Was wollen sie eigentlich haben? Neue Replik(en) zu Wilhelm, Glaßer und Co.

Beim Standard: ‚Es scheint den Autoren (tatsächlich sind es wie die meisten Inkriminierten alle junge Männer) ja leider überhaupt nicht bewusst zu sein über welche symbolischen Handlungen sie da eigentlich sprechen. Wie sie damit in erster Linie möglicherweise auch
nur die reale Gewalt verharmlosen, gegen welche sie doch vorgeben sich grundsätzlich stellen zu wollen. Auch drüben beim Spiegel wieder der Schulze von Glaßer http://www.spiegel.de/netzwelt/games/wasd-menschenrechte-in-kriegs-shootern-a-924707.html Über die WASD-Zeitschrift, deren moral- und sozialchauvinistische Agitation beständig als Alternative vermarktet wird. Und dabei schonmal etwa überhaupt nicht gefragt, wieso die unliebsamen Kreativen bei Activision die ganzen Kriege mit ihrer Folter gar verkaufen sollten… Oder auch nur die (verschwörungstheoretisch) üblichen Feindbilder wie die CIA in Hollywood, frei nach Peter Bürger. Während beim realen Giftgas am Cover bloß infam gefragt wird wie dort mit einer Schuld gelebt werden könnte…‘

Update 9. Oktober – auf „Stigma Videospiele“: ‚Das Problem bei dem Glaßer-Artikel ist, dass er indirekt das fordert was bei einem Peter Bürger (und ihm selbst sonst auch) unter „Kriegspropaganda“ läuft, nämlich dass wenn dann bitte saubere und ordentliche „Kriege“ geführt werden sollen. Und damit dann alles rechtens wäre. Also wie zynisch ist das denn? Natürlich will er in seinem Sinne gar keine nicht-„kritischen“ Kriegsspiele haben, aber so ein Artikel reduziert das schonmal so: und das ist auch das Problem des Roten Kreuzes. Spiele wie „Call of Duty“ oder „Battlefield“ erzählen mittlerweile jedoch eher wilde bis abstruse Geschichten, die zumindest teilweise schon näher an Ian Fleming waren, als an Erich Maria Remarque. Und weshalb wird dann etwa nicht gefordert, dass die Kriegsspiele angesichts ihres Gegenstandes doch bitte (wieder) ein wenig ernster werden mögen?
Das wäre mal eine interessante Forderung – zur Abwechslung. Und eine welche auch die Wirklichkeit der heutigen Spiele berücksichtigen würde.

Denn es werden dort im Run-and-Gun-Singleplayer auch meist bloß absurde Einzelkämpfer mehr gemimt. Und bei mehreren geht es sowieso nur mehr um ein relativ abstrahiertes Punktezählen im Kopf, fernab von klar trennbarem Klassendenken wie beim „Sanitäter“, oder ausgeklügelt bedächtig-geplantem Vorgehen, „Strategie“ Fehlanzeige. Die Regeln gibt es dort doch alle überhaupt nicht, das heißt nicht einmal als Möglichkeit – da wird von ganz anderen „Kriegsspielen“ gesprochen. Da gibt es ganz andere Regeln, etwa dass einem in „Medal of Honor – Warfighter“ die Frau verlässt wenn man so weiter tut wie bisher. Nur davon redet der Schulze von Glaßer nie. Niemals vom Melodram. Oder der Komödie: und dann werden Spielinhalte wie die Folter als „klare Verbrechen gegen die Menschheit“ ausgewiesen? In welcher Beziehung zu was für einer Realität sollen diese Vorwürfe eigentlich stehen. Nicht nur zur Kriegsrealität, sondern auch die der tatsächlich populären Spiele. Wieso wird die Folter integriert: doch nur zur dramaturgischen Variation, als affektorientierte Abscheu. Der Glaßer tut jedoch so als wäre sie Teil des Spielalltages. Doch da foltert oder massakriert nicht der Spieler, die Spielerin, in ihrer Rolle als namenloser Antiheld, sondern das tun irgendwelche Schurken oder klar abgrenzbare Antihelden – wie verdeckte Ermittler am Flughafen. Und welcher falsche Eindruck über narrative Konstruktionen wird da auch vermittelt, was für eine Gegen-Aufklärung und Verschleierungstaktik von Inhalten betrieben? Die pro- oder antagonistischen Männer welche in den Militärspielen für gewöhnlich vorkommen sind doch keineswegs repräsentativ für auch nur irgendein real existierendes Land, derem Militär oder sonst wen. Und es wird dazu auch nicht erklärt was dabei sonst etwa ein „Kommentar“ wäre – wie belehrend dieser in etwa auch aussehen müsste, dass er so genehm wird. Der Glaßer macht riesengroße „Studien“ in denen er penibel Inhalte aufzählt und Handlungsbögen zusammenfasst, aber in der Interpretation fallen dann diese wie ein Kartenhaus in sich zusammen, weil ja sowieso alles nur „für den Krieg“ wäre am Ende, wenn etwa gewonnen werden kann oder sonst was das ihm politisch-ideologisch nicht in den Kram passt – weil er eine promilitärische Haltung eben nicht erträgt. Weil es erfolgreiche Militärs für ihn nunmal nicht geben darf. Weil das alles gleich „militaristisch“ oder kriegsverherrlichend wäre.
Also da wird doch bloß „politisches Kleingeld“ gewechselt, wie es hier in Österreich so schön heißt: für langweilige Simulationen wie „ARMA“ macht es Sinn dieses humanitäre Recht als Integration zu fordern, aber das sind weder die populärsten Titel noch jene die da letztlich auch angesprochen wurden. Die sind so nüchtern und damit langweilig-unzeitgemäß, dass sie heutzutage wenn dann von einem Massenpublikum vielleicht höchstens für eine Zombie-Mod missbraucht werden. Denn im Grunde sind diese Forderungen so wie wenn ein Sean Connery anno 1962 angewiesen wurde, dass sich Geheimagenten doch bitte nicht so verhalten mögen wie er bei seiner „Jagd“ auf „Dr. No“.‘

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