Weiterer Kommentar zu Microsoft und Co.

In Ergänzung. Auf „Stigma Videospiele“: ‚Microsoft hätte einfach sagen brauchen, dass sie sehr wohl zur USK/OLJB gegangen waren – noch bevor sie bei der BPjM mit einem Antrag abblitzten, das heißt obwohl die USK auch in ihrem Besitz ist.
Das Problem ist jedoch allgemein eines der Transparenz: so werden immer nur die positiven Ergebnisse kommuniziert. Egal ob nun bei einzelnen OLJB-Kennzeichnungen oder Gerichtsurteilen. Würden in der USK-Datenbank auch die Ablehnungen von Kennzeichen aufscheinen, hätte sich diese Verwirrung womöglich gleich erübrigt. Nur beißt sich da der Hund in den Schwanz, weil diese Veröffentlichungen von Titeln in der Regel ja selbst bereits gleich wieder „jugendgefährdend“ wären.
Zumindest wesentlich vorbildlicher ist da schon die FSF, welche etwa auch über Schnittauflagen gegebenenfalls informiert.
Und insgesamt ist diese angeblich reduzierte Beratungsfunktion der BPjM nunmal auch unehrlich, denn die OLJB haben ja kein Vetorecht oder so was bei der BPjM. Die können, außer gegebenenfalls von sich aus den Rechtsweg zu beschreiten – wenn das zwischen Behörden überhaupt ginge -, afaik doch überhaupt nichts gegen deren Einschätzungen tun: die Indizierungskriterien sind alleinige Sache dieser Behörde. Falls es da doch irgendwas geben sollte, bitte ich um Aufklärung.
Natürlich soll alles harmonisch ablaufen und es zu keinen Konflikten zwischen Freiwilliger Selbstkontrolle und Behörde kommen, ist das bei dem System allein schon im Sinne der Industrie und ein Verhältnis das bislang anscheinend ja auch erstaunlich reibungslos ablief, dennoch – die Rechtssicherheit schafft da schonmal eine andere Beziehung als zwischen BPjM und den unabhängigen Gerichten: als damals der Münchner Richter Grein „Condemned“ indizieren ließ, listete es die BPjM einfach um. Im umgekehrten Fall ebenso Jahre später bei „Dead Island“: nur hat man da aus der Presse einen konkreten Grund nie erfahren – Koch hätte das bei der BPjM einfach erreicht. Wie genau: Fehlanzeige.
Dabei zeigte unlängst das Beispiel des Films „Battle Royale“, dass nach nur wenigen Monaten sogar eine Beschlagnahme wieder aufgehoben werden kann – anscheinend noch am selben Gericht.
Der deutsche Jugendschutz schafft aus meiner Sicht deshalb vor allem zwei Dinge: erstens den Eindruck von sporadischer, zeitlich begrenzter Willkür in Kombination mit einseitigen Ressentiments gegen bestimmte Körperdarstellungen oder Symbolen. Und zweitens Intransparenz bei tatsächlich einmal erfolgter Möglichkeit der (schweren) „Jugendgefährdung“ usw. („einfach jugendgefährdende“ Filme können im Kino ja noch mit FSK-Segen laufen)
Doch in der Videospielpresse liest man am Ende dann nur etwas von so Fragwürdigkeiten wie wonach Hakenkreuze kein Indizierungskriterium wären etc. Was letztlich jedoch nur Unsinn ist, weil Spiele damit ja auch als strafrechtlich relevant gelistet werden. Und mit einiger Begründung – eine Rechtsmeinung die ja auch hier vertreten wird – dann bereits verboten sind.

(…)
Tatsächlich wurde etwa auch zu „Call of Duty – Black Ops“ 2010 so ein Eilantrag auf Indizierung gestellt und ist dieses Instrumentarium dort vorhanden, aber da geht es immer um Spiele die bereits veröffentlicht sind oder gerade auf dem (besten) Weg dazu. Hier geht es jedoch um die Problematik illegaler Vorzensur durch die BPjM. Bis zum Release von „Dead Rising 3“ waren zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung dieser Microsoft-Stellungnahme bei IDG nämlich noch gut zwei Monate hin.
Also was Microsoft da beschrieb war mehr oder weniger der übliche Prozess einer USK-Kennzeichenfindung.
Im Übrigen möchte ich einmal darauf aufmerksam machen, dass mir – ohne dies vorerst leider belegen zu können -, in der USK-Datenbank in letzter Zeit einige Unregelmässigkeiten aufgefallen sind. So scheinen dort Einträge von Spielen deren Veröffentlichung erst weit im Jahr 2014 hinein erfolgen soll nachträglich wieder entfernt worden zu sein. Später tauchten sie dann zwar doch wieder auf, aber zumindest zwischenzeitlich wurden etwa entsprechende Presseberichte schonmal nicht mehr ganz nachvollziehbar. Und das ist insofern brisant, da bei der USK ja behauptet wird dass sie alle Spiele ab einer gewissen Präsenz durchspielen würden, wobei ich noch offen lassen muss ob es sich lediglich um technische Gebrechen handelte. Momentan scheint alles in Ordnung zu sein, aber ich wäre froh wenn das auch andere mal beobachten würden und wenn sie in der Presse was von USK-Kennzeichen erfahren diese auch bei der USK selbst gegenchecken versuchen‘

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