„Dead Rising 3“ jetzt indiziert: EU-Version strafrechtlich relevant

Wie die BPjM heute per Sondermitteilung erklärt, wirft sie dem Xbox-One-Launchtitel „Dead Rising 3“, der vor zwei Wochen zum Start der Konsole frisch aus dem kanadischen Vancouver veröffentlicht wurde, offenbar vorläufig vor in Deutschland gegen das Vergehen der Gewaltdarstellung zu verstoßen: bereits letzte Woche wurde die Information von einem österreichischen Versandhandel kolportiert. Bedenklicher Weise führt etwa auch der österreichische Media Markt (aufgrund deutscher Verhältnisse?) „Dead Rising 3“ scheinbar nicht (mehr?) in seinem Versandhandel-Sortiment.

Eile mit Weile

Somit ist die deutsche Behörde einem „Eilantrag“ gefolgt. Jedoch nicht ohne dass vorher – etwa auf Amazon.de – mit dem Titel im Land bereits ordentlich Kasse gemacht worden wäre, denn so ist es ja nicht (mehr), dass nicht-gekennzeichnete und nicht offiziell veröffentlichte Spiele bis zu ihrer Indizierung in Deutschland gleich gar nicht frei verkauft werden würden…

Spannend wird dabei jedoch bleiben wie Microsoft mit aus Deutschland erfolgten „Käufen“ auf ihrem Cloud-basierten Store für die Xbox One weiterhin umzugehen gedenkt, denn bereits bevor dessen Produktseite entfernt und Diskussionen geschlossen wurden mehrten sich auf Amazon.de stimmen zum Spiel, welche IP-Sperren bei DLCs, Saisonpässen oder gleich dem ganzen „Dead Rising 3“ befürchteten. Tatsächlich scheint es da bei Microsoft eine Änderung gegeben zu haben, wie der Blick in mein eigenes Billing verrät:

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Denn während das 360-Downloadspiel „Mark of the Ninja“ zusammen mit dessen Add-On und einem weiteren Item (hier „Dishonored Premium Theme“) noch als „Kauf“ verbucht wurden, ist dies bei den beiden Xbox-One-Produkten, dem Download-Titel „Crimson Dragon“ und einem Leihvideo (hier „Shrek Der Dritte“) nicht der Fall. Zwar verfügt „Crimson Dragon“ über Elemente von (F2P-)MMOs, weist dabei selbst aber nicht einmal eine direkte Multiplayer-Komponente auf und funktioniert auch ohne Internetverbindung. Jedenfalls kaum Grund genug um in beiden Fällen abweichend lediglich von einer „Gebühr“ zu sprechen, zumal auch Sony PS4-Transaktionen auf PS3 und Vita erfahrungsgemäß nicht mehr bei „Downloads“ einordnet, sondern selbst Demos unter „Services“, wobei ich vermute dass Microsoft und Sony damit zumindest EU-Richtlinien zum Wiederverkauf virtueller Güter umgehen wollen (EuGH-Urteil zu Valve und Apple siehe IDG-Kolumne von 2012).
Der neue Segen von Clouds und Co. hat demnach auch einen neuen Umgang mit Begriffen in der Videospielindustrie bei ihrem Übergang von der Produkt- hin zur Dienstleistungsgesellschaft hervorgebracht. Begriffe bei denen keine Besitztümer mehr erworben werden, sondern nur mehr Nutzungsrechte (auf Lebenszeit, oder bis es sich eine Firma wieder anders überlegt) gewährt. Selbst dann, wenn diese Begrifflichkeiten – wie in Microsoft’s Fall – vorerst nur umständlich über die Commerce-Seite des Konzerns sichtbar werden.

Update 4. Dezember – war anscheinend wieder Zeit für einen Offenen Brief auf SB.com: ‚Die Aggressivität welche hier immer wieder zu Tage tritt erstaunt mich doch jedes Mal aufs Neue. Da wird jemandem der Mund verboten, wenn etwas gegen Zumba dahergeredet wird.
Hauptsache es kann angezweifelt werden was Frau Monssen-Engberding zwischen zwei Zigaretten von sich gegeben hätte, wenn der Tag lang war. Deren Arbeit verteidigt, die ja „sowas nicht mal in Ansätzen“ erahnbar sagen würde was der andere Doktor, der Gute hier, behauptet hat: der „Bullshit!“ soll gefälligst „vernünftig“ belegt werden (mit 4x Zustimmung). Und das soll womöglich noch „Moderation“ gewesen sein. Ich weiß zwar nicht mehr genau von wo das kam, aber ganz frei erfunden hats der Trask sicher nicht. Soviel kann ich schon sagen. Und mit ihrem Utilitarismus würde sich das Zitat auch keineswegs schlagen: „Diese Filme sind meiner Meinung nach heute genauso brutal, unnütz und grausam wie vor 25 Jahren.“ http://www.dvd-magazin.de/?pageID=210 Aber das ist ja „nur“ ihre „Meinung“ gewesen, wie hier auch so gerne euphemistisch hochgehalten wird.
Weil hier ja auch nicht einmal je ein Editorial erscheinen wird, dass sich nicht völlig unkritisch mit diesen Maßnahmen auseinander setzen würde – die faschistoide Gewalt gegen Menschen in einem „Ryse“ kennzeichnen, aber das anarchische „Dead Rising“ wo solche Gewalt nicht einmal im Vordergrund steht jedes Mal dem Strafrecht zuführen. Weil „wir“ sind ja so „unpolitisch“.
Dabei schätze ich „Ryse“ sogar sehr, finde ich die an „The Eagle“ angelehnte Narration letztlich gelungen und freu mich dafür schließlich auch mit einem europäischen Spiel. Dennoch ist diese ästhetische Diskriminierung in Deutschland nicht nur verantwortungslos sondern demokratisch einfach untragbar. Allein wie da wieder eine „Menschenwürde“ ausgelegt werden wird kann mich eigentlich nur sprachlos und betroffen machen.
Aber Hauptsache in hiesigen „News“ kann „Objektivität“ geheuchelt werden und irgendwelchen Institutionen geschmeichelt. Sich in Anpassung und Systemkonformität geübt -‚

Update 5. Dezember: Replik – ‚@Anonymus
Ich verstehe schon dass es auch nur lächerlich gefunden werden kann, wenn ich auf der einzigen Seite von Rang die im deutschsprachigen Raum (und sogar weit darüber hinaus) tagtäglich über Zensurmaßnahmen berichtet, meine Vorwürfe dagegen bringe.
Nur kommt die Situation in Deutschland auch nicht von ungefähr denke ich: sie ist die Folge einer Mentalität wie ich sie nunmal auch hier wahrnehme – auch wenn ich hier über das Ausland lese, dann heißt es immer dass es dort ja auch so zugehen würde und womöglich wäre es in Deutschland nicht einmal so schlimm. Relativierungen.
Und da kann ich für solche Passagen nunmal kein Verständnis aufbringen: „Da Dead Rising 3 zwar nicht offiziell in Deutschland erscheint, aber gleichzeitig mit dem XBox One-Start für viele Spielekritiker und Fans als Highlight der neuen Konsole gilt, ist die Dringlichkeit hier also sicher gegeben. Und da Teil 1 und Teil 2 in Deutschland beide wegen Gewaltverherrlichung bundesweit beschlagnahmt wurden und Teil 3 den Vorgängern sehr ähnelt, sind die Indizierung sowie eine mögliche spätere Beschlagnahme durchaus wahrscheinlich. Normalerweise müsste der Titel nach der Blitzindizierung jetzt innerhalb von einem Monat das normale Indizierungs-Verfahren durchlaufen, aber wie in diesen immer noch sehr selten angewandten Fällen üblich, wurde die Frist um 1 Monat verlängert. Das muss dem Kunden alles nicht gefallen, stellt aber die Gesetzeslage in Deutschland dar, an die sich auch die BPjM halten muss.“
Das kommt mir so vor wie wenn im Abschluss zu Berichten über NSA-Spionage auf deutschen Privatrechnern in hiesigen Zeitungen jedes Mal dazugesagt worden wäre, dass in den USA halt ein anderer Zugang zum Datenschutz besteht als in Europa, und deren Geheimdienste jedes Mal doch gute Gründe gehabt hätten usw. usf. Wobei die Behörde übrigens (auch) Teil eines Staatsapparats ist.

Also das sind nichts als angeblich begründende Rechtfertigungen. Was soll daran auch Nachricht sein? Dass ich mich nach der Meinung des Autors zu richten hätte – zynisch gefragt?
Da wird zunächst schonmal eine Dringlichkeit der Jugendgefährdung nachvollzogen, bevor nahe gelegt wird dass das dritte Spiel halt auch so wie die anderen beiden Vorgänger behandelt werden würde, wenn schon nicht sollte.
Das sind alles keine Sachverhaltsdarstellungen, sondern Werturteile: denn theoretisch könnte bei der BPjM ja auch ganz anders reagiert werden. Und zwar jedes Mal. In Schweden ist so eine Figur wie die besagte Frau Monssen-Engberding sogar einmal zurückgetreten. In Deutschland sagt diese, dass sie für „Empörung immer Verständnis“ hätte. Und genau das ist der springende Punkt: ich empöre mich gerade über die Tatsache, dass ein Film wie „Frauen für Zellenblock 9“ von Jess Franco vom Index gestrichen wurde, wo Vaginas malträtiert werden bis literweise Blut zum Vorschein kommt, das heißt von den Obersten Landesjugendbehörden als Verwaltungsakt nicht einmal für „einfach jugendgefährdend“ gehalten wird, sondern gerade noch „jugendbeeinträchtigend“, aber ein Film von Eli Roth strafrechtlich verfolgt. Ein Film in dem von derlei sadistischer, sexualisierter Gewalt nicht einmal im Ansatz auch nur irgendetwas zu sehen oder hören ist, das nach US-Mainstream-Maßstäben wohl auch gar nicht möglich wäre.
Und da stimmt für mich halt etwas ganz gewaltig nicht – also bei Leuten wie Frau Monssen-Engberding, wobei diese für meine „Empörung“ über sie persönlich demnach auch „Verständnis“ aufbringen wird. Ich finde es einfach nur grausam was da in Gremien so vor sich geht -‚

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