VGX-Nachlese

Viacom scheint das Geld ausgegangen zu sein. Anstatt repräsentativer Showveranstaltung à la MTV-Awards oder Oscarverleihungen mit Sam Jackson, wie in den vergangenen zehn Jahren, wurde Moderator und Produzent Geoff Keighley lediglich einer dieser zweitklassigen US-Komiker mit anfangs ständigen, naturgemäß völlig deplatzierten Witzen über Erwachsenenwindeln oder später unliebsamen Gewaltdarstellungen als Nervensäge zur Seite gestellt. Showtechnisch ergänzt wurde die dreistündig in die Länge gezogene Sendung nur durch ein kleines, künstlich-inszeniert wirkendes GTA-Konzert.
So werden Videospiele auch im Spartenfernsehen jedenfalls kaum angemessen präsentiert, wobei die an E3-Berichterstattungen erinnernden Couchinterviews ja eigentlich ganz interessant gewesen wären – hätte der Komiker nicht ständig dazwischengefunkt. Obwohl es in vielen Fällen um Produktionen ging die noch in den Kinderschuhen (sprich Pre-Production) stecken.
Anders als mit „Skyrim“ 2010 oder 2011 „The Last of Us“ war auch in diesem Jahr wieder kein gänzlich neuer AAA-Titel dabei – nicht einmal eine zumindest große Überraschung. Eine erhoffte Neuankündigung von Nintendo blieb trotz eines Auftrittes von Reggie Fils-Aime sogar gänzlich aus. Mehr erfüllte Hoffnungen als sie die „Metroid“-Anstecknadel auf dessen Anzug hergaben, gab es nicht: gezeigt wurden lediglich zwei neue Levels des „Donkey Kong“ für die Wii U.
Und so lag es an einem Projekt der „Joe Danger“-Macher aus Guildford, die Veranstaltung doch noch einigermaßen zu retten. Deren kleines Team scheint dort nämlich David Braben’s längst überfällige Arbeit zu erledigen und hat – zwanzig Jahre später – doch tatsächlich ein inoffizielles Sequel zum prozeduralen Videospielklassiker „Frontier“ (PC-Version unten) angekündigt. Neben dem nichtkommerziellen „Dwarf Fortress“ zweifellos immer noch der bemerkenswerteste Titel diesbezüglich, wenn auch videospielhistorisch heftig umstritten und anders als damals ein „Privateer“ industriell kaum ein Erfolg: auf weniger als einem Megabyte offenbarte sich darin 1993 ein schier endloses Universum samt vollständig bereisbarer Planeten die am PC sogar texturierte Gebäude hatten. Auch technisch scheint das neue Spiel weit über einem „Minecraft“ zu stehen: „No Man’s Sky“ ist jedenfalls ein Titel den man sich merken sollte – in meinen Augen schon jetzt wesentlich vielversprechender als gewisse Kickstarter-Projekte von Namensvettern deutscher Schlagersänger.
Mehr Gewissheit herrscht seit dem gestrigen Abend leider auch in der Frage, ob Telltale mittlerweile kaum mehr wirklich als Indiestudio gelten kann – gingen sie doch nicht nur eine Kooperation mit HBO und damit nach „The Wolf Among Us“ (DC Vertigo) ein zweites Mal dem Time-Warner-Konzern ein, sondern ebenfalls mit Gearbox Software. Und da darf sich schon gefragt werden ob lizenznehmende Adventure-Serien zu „Borderlands“ UND „Game of Thrones“ nicht bereits zuviel des Guten sind –
Ansonsten war eigentlich nur noch die „Definitive Edition“ von „Tomb Raider“ nennenswert, die jetzt schon im Jänner für PS4 und XBO kommen soll sowie unverhohlen die Haartechnik von der PC-Version auf Konsolen bringt. Anders als dort scheint diese in dem Fall auch zu funktionieren und bei Frau Croft keine absurden Strähnchen mehr zu bilden. Die Haare wirkten im Trailer sogar richtig durchnässt. Ein Grund mehr sich dem auch nur angeblich asexuellen Titel ein weiteres Mal zu widmen – zumal sie sogar in die Schönheitschirurgie geschickt wurde und ein völlig neues Gesicht (!) spendiert bekommen hat. Das Spiel strahlt damit eine ganz andere Aura aus.

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