Virtuelle Realität? Ersteindruck „Cart Life“ (2013)

„Cart Life“ versteht sich selbst als „Retail Simulation“ für Windows, also als Einzelhandelssimulation. Die Eigenbezeichnung funktioniert im Deutschen (noch) besser, denn hier „handeln“ tatsächlich „Einzelne“ – es beschreibt keine Menschen in einem maschinellen Räderwerk von Industrie, wie etwa ein Chaplin in „Modern Times“, sondern jene welche in der Dienstleistungsgesellschaft prinzipiell für sich (und vermeintlich für andere) arbeiten. Dies jedoch mehr schlecht als recht, das heißt sie werden dabei viel zu sehr mit sich allein gelassen: die Figuren in „Cart Life“ arbeiten in keinem Betrieb nebeneinander. Und auch in keiner idealisierten oder realisierten Gemeinschaft wie bei „Harvest Moon“ oder „Animal Crossing“ für ihren eigenen Ertrag oder ihre eigene Freude, sondern vielmehr für ihr tägliches Überleben. Ihre Ökonomie ist eine des Überbaus, der Finanzen und eigenen Imaginationen. Und ihr Leben ein anderes Überleben als es sich etwa „The Last of Us“ so vorstellt, ein anderes siegreiches Hervorgehen als es der Sozialdarwinismus vorsieht. Und auch ihr Tod ein anderer als ihn physische Gewalt in Actionspielen ausmacht, oder Unfälle bei Wettrennen – ihr Tod der Tod der Depression, ein Nichts in welches bereits das Schwarzweiß des Spiels konstant sämtliche Wünsche, Hoffnungen und Träume zu stürzen droht.

Doch die Frage welche sich mir mit „Cart Life“ vor allem stellt ist, ob ein solches Videospiel heutzutage – in diesem Alltag und Zeitalter – wirklich noch als experimentell durchgehen kann und erst darüber sozusagen Geltung finden. Ob es wirklich so ungewöhnlich ist wie es tut.
Oder ob die Figuren daraus nicht vielmehr schon als so selbstverständlich für die Ausdrucksform anzusehen wären wie das Nintendo-Maskottchen Mario.
Denn Videospiele haben alle möglichen Branchen bereits simuliert. Nur das Private war darin immer nur ein Zusatz, ja sogar in einem Fußballmanager wo es in erster Linie doch eigentlich um Fußball ginge. Trotzdem war es in Wirtschaftssimulationen traditionell immer schon vorhanden – man konnte oft ziemlich viel mit dem eigenen Selbst darin anstellen, mehr machen als in anderen Genres, manchmal sogar mehr als in eigentlichen „Rollenspielen“.
Das einzig Neue das „Cart Life“ damit tut ist, dass es diesem fiktionalen Aspekt eine eigene Form samt Inhalt gibt. Gedanken und Vorstellungen welche im Genre der Wirtschaftssimulation subjektiv schon immer eine mehr oder weniger große Rolle gespielt haben einen eigenen Ausdruck verleiht.

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Über pyri

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