Mehr zu Pavel Bardin’s „Russia 88“

Bereits vor über zwei Jahren schrieb ich schonmal was zu Einschätzungen den Film „Russia 88“ betreffend – einer Mockumentary aus dem Jahr 2009, die Aufzeichnungen russischer Neonazis fiktiv nachstellt und dadurch deren trostloses Weltbild dokumentiert – gefolgt von einer Liste der Opfer neofaschistischen Terrors in ihrem Land. Eigentlich ein Mahnmal zur (russischen) Gegenwart wie es treffender nicht sein könnte, obwohl die Umsetzung vielleicht nicht sonderlich kreativ war.
Selbst auf SB.com gibt es dazu ausnahmsweise einmal eine sehr kritische Einleitung, auch wenn sich an der manipulierten Sprache in der FSK-Version nicht gestört wird – welche es ironischer Weise irgendwie sogar schafft mehr Nationalsozialismus als im Original zu integrieren. Dafür ist auch die einzige Kritik zum Film auf der OFDb, von dreamlandnoize anhand der gekürzten und sprachlich veränderten deutschen Fassung, gerade dazu durchaus lesenswert – auch wenn sie wiederum mit dem Zugang des Films, also den Blick der Leute nicht mit einem eigenen zu überstellen, offenbar keineswegs einverstanden ist. Die „Kritik“ ergibt sich her eben nicht über einen Zusatz, sondern aus sich selbst heraus.
Entscheidend bleibt die Intention dahinter, nicht das was zu sehen ist, wobei der Film in den letzten Monaten noch eben zusätzlich an Aktualität gewann: genau so wie es Russland nicht beliebt hat, wenn die Faschisten in ihrem eigenen Land dargestellt wurden, so wurde im Westen die Position ideologisch zumindest annähernd ähnlicher, wenn auch wesentlich besser organisierter Kräfte, relativiert. Eine bloß einseitige Manipulation vorgestellt: mag sein, dass die Motive einer demokratischen Politik in der Ukraine gegen den Einfluss Russlands weit überwiegend hehr sind und dies auch immer schon waren, das heißt selbst wenn sie letztlich in einer schokoladefarbenen Oligarchie münden sollten, dieses immer noch nicht eindeutig als Fälschung überführte Tonband gibt jedoch auch Zeugnis davon ab, wie wenig unbefangen eine vermeintlich zentristische Politik davon sein kann, wenn sich ethnische Kategorien erst einmal durchgesetzt haben.

Ich werde übrigens in Hinkunft die Seite „Deutsche Wirtschaftsnachrichten“ teilweise unterstützen, denn ideologische Bedenken erscheinen mir diesbezüglich nicht überzeugend genug zu sein. Auch kann ich keine eindeutig europa- und industriefeindliche oder gar „rechte“, „verschwörungstheoretische“ Tendenz dabei feststellen.
Journalistisch reißerische Headlines mit populärwissenschaftlichen Inhalten sind zwar als populistisch zu verurteilen, finden sich aber auch auf etablierten Online-Medien jenseits des angestammten Boulevards zwecks Click-Baiting leider zuhauf – zumal dann, wenn es erfahrungsgemäß um entsprechende ethisch-moralische Zementierungen geht. Und es ist zwar bedauerlich, dass die Seite angeblich zum Kopp-Verlag verlinkt – wie die Journalistin Barbara Mürdter behauptet – nur habe ich diesen Link bislang bezeichnender Weise dort auch nicht gefunden… Im Gegenteil dafür heute etwa den mit einem YouTube-Video über den Umgang des Siemens-Konzernchefs im ZDF illustrierten Artikel, der dort auf Biegen und Brechen scheinbar verunglimpft werden sollte – was auf mich bestenfalls hilflos wirkte. Löblich finde ich ebenfalls die erfrischende Rubriken-Einteilung.
Der negative Text über die deutschsprachige Wikipedia ist zudem der einzige welcher sich auch mit meinen Erfahrungen diesbezüglich deckt. Schließlich findet sich dort ebenfalls (siehe oben) die detaillierteste Darstellung zum Timoschenko-Tonband, welche in deutscher Sprache bislang gelesen habe.

Über pyri

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