Neuer Kommentar zu Bilder, Körper und Sprache in Deutschland

Im VDVC-Forum zu einer Urteilsbegründung bei angeblicher Kinder-Werbung: ‚Dass vom BGH deutschtümelnd dabei auch auf Anglizismen verwiesen wird, finde ich ebenfalls wieder typisch: so als ob vornehmlich Kinder diese verwenden würden…
Wenn ich eine Aufforderung gleich in einer anderen Sprache verfasse, soll ich dann vor dem Gericht etwa argumentieren, dass das Angebot gar nicht für Augen oder Ohren aus dem Zuständigkeitsbereich des Hofes bestimmt war?
Und wie schon bei „Medal of Honor“ (2010) http://vdvc.de/forum/viewtopic.php?f=79&t=1933 finde ich die Reaktion des Verbandes mit seiner Vertretung äußerst befremdlich. Wieso wird auch da nicht gesagt worum es eigentlich geht, nämlich wieso ein Du-Wort als sprachliches Unterscheidungsmerkmal dermaßen negativ gegen ein Angebot vorgebracht wird – es geht doch darum, dass eine andere Wortwahl nicht diese gerichtlichen Ergebnisse liefern würde – so wie divergente Gewaltdarstellungen und weniger zynisch-desillusionierte Charaktere in anderen Kriegsspielen als „Medal of Honor“ (2010) auch weniger problematisch waren und dort teilweise sogar zu Jugendfreigaben geführt haben (aus der Zeit etwa 2009 die mechanische und mit einiger Begründung so dehumanisierte, also über ihre Mechanik entmenschlichte Sprache in „Operation Flashpoint – Dragon Rising“). In jedem Fall die Gründe weshalb da geklagt wurde: würde ein Sie verwendet werden und sind die Formulierungen formal gehalten, sprachklassisch-neutraler, würde für ein Angebot kein Nachteil entwachsen und Firmen damit machen können was sie wollen.
Oder darf aus irgendwelchen Gründen nicht so „argumentiert“ werden, dass dies scheinbar keiner tut?
Gab es da noch andere Merkmale welche auf (eine – dort bereits etablierte – Gruppe von Kindern) als Zielpersonen hindeutet. Etwa Cross-Marketing bei (anderen) Produkten?‘

Sowie zu eben diesem Urteil gegen Emotionen in „Medal of Honor“. Siehe die BPJM (PDF): ‚Kein Wunder: einerseits soll es „zur Reflektion des kriegerischen Konflikts in Afghanistan“ anhalten und dann wird Lothar Mikos (?) http://www.mikos-media.de/losite/lm/frameblau.htm mit einem Gutachten beauftragt und bringt das Ergebnis, dass darin Gewaltdarstellungen „als genretypisch überzogen und als nicht realitätsnahe Ästhetik“ bezeichnet werden. Der Widerspruch in sich.
Noch dazu referiert der EA-Gutachter natürlich auch Ergebnisse aus der Medienwirkungsforschung und „geht selbst davon aus, dass es bestimmte Risikogruppen gebe, bei denen sich Mediengewalt auf das reale Aggressionsverhalten auswirkten (S. 18).“ Zu allem Überfluss heißt es noch wie folgt: „darüber hinaus von der Klägerin vorgelegten Studien verhalten sich zur Verlässlichkeit einer bestimmten Studie zur Messung der Aggressionssteigerung bzw. gehen selbst davon aus, dass es jedenfalls eine geringe – und das heißt im vorliegenden Zusammenhang des Jugendschutzes eine nicht zu vernachläs- sigende – Wahrscheinlichkeit für Verhaltensänderungen durch gewalthaltige Computerspiele gebe.“ Das haben sie also davon –
Da warte ich dreieinhalb Jahre auf das Ergebnis dieser Klage und jetzt das 😦 ‚

Nachtrag auf „Stigma Videospiele“: ‚Auf gegenständlicher Ebene liegen aus meiner Sicht die größten Probleme darin diesen (Gegenstand) überhaupt zu erfassen. Aktuelles Beispiel „Medal of Honor“ beim VG Köln (…)
Der Text liest sich so, als ob da geklagt wurde weil überhaupt ein Videospiel indiziert worden ist. Alles läuft darin (auch) auf eine Grundsatzdebatte hinaus, ob und wie Spiele negativ wirken, welche schließlich tendenziell zumindest eher positiv beantwortet wird – für das Gericht jedenfalls schon ausreichend.
Aber darum ging es bei „Medal of Honor“ doch gar nicht, sondern vielmehr um die Frage weshalb ausgerechnet dieses eine Spiel indiziert wurde, aber ein anderes aus demselben Genre das vielleicht in einer ähnlichen Zeit und einem vergleichbarem Setting angesiedelt ist unter Umständen sogar eine Jugendfreigabe erhalten hat, denn die Bandbreite der Folgen einer Einschätzung von Videospielen reicht in Deutschland ja so weit. Also da wird eine Diskriminierung offenbar doch gefühlt, aber diese nicht (ausreichend) artikuliert. Weil sonst gäbe es so einen eigenen Fall „Medal of Honor“ ja gar nicht – ist ja auch nicht der erste indizierte Titel gewesen.
Ich frage mich schon wie falsch da argumentiert wurde, wenn dennoch allgemeine Ergebnisse aus der Wirkungsforschung referiert werden, wobei erfahrungsgemäß oft stereotypische „Gewaltspiele“ herangezogen wurden um diese wenn dann gegen ebenso vermeintlich „harmlose“ wie „Die Sims“ zu vergleichen. Doch für oder gegen den (deutschen) Markt eingestuft wurden alle Spiele entweder schon vorher oder werden das sonst halt womöglich irgendwann auch erst später, und gerade die BPJM ließ zuletzt ja sogar noch einige ältere Shooter vorläufig streichen, wobei es dann zu keinen Klagen kommt weil so ja alle (außer die welche radikal gegen viele Gewaltdarstellungen sind) zufrieden sind.
Also unter dem euphemistischen Deckmantel einer Differenzierung werden dabei systematisch Unterscheidungen vorgenommen, deren Grundlage oft genug reine Willkür zu sein scheint oder ein überaus einseitiges ästhetisches Empfinden, das dann so Zuschreibungen vornimmt wie andere Menschen indirekt als „verroht“ zu bezeichnen etc. Die Zeit als etwa sämtliche Ego-Shooter erstmal indiziert wurden liegt ja schon zwanzig Jahre zurück, das heißt schon zu Erfurt-Zeiten war es etwa so dass blutleere Titel wie „Battlefield 1942“ dann später Jugendfreigaben bekamen, also Titel in denen Spielziele auch ohne Tötungen erreicht werden konnten. Und abgesehen von „Killerspiel“-Totalverboten wurden die etwa auch nicht weiter diskutiert als es vorher (im Mai 2002) etwa darum ging CS (nicht) zu indizieren.
In etwa Amerika ist das wohl anders, weil dort fast alle inkriminierten Spiele als Industrienorm mittlerweile das M-Rating der ESRB tragen, das heißt auch als Vereinheitlichung. Aber für den Diskurs in Deutschland halte ich diesen Umstand unterschiedlicher Behandlungen für enorm wichtig – jedenfalls für nicht zu unterschätzen.‘

Advertisements

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter Alltäglichkeiten, Alternative Lebensweisen, Arbeitswelt und Realismen, BärInnendienste, Chauvis, Deutschland, Freiheiten, In eigener Sache, Kapitalistische Verschärfungen, Wirtschaft und Kulturelles abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s