Kommentar zur ServusTV-Sendung „Talk im Hangar-7“ über Computerspiele: die Schwierigkeit eine komplexe Ausdrucksform mitzuteilen

Das Sprechen über Videospiele und insbesondere „Gewaltspiele“ steckt in der Öffentlichkeit offensichtlich in einer tiefen Sackgasse, das heißt selbst dann wenn die Aufmachung und Moderation einer Sendung prinzipiell Ressentiment-frei erfolgt und die Ankündigungen eines Kindermediums sich in der Sendung selbst letzten Endes doch nicht wieder finden. Und Schuld daran ist keine Pensionistin aus Dortmund, welche sich Spiele bloß vorführen lässt, daraufhin ihre Eindrücke sagt und gar nicht so dumme Sachen wenn es um einen zumindest brutalen Effizienzgedanken in der Branche geht, sondern vielmehr die Industrievertretung selbst.
Eine Lobby, welche die ökonomische und zweifellos auch seelische Ausbeutung eines Publikums als „virale Innovation“, und – noch fragwürdiger – als europäische (!) Chance verkauft, obwohl es doch ziemlich eindeutig ist dass das Gratis-Geschäftsmodell über Internet-Browser eine ursprünglich südostasiatische Erfindung war – was allein schon nachträgliche Umsetzungen westlicher Erfolge wie „Call of Duty“ für gezielt und genau diesen Markt belegen. Wo dann von Seiten der Medienpsychologie im Laufe der Sendung munter Dave Grossman mit „America’s Army“ vermischt wird, und zumindest diesem Mix letztlich nicht widersprochen – natürlich ohne beide eigentlich völlig entgegengesetzten Ideen beim Namen zu nennen: einem Horrorfilm-Publikum zwar zugestanden wird nicht unbedingt zu dem Furchtlosestem zu gehören, aber eine affirmative Beziehung zum „Kriegsspiel“ als „Spaß“ und Freude an einer kriegerischen Sache völlig kritiklos begegnet: Ambiguität und Ambivalenz, Abscheu gibt es dabei scheinbar nicht, dafür „Psychohygiene“. Das „Prokriegsspiel“ eine völlige Selbstverständlichkeit – wieder ohne es überhaupt zu erklären. Und das alles nicht einmal im Ansatz ein Widerspruch?

Während der Datenschützer über sein Sicherheitsdispositiv die üblichen technischen Fragwürdigkeiten zu Möglichkeiten von schwenkbaren Kameraarmen und Co. erzählt – was natürlich auch der Showman „gruselig“ findet, wo er doch ebenfalls über Erfolgserlebnisse in „Battlefield 4“ berichtet. Erfahrungen die im Anderen wieder nur als „Gewalttätigkeiten“ ankommen: die Gewalt erklären, verständlich machen, diesbezügliche Phobien – ob von Jahrgängen um 1941 oder nicht – diese Ängste nehmen, ausgeschlossen: da gibt es eigentlich weiterhin gar kein Gespräch.
Kann es nicht geben? Nun, ich bezweifle das.
Denn nein, es muss keine „Gewaltverherrlichung“ im Verbrauch übrig bleiben, wenn sich über Computerspiele unterhalten wird. So frustrierend mir die „Realität“ dieses Gesprächs auch wieder erscheint. Keineswegs: es braucht nur aufeinander zugegangen werden.
Doch ein Sprechen über Ästhetik oder gar Antiästhetik liegt in weiter Ferne, das heißt ein Sprechen über Videospiele bleibt prinzipiell jenseits aller Moderne: nur das Gute und Schöne wie Blumen darf als etwas Positives Bestand haben. Erhalten bleiben –

Ergänzung auf Facebook: ‚Frau Pfeiffer drückt halt in erster Linie ihre Besorgnis aus, aber will damit auch nicht pauschalisieren, denn dass jemanden hinterrücks abzustechen als Erfolgserlebnis verkauft wird macht den Vorgang keineswegs besser. Das kann jeder x-beliebige Mörder sagen. Doch diese Gewalt wird eben nicht erklärt, sie wird bloß rechtfertigt: und wenn es dann noch heißt, dass in „Quake“ Darstellungen sowieso lieber abgeschaltet werden, die negativen Eindrücke einer Pfeiffer noch bestätigt. So wird nicht gefragt wieso es weniger Gewalt in Videospielen geben sollte, was diese Einbildung von Friedfertigkeit eigentlich bringen soll – wie überheblich, reduzierend und letztlich ebenfalls chauvinistisch das eigentlich wäre? Denn was bedeutet „Chauvinismus“ eigentlich? Genau dieselbe Überlegenheit einer Gruppe wie sie so auch in der TV-Runde zum Ausdruck gebracht wurde. Das braucht mit keinem Nationen- oder Geschlechterbegriff auch nur irgendwas zu tun haben. Und das Problem eines Titels wie „Battlefield 4“ oder „Modern Warfare 3“ ist damit vielmehr ebenfalls ihre unpolitische Ausrichtung. Dass nach schon politischeren Vorgängern nunmehr in jedem Fall lieber abstruse Geschichten zwischen Melodram und James Bond erzählt werden, mit unverfänglicheren (Stereo-)Typen und Plots, anstatt Zündstoffe für FeindInnenbilder zu bringen und eine Reflexion auf die sicherheitspolitische Gegenwart in Militärspielen zu bieten, weil auch „Gewaltspiele“ so halt lieber als belanglos vermittelt werden möchten. Vermeintliche Kriegsspiele „Krieg“ der irgendwie doch noch auszuhalten wäre. Zwar nicht für Leute wie Frau Pfeiffer, aber zumindest für den durchschnittlichen „Gamer“. Und selbst Ausnahmen, tatsächliche Brüche von Genre-Konventionen, wie Folter bleiben so ohne jede weitere Einordnung nur als Verbrechen bestehen. Als Verbrechen in Verbrechensspielen, wobei derlei Menschenrechtsverletzungen letztlich auch die Spiele selbst über solche Sendungen immer wieder nur als Verbrechen verlängern und ausweisen. Selbst als „Spaß“ wie der Lobbyist sagte. Und vom eigenen Umfeld oder einem selbst, wo F2P vielleicht weniger problematisch ist, auf eine Allgemeinheit zu schliessen hilft da auch nicht weiter: ich kann es jedenfalls nur überaus schade und traurig finden wie sich da einem Lobbyismus angebiedert wurde. Wie viele großartige Videospiel-Franchises sind dieser Entwicklung bislang eigentlich schon zum Opfer gefallen, gerade aus dem deutschsprachigen PC-Bereich: von „Anno“ über „Die Siedler“ bis „Drakensang“? F2P ist billiger zu produzieren und damit relativ leicht zu finanzieren. Und das fällt, wie Frau Pfeiffer in der Sendung richtig sagte, schon mit dem häufig frühen Zeitpunkt der Veröffentlichung eines solchen Spiels zusammen. Während sein größter Vorteil, seine leichte Zugänglichkeit, durch eine umumwundene Tatsache wenigstens vorerst nicht aufgewogen wird, dass nämlich die Spiele in Wirklichkeit und objektiv eine in jedem Fall Zurücknahme ihrer Stellung als Produkt(ion)e(n) bedeuten. So wurde bei „C&C“ von Electronic Arts nicht einmal in Erwägung gezogen erneut aufwendige Filmsequenzen zu inszenieren. Das ist so wie wenn Filme einer Movie-Franchise früher im Kino liefen, aber heute nur mehr Direct-to-Video produziert werden, das heißt ökonomisch in jedem Fall ein Rückschritt. Sicher haben das Geschäftsmodell und entsprechende Titel dennoch eine Existenzberechtigung, aber das hat das gerade hierzulande in Österreich gern verbotene Kleine Glücksspiel in meinen Augen auch. Auch das kann ich schön, spaßig und/oder unterhaltsam finden.‘

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