Neuer Kommentar mit Repliken zum „South Park“-Rückzug von Ubisoft

Kommentar bei IDG: ‚Der Grund für den Rückzieher ist aus meiner Sicht jener, dass Ubisoft demnach bereits den Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) eine „falsche“ Version vorgelegt haben muss. Im Grunde genommen musste das schon 2009 bei „Wolfenstein“ so gewesen sein, als Activision nachträglich die „deutsche Version“ aus den Regalen wieder entfernen ließ. Es gibt jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass es da jemals eine andere, „korrekte“ deutsche Version gab.
Und in diesem Fall kam es wieder zu einer positiven Prüfung die es eigentlich nicht hätte geben dürfen. Eine andere Logik sehe ich darin jedenfalls nicht.
Normalerweise müsste die USK den positiven Eintrag aus ihrer Datenbank deshalb schon wieder entfernt haben und Ubisoft eigentlich auch erneut eine Prüfung beantragen – was lange dauern kann und wohl nicht einmal mehr unbedingt mit dem aktuellen Releasemonat „März“, das auf Steam auch für die deutsche Version noch immer angegeben wird, vereinbar sein muss. Es geht schließlich um nichts weniger als das lupenreine Ansehen der USK, um die Stellung der USK im Land nicht zu gefährden.‘

Repliken beim Standard: ‚Es braucht in Österreich überhaupt keine Gesetzesänderung, da diese Auslegung hier aus meiner Sicht jeglicher reeler Grundlage entbehrt. Selbst in Deutschland bräuchte es keine Änderung, würd die Praxis der Bundesprüfstelle aufhören ein solches Spiel
potentiell für strafrechtlich relevant und jugendgefährdend zu erklären. Jenes Urteil des OLG Frankfurt ist einfach veraltet und in Österreich wurde bei keinem Abzeichenverbot noch zwischen einzelnen Medien dermaßen unterschieden – da ist mir nichts bekannt, der Frankfurter Anlass „Wolfenstein 3D“ hier etwa auch überall digital erhältlich.
Eine explizite Rede über Videospiele gibt es im Übrigen sowieso weder in deutschen noch afaik österreichischen Texten. Die Rechtsberatung des Konzerns sollte sich da ehrlich eher auf das Steam-DRM und USK-Discs auch im PEGI-Retail beziehen.
Hab mir nach Bekanntwerdung des Rückziehers letzte Nacht extra eine Lizenz für die zensierte Version zugelegt und es ist schon interessant wie Steam diese App verwaltet…
(…)
Hab mir das jetzt genauer angesehen und ich gehe davon aus, dass auch die unzensierte Version mit geblockt werden würde. Dann müsste schon immer mit der Zusatzanwendung gearbeitet werden. Ganz einfach weil man auf Steam mit einem Konto immer nur eine App von einem Spiel „besitzen“ kann. Andere Versionen immer nur über die Spracheinstellungen laufen.
Zunächst hieß es ebenfalls, es wäre zu einer Verwechslung im Presswerk gekommen. Das kann nach dem Steam-Rückzieher de facto aber auch nicht mehr der Fall sein: am Ende stellt sich deshalb die Frage, wie schon bei „Wolfenstein“ 2009, welche deutsche Version die USK da eigentlich geprüft hat und als Verwaltungsakt der OLJB durchgewunken. Wobei in hiesigen Boxen deutsche Discs drin sein dürften –
(…)
Früher glaubten sie das auch weniger – angefangen hat Activsion damit: nur ist es wohl ökonomischer – billiger in Deutschland und Österreich dieselbe Version zu vertreiben, ob virtuell oder auf Discs. Und selbst im deutschen Steam soll ein Titel wie „A Stroke of Fate“ unproblematisch sein, wenn er als „Indie“ dort ungeprüft unbehelligt bleibt. Siehe auch Titel wie „Outlast“, das anlässlich seines PS4-Releases erst sehr spät ein USK-Kennzeichen erhalten hat. Und die USK ist im Besitz der Industrie, wobei Spiele mit Hakenkreuzen dort noch immer abgelehnt werden und am Ende auch im österreichischen Retail landen. Sogar in vielen Imports aus GB befinden sich in Deutschland geprüfte Scheiben: Ubisoft schlammte da demnach schon bei der Prüfung –‚

Update: wie jemand im Community-Forum schreibt, ist von der Steam-Verschiebung anscheinend auch die Schweiz betroffen.

Update 6. März – weitere Replik beim Standard: ‚Es gab hier ja erst vor kurzem einen Artikel namens wie „Hitler in Videospiele kommt“ – mit einem Juristen – nur befürchte ich war der nicht
wesentlich kompetenter. Im Übrigen glaube ich kennt Ubisoft unser Abzeichengesetz gar nicht. Die glauben wohl ernsthaft sie müssten schwärzen um nicht unter „Wiederbetätigung“ zu fallen – ähnlich wie in Deutschland der Unterschied zwischen §86 (Propagandamittel) und §86a (Kennzeichen) oft auch nicht geläufig ist.
Denn die Spiele fallen auch in Deutschland nicht unter §130 oder §86, sondern §86a, was tatsächlich einen Riesenunterschied ausmacht. Und selbst dort gäbe es, ähnlich wie hierzulande, eine Ausnahmeregelung für Kunst, Bildung, Wissenschaft
etc. Wobei Videospiele (über den Kulturrat, Förderungen usw.) sogar irgendwie als „Kulturgut“ anerkannt sind, anders als in Österreich (hier gibts mehr oder weniger nur die pädagogische BuPP) —‚
6. März #2 – einen zusammenfassenden Kommentar zur Rechtslage in Deutschland liefert Vicarocha im Forum von 4players.de: und dieser schließt mit wer „sitzt da eigentlich in deren Rechtsabteilungen?“ Einer Frage der ich mich immer wieder bloß anschließen kann…

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