Videospiele sind nunmal für niemand da…

Bei dem Standard-Artikel in dem ich jüngst kommentierte wurde auch wieder auf den alten Destructoid-Artikel von vor genau zwei Monaten verwiesen, wonach die videospielenden Massen selbst von praktisch nichts was Videospiele beträfe überhaupt eine Ahnung hätten. Sie kennten bloß „Madden“ und „Call of Duty“. Das wars. Wären „Fakten“.
Jedenfalls nach den Erfahrungen eines Menschen in einem Konsumtempel in Maine – um die letzte Weihnachtszeit herum: wie widersprüchlich das als „Fakten“ vorgetragen auch schon immer (gewesen) wäre.
Eltern glaubten alle Games seien für Kids, schließlich wären sie „Videospiele“. Zentrale Portale der Videospielpresse wären demnach auch kein Begriff, Genres würden weder verstanden noch auseinander gehalten werden können, Alterskennzeichnungen nicht beachtet, keinerlei Rezensionen gelesen usw. usf. Zusammengefasst: jedes Klischee über dumpfe biertrinkende Leute welche in Massen Videospiele „konsumieren“ würden, und verantworungslos-ignorante Eltern, entspräche der Wahrheit.
Alles andere, also das was Destructoid für gewöhnlich so macht, ein absolutes Minderheitenprogramm: oh Schreck, oh Graus!

Die Marketing-Abteilungen der großen Games-Konzerne wüssten auch darum, nur Nintendo hätte mit der Wii U den Fehler gemacht zu wenig zu recherchieren: also genau dort wo sich sonst gern über Stereotypisierungen in Gamesinhalten (mit) empört wird, breitete jemand die volle Klischee-Kanne über eine ganze videospielende Öffentlichkeit aus. Erfahrungsgemäß.
Nur einen Schönheitsfehler hatte der Artikel gleich im ersten Nachgedanken eines Kommentars: jemand erdreistete sich doch den Autor anzugiften eben kein „Konsument“ zu sein, denn das wäre schonmal „Apfelsprache“ etc.
Ob von Apple stammend oder nicht: das Schreiben hatte sofort einen Shitstorm sondergleichen ausgelöst. Der Kommentar wohlgemerkt, nicht der Artikel –

Denn alle würden mit Videospielen schließlich Produkte „konsumieren“. Demnach keine Werke rezipieren. Und das Denken ist scheinbar wirklich immer gleich: keine Frage danach wie es denn bei anderen Ausdrucksformen, in anderen Medien, anders wäre. Welche Musik die Hitparaden bestimme, was für Blockbuster-Filme die Kinos. Auch welche Romane Massen sonst verschlingen würden: und schließlich, was denn eigentlich auch nur so besonders daran wäre, dass es bei Videospielen als Massenphänomen eben (doch auch) nicht anders zugeht?
Natürlich der elitär-elitistische Grundgedanke, welcher gerade auch so Seiten wie Destructoid bestimmt: da wird naturgemäß etwa nicht gefragt wieso die beleidigende Überheblichkeit eines Jim Sterling bei „Resident Evil 6“ gar wahrgenommen werden sollte? Wieso denn, nur weil ein paar Leute aus dessen Ecke glauben dass dem so wäre wie er gesagt hat, das Spiel nicht gut gewesen sei?
Weil auch sie halt „Videospiele für alle“ durchsetzen wollen und den Leuten, ob sie es nun zugeben oder nicht, einen bestimmten Geschmack einseitig eintrichtern, über deren Zugänge eine gewisse Macht ausüben, manipulierend tätig werden und in „falsche“ Entwicklungen eingreifen. Einen Kanon dirigieren. Wo „The Walking Dead“ von Telltale immer „Spiel des Jahres 2012“ war, und kein reaktionär-sentimentaler Kitsch. „Ninja Garden 3“ stets misslungen und keine politisch offensive Verbeugung vor „Metal Gear“. „Medal of Honor“ (2010) nie das bessere „Call of Duty“ sein durfte. Das zugeknöpfte „Frauenbild“ der Tochter von Terry Pratchett, welches Frauen ohne Wenn und Aber die körperliche Gewalt von Männern patriarchal aufdrückt, immer weniger misogyn als sonstiger „Sexismus“ in Games.
Denn am Ende stehen hinter diesen Zugängen immer die Wünsche bestehende Entwicklungen und divergierende Werturteile nicht (einfach so) gelten zu lassen. Die Absicht den Markt zu verändern, weil das vermeintlich Bedeutungsvolle auch immer das Erfolgreiche sein müsse. Das Nicht-Normale immer eine Abwertung wäre. Ein Problem. Und diese Absicht im Grunde genommen ein steter Paternalismus, der bei der Unterscheidung zwischen „Indie“ und „Blockbuster“ beginnt, aber bei Empörung, „Verboten“ und Ausgrenzungen endet: dem Wunsch zu kategorisieren, Eigenes vom Anderen abzugrenzen und letztlich nicht mehr gelten zu lassen.

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