Kommentar beim Spiegel

Eine Entgegnung zu Michael Schulze von Glaßers „Begründung“: ‚Die „Spitze des Eisbergs“ ist für mich höchstens ein zartes Pflänzchen der Hoffnung für mehr Videospiele in Richtung von Bigelow, Gaghan und Co.
Schade. Ich dachte eigentlich auch Herr von Glaßer wäre schon weiter, aber anscheinend werden „die in vielen Spielen zur Schau gestellten klaren Verbrechen gegen die Menschheit“ immer noch (eigentlich tatsächlich ausnahmslos!?) affirmativ interpretiert, jede negative Handlung nicht als solche anerkannt – keineswegs akzeptiert. Aber wie denn dann? Wie sollen negative Inhalte sonst transportiert und angesprochen werden? Was versteht Herr von Glaßer ansonsten unter einem „Aufzeigen“? Oder weshalb sollen Spiele wie „Call of Duty“ dabei etwas anderes tun als er selbst? Über welche Vorurteile und negativen Gefühle, welchen Moralchauvinismus? Wer wäre bei solchen Handlungen denn auch nicht „erfolgreich“ ausgestiegen?

Oder mit welcher Verantwortung wird da ein Ideal des Guten und Schönen präsentiert – und wenn dann vielleicht höchstens so wie ich Mitte 2011 auf dem „Militainment“-Blog zu seinem Interview mit Peter Bürger bereits schrieb: ‚Alles was gezeigt wird, wird tendenziell als gewollt angesehen, perfider Weise, stets als affirmativ gemeint interpretiert. Sämtliche Kriegsspiele welche Freude an Gewaltdarstellungen vermitteln würden wären demnach Pro-Kriegsspiele. Absurd. Dazu reicht allein der Hinweis auf “Wohlanständigkeit”, “attraktive Bilder der Begegnung, der zärtlichen Annäherung und der Zusammenarbeit” – nichts als kulturelle Sauberkeitsvorstellungen, tatsächlich doch bereits in Richtung kultureller “Hygiene” gehend. Geschichtslose Reinigung. Möchte jemand anders leben: chancenlos. Alles Negative soll ausgeblendet werden und am Ende wäre ein Realismus so etwas wie die nukleare Verseuchung eines Publikums. Auch so als ob “Realismus” überhaupt ein erstrebenswertes Ideal für jeden Menschen wäre. Für mich sicherlich (auch) nicht.
Was da alles unter Teppiche gekehrt werden soll, welche Fassaden aufgebaut, will ich mir gar nicht vorstellen. Bei einem Publikum das ansonsten bloß mit diesen vermeintlich “guten” und “schönen” Bildern versorgt werden sollte. Die schiere Menschenverachtung.‘

Oder wie viele Überschreitungen von derlei Grenzen wurden denn tatsächlich geahndet?
Weshalb wird immer nur solchen Reden, diesen gegen die Freude eines Publikums gerichteten Positionen, Platz zugesprochen, ob hier oder bei der WASD selbst. Wie soll hier darüber manipuliert werden, Vorbehalte noch verstärkt – negative Meinungen weiterhin gestärkt? Einseitigkeit gefördert?
Wieso sollen die Handlungen wie Folter, welche sowieso bloß nur ansatzweise erfolgen weil in den allermeisten Spielen – „No Russian“ war da wirklich eine große Ausnahme – kaum Zivilpersonen vorkommen, ausgespart werden? Mit welchen Vorstellungen eines „sauberen“ oder gar „normalen“ Krieges? So was kommt wirklich von einem Aktivisten der Friedensbewegung?
Und welcher Illusion einer Verfolgung von Kriegsverbrechen wird sich da hingegeben: wie un“kritisch“ ist dieser Text eigentlich, wenn es darum geht scheinbar Krieg als Konvention durchsetzen zu wollen? Damit im Krieg alles seine „Ordnung“ hätte? Schließlich: welche Vorstellung von „Recht“ angesichts von Leid im Krieg ist da eigentlich zu erkennen?‘

Das angesprochene Bürger-Interview mit meinem Originalzitat in den zwei Kommentaren;

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