das (alles) nicht haben? Genau dieselben welche andere Szenen gutheißen, unterhaltend finden, whatever…
Diese Ausdrucksform wird sich niemals gegenüber anderen emanzipieren (können), wenn Kreative dann auch jedes Mal genau so reagieren, zurückrudern, zensieren, relativieren, sich rechtfertigen und schließlich – nach entsprechenden Entfernungen – so tun als wäre da sowieso nie etwas gewesen.
„Hotline Miami 2“ ist demnach für mich jedenfalls erstmal gestorben –
In „Phantasmagoria“ hat Roberta Williams 1995 wie selbstverständlich eine Vergewaltigung integrieren können. Weshalb gelingt das, auch einem „Tomb Raider“, heutzutage nicht einmal versuchs- und damit ansatzweise?‘

2: ‚Hideo Kojima hat sich diesen strikten Normen Frauenfiguren nur möglichst bekleidet darzustellen glücklicher Weise nie untergeordnet. Sei es bei entsprechenden Einstellungen in „Metal Gear Solid 3“, oder bei den versteckten Auftritten von Paz in dessen Sequel „Peace Walker“.
Bei diesen neuerlichen Sequels davon erwartete ich mir, trotz allem öffentlichen Gegenwind, deshalb auch nichts anderes. Und wurde gerade mit dem offensiven Outfit von Quiet diesbezüglich bislang eben nicht enttäuscht.

Wobei Cortana zuletzt halt wirklich auch gar nicht mehr den Eindruck von früher machte, wonach „Halo“ so ein biederes amerikanisches „Gewaltspiel“ nur mehr wäre. Das hier nur so nebenbei.
Denn mich erinnern die bezeichnender Weise vornehmlich unter sich gegenseitig als sozial“kompetent“ und/oder angemessen „entwickelt“ abgrenzenden Männern geführten Debatten in dieser Industrie teilweise bereits an die „Sünderin“ Hildegard Knef bei Adenauer. Wie weiter zurückschreiten kann diese „Kritik“ so eigentlich noch? In welche noch finstereren Zeiten?
Also ich finde das im Gegenteil auch alles andere als „korrekt“.

Und ebenfalls ein sexnegativer Feminismus wird sich die Frage schon gefallen lassen müssen, welche patriarchale Gewalt er damit eigentlich transportiert. Was für Wünsche und Sehnsüchte bürgerlich-„viriler“ Haushalte er hiermit erfüllt. Wie er zu einer dadurch stetig fortschreitenden Maskulinisierung und damit Asexualisierung einer weiblichen Identität von Frauen in Videospielen negativ beiträgt. Wie welchen Frauenfiguren wohingehend vorgeschrieben werden soll wie diese zu (be)kleiden wären. Wie damit über Geschlechterrollen eigentlich bestimmt werden möchte, was für eine Gewalt da tatsächlich mittlerweile überall ausgeübt wird.
Über welchen Konstruktionen von Wirklichkeit, etwa auch dahingehend wie dort üblicher, perfider und infamer Weise Frauen mit größeren Brustumfängen kontinuierlich diskriminiert, diffamiert und denunziert werden. Wie selbstverständlich beiläufig.

Keine „reife“, sozial kompetente Frau schlägt männlichen Figuren in Videospielen schließlich etwa vor, dass diese nicht mehr mit entblößtem Oberkörper darin auftreten dürften – während Oben-Ohne bei Frauen sowieso immer noch ein strenges Tabu ist, selbst in Titeln wie „Saint’s Row“ und „Dead or Alive“. Oder wo werden den Männern in Videospielen ihre andauernd vorhandenen Waschbrettbäuche zum Vorwurf gemacht und etwa gefordert Dante aus „Devil May Cry“ zu einem schwabbeligen Übergewichtigen zu machen? Was ist das für ein Sexismus da nichts zu kritisieren? Und welche Misgoynität dabei immer nur Frauenfiguren in der Bringschuld angeblich männlich-zurückgebliebener Kreativer zu sehen, welche dahingehend schon nicht mehr „zeitgemäß“ handeln würden usw.
Gerade als Feminist und Mensch mit Behinderung stelle ich diesen Lookismus und Abelismus in Frage, und keine Kampf-Bras oder irgendwelche missliebigen Oberweiten, denn hier geht es offensichtlich auch um Fähigkeiten, das heißt überaus einseitiges „Sexappeal“. Ganz abgesehen auch davon in welchen bürgerlichen Kämmerlein diese schier feindselige „Kritik“ Sexualität eigentlich nur versteckt sehen möchte, das heißt nicht visualisiert, transportiert, öffentlich zugänglich gemacht. Welche Blicke darin eigentlich ausgespart werden sollten, welcher Blick anti-„voyeuristisch“ zu verhindern gewünscht wird. Und auch auf welche Politik dieser Hass auf Heterosexualität durch (vermeintlich) männliche Kreative, negativen Zugängen zu deren Fantasien, mit Reifedünkeln etc., eigentlich aufbaut, das heißt auf welche seinerseitige Heteronormativität. Denn wenn dieser Ausdruck einer Mehrheit, und Männer sind wie Frauen keine Minderheit, schon nicht erwünscht ist, wie steht es dann um die praktisch sowieso nicht vorhandene Homoerotik in Videospielen? Dieser schlicht menschenverachtende und fremdenfeindliche Körperfaschismus muss endlich ein Ende haben – oder zumindest fundert in seine Schranken gewesen werden, jedenfalls öffentlichen Widerspruch bekommen – nicht nur irgendwelche neuerlichen Rechtfertigungen, wie wonach – bei Cortana – die Gegenseite es ebenfalls gemacht hätte… Denn das ist zu wenig.‘

Ergänzungen beim Standard: ‚Mich erinnerte „Quiet“ spontan an Michelle Rodriguez in Robert’s „Machete“. Einem vernachlässigbar komischem Genrefilm. Und da stellt sich mir schonmal eher nur die Frage ob dieses Bild noch in das relativ ernste „Metal Gear“-Universum passt. Doch die
neuen Spiele werden dem Vernehmen nach sowieso nicht mehr wie die alten sein, allein schon wegen der anderen Technik wesentlich naturalistischer und damit auch profaner gestaltet werden. Immerhin orienterte sich die Kojima-Ästhetik, auch etwa bei der ähnlichen Eva 2004/05, an Fin de Siècle-Modezeichnungen und war damit näher an Egon Schiele als an Hugh Hefner dran.
Nur tauchen in „Metal Gear“, wenn ich mich richtig entsinne, männliche Charaktere des Öfteren sogar mit nacktem Oberkörper auf – was bei Frauen in Videospielen immer noch ein weitgehendes Tabu darstellt. Und was soll das dann wieder heißen? Wie wird hier so erneut über ein Publikum und Kreative bestimmt – mit welchen eigenen patriarchalen Mustern über die Body-Repräsentation von
Frauen Gewalt ausgeübt. Das „müsste“ sich endlich einmal gefragt werden, wäre „notwendig“ etc. Wie hier Sexualität diskriminiert wird und nicht welcher Sexus angeblich seinerseits diskrminierend wäre. Eine nackte „Frau“ braucht mit Erotik darüber
hinaus gleich wenig etwas zu tun haben wie ein nackter „Mann“ – hier scheint es bei den Gender-Konstruktionen jedoch bereits so weit gekommen zu sein, dass eine Oberkörper-Proportionalität welche über ein eingebildet „normales“ Maß hinaus geht zu einer Art Stigmatisierung von Frauen führt. Infamer Weise noch unter dem Vorwand dadurch Misogyntät abzuwehren (!). Entsprechende Dünkel bei „unreif“ imaginiserten, männlichen Kreativen vorausgesetzt.
Wie etwa bezeichnender hier nicht „kritisiert“ wird, wenn etwa im aktuellen „Saint’s Row“ daran „Sexappeal“ gemessen wird, oder GTA V fast nur mit einer Frau im Bikini wirbt. Nein, denn das wäre der hiesigen perfiden Logik von Rechtfertigungen zufolge ja „Satire“ oder ein „Kommentar“.
Denn unerwünscht
bleibt in jedem Fall eine Geschlechtlichkeit welche über eine Umarmung à la „Heavy Rain“ hinausgeht. Alle andere Sexualität, welche diesen vorherrschenden Sozialnormen ausgrenzender „Gleichheit“ nicht entspricht, wird in der Folge systematisch niedergemacht, verurteilt, pathologisiert, angefeindet und schließlich in Hassreden verwandelt. Das sind die „Werte“ an denen sich in dieser Gesellschaft orientiert wird, dafür wurde auf Kickstarter gesammelt und mit genau dieser Distinktion wird üblicher Weise operiert. Die routinemäßige TäterInnen-Opfer-Umkehrung und der ganz gewöhnlich Alltagsrassismus gegen Andersdenkende -‚

Viacom: ‚Regarding gender, violence and sexuality, the press seems to have no responsibilty whatsoever. Instead of trying to bring more women into the gaming space, trying to make the industry an attractive place for female directors and producers – not just people out of the Art departments -, they insist on body represantations by telling people – no matter the gender – how women should NOT be portrayed. Well, for the most part the directors are male. While how women SHOULD be portrayed is far less discussed.
And I guess that first and foremost, this character looks really just ridiculous – „erotic“ or not. Therefore I’m much more concerned if „Quiet“ will match the serious nature of the „Metal Gear“ franchise. Whether she would fit into „Metal Gear“ itself, and not just her body into her costume…‘

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