Gedanken anlässlich von Sabine Schiffer über Games im ZDF

Twitter. Im VDVC-Forum: ‚Schiffer+Medienpädagogik ist tatsächlich nicht unproblematisch. Und dass sie sich heute selbst als solche bezeichnet auch.
Medienpädagogik deutet grundsätzlich auf eine Spezialisierung im Bereich der Pädagogik hin, wobei es um eine Arbeit MIT Medien geht, etwa bei Kinder- und Jugendlichen – vor allem den Neuen Medien wie eben Computerspielen. Wie können diese einem didaktischen System dienlich sein, wie unterstützend oder zentral als Ersatz oder Alternative zu traditionellen Texten etc. eingesetzt, sinnvoll verwendet werden. Also bei allem wo es um Bildung und Information(svermittlung) geht – im weiteren Sinne auch sozial um Unterhaltung oder Sport, Exergaming usw.
Es kann aber eben auch um eine Arbeit ÜBER Medien und Erwachsenenpädagogik gehen. Dafür gibt es eigene Zirkeln denen sich Schiffer jedoch eigentlich beständig verschlossen, entzogen hat. Im Grunde politisch nur dagegen arbeitete – antikapitalistisch gegen den angeblichen Einfluss von unliebsamen Industrien darauf agitierte.

Ich erinnere mich noch als sie beim Blog wo Michael Wagner früher, im Spätsommer 2012 von Krems ausgeschieden, vor etwa fünf Jahren sogar gegen die Medienpädagogik als Begriff regelrecht gehetzt hat, da sie sie als gekauft, manipulativ, kontraproduktiv zu (den von ihr) erwünschten Vorhaben eingeschätzt hat. Gegen die Medienpädagogik aufzutreten war meinem Eindruck nach sogar mal fester Bestandteil ihres Programms und dagegen zu wettern oft ihr einziger Gegenstand…
Ich hatte früher immer den Eindruck, dass die Schiffer aus der Medienpädagogik vor allem belächelt wird. Sie hat jedoch prominente Unterstützer wie Wolfgang Benz für sich gewonnen und so in den letzten Jahren deutlich an Aufwind dazu, obwohl sie über ihr Institut auch ein Publikum bedient das ideologisch sehr einseitig ist und wo alle Andersdenkenden verurteilt zusammengefasst werden http://jungle-world.com/artikel/2012/17/45347.html Als Kriegstreiber, Kapitalisten oder halt Gewaltverherrlicher. Es gibt bei ihr auch eine zweifelhafte Beziehung zur Geschichte des Antisemitismus als Begriff, den sie auf einen oberflächlichen „Rassismus“ reduzierte und dessen spezifische Genese sie damit praktisch vollständig ignoriert hat. Sie brauchte diesen Begriff allerdings um ihn auf ihr Hauptanliegen in dem Fall zu beziehen, nämlich dass die heute grassierende Angst vor dem Islam auch nichts anderes sei als (vor allem früher, also historisch bezogen) die beim Judentum. Leider haben ihr da viel zu wenige nur widersprochen.
Also wenn das mit ihr in Deutschland jetzt so weiter geht, wird die Politik sich womöglich noch bemühen sie auch in die DCP-Jury zu bringen. Platz wäre da jetzt ja: http://www.deutscher-computerspielpreis.de/11.0.html
Und dass das ZDF dieser Wissenschafterin den Showman Siegismund entgegen stellt, ist an sich schon bedenklich genug, da ihren Thesen so fundiert kaum direkt widersprochen werden kann und allein über die Profession eine vorurteilsbeladene Schieflage entsteht: ich glaube ja, dass gegen „Vorurteile“ oder für „Verantwortung“ einzutreten, wie es bei ihr zentral ist, damit vor allem in ihr Gegenteil verkehrt, weil es immer nur um Beschönigungen von Welt und „das Gute“ in allem und jedem das persönlich gefällt gehen soll, während überaus einseitige Interpretationen gegenüber allem ausgestoßen werden das anders ist. Also prinzipiell die Fremdenfeindlichkeit in Person. Sowie einen zentralen Antimodernismus und ein mindestens ebenso vormodernes Körperbild betreffend. Wobei ich vor allem was ihren Utilitarismus angeht, der ähnlich ausgeprägt wie bei einem Christian Pfeiffer ist, es doch andere in der Gamesforschung gäbe, welche ich als ihre Gesprächspartner sehen würde, wie einen Christian Huberts – das wäre angemessen, aber daran ist das ZDF natürlich nicht interessiert.
Denn das ZDF inszeniert Games so ja vor allem weiter als etwas indem performativ positiv vor allem UnterhalterInnen präsent wären, aber dem gegenüber eine „kritische“ Wissenschaft, bis auf ein paar Ausnahmen wie „Papers Please“, nur negativ eingestellt ist. Sie wollen sich der vermeintlichen „Jugend“ anbieten, aber gleichzeitig diese nach Möglichkeit auch bekehren, zurechtweisen, von ihrem gemeinten Weg in ein (selbst verschuldetes) Verderben abbringen – gewissermaßen „die Augen öffnen“, das allein verstehen sie jedenfalls weiterhin unter „Kritik“.‘

Bei IDG gab es nämlich eine Absage an den Deutschen Computerspielpreis – inklusive Stellungnahme auf YouTube, wobei schonmal deutlich werden kann wie kompliziert die Modalitäten dort grundsätzlich sind. Erwähnt wird etwa überhaupt nicht, dass jegliche Preisvergabe an eine USK-Prüfung gebunden ist, zumindest dann wenn es sich um ein für die breite Masse auf Trägermedien erhältliches Spiel handelt.
Auch fällt auf, wer das heutige Video sponsert – wo Ende 2012 doch zumindest noch ansatzweise auch „Kritik“ dort vorhanden war 1, 2, 3: ‚Ihr verschweigt allerdings, dass überhaupt eine positive USK-Prüfung stattgefunden haben muss, während ich etwa beim Äquivalent Lola keine FSK-Kenntnis vorausgesetzt finde, keine Absegnung durch die OLJB die Voraussetzung ist für einen deutschen Film, um ausgezeichnet oder dort überhaupt erst gesehen zu werden. Und auch bei den Games erscheint es mir noch immer so zu sein, dass das die Lesung kommerziell vorhandener Spiele allein betrifft. Also keine Existenz von Studierendenprojekten in Konzeptphasen. Und so geht es letztlich auch nur vordergründig um die schlussendlich verfolgten Gewaltdarstellungen, aber eigentlich um eine Abgrenzung zum Kommerz, sowie die Aussonderung desselben. Doch gerade das ist doch schonmal die eigentliche Schieflage, zusammen mit der Normierung „kulturell und pädagogisch“ wertvoll zu sein. Und das betrifft wiederum etwa auch die von der breiten Öffentlichkeit getrennten Titel aus dem Bildungsbereich, Serious Games. Für Euch mag das alles ein Tarantino-Film auch nicht sein, aber es gibt nunmal nicht nur eine Ästhetik, sondern ebenfalls eine Antiästhetik, wobei über die (gerade auch historische) Verantwortung dieser deutschen Politik diesbezüglich erst gar nicht gesprochen wird. Im Gegenteil: Ihr pardoniert sogar noch die Frau Bär, welche sich zwar aufgeschlossen geben mag, am Ende aber doch in scheinbar jedem Fall sich einem antimodernistischen Kadergehorsam unterwirft. Und auch der Vergleich zur Filmförderung hinkt, denn ein „Antichrist“ wird erst gar nicht als deutscher Film wahrgenommen. Und ein unangepasster Film bekommt beim hiesigen Kultur(un)verständnis auch keine Förderung. Das haben Beispiele wie Mira Gittner, Roland Rebers WTP, in Deutschland, die unpopuläre Boll KG, oder Peter Kern in Österreich gezeigt. Nein, das Ziel ist relativ eindeutig und das zeigt gerade auch der „deutsche Film“ im Vergleich zum etwa französischen, dass nämlich gar niemand mehr auf die Idee kommen soll in Deutschland ein Spiel zu entwickeln, dass an diese Kriterien nicht angepasst wäre.‘ Mehr auf Stigma Videospiele – Nachtrag: für Musik- und Bildungsprogramme gibt es im deutschen Jugendschutz immer die Möglichkeit einer (rechtlichen) Ausnahmeregelung als gesonderte Information jugendfrei zu gelten.

Ergänzende Repliken: ‚Frau Schiffer sieht eben (wesentlich) mehr Spiele als „gewaltverherrlichend“ an als sie in Deutschland verfolgt oder beschlagnahmt werden. Und das ist ihr gutes Recht. Mit ihren jeweiligen Körperumgängen können schließlich auch die LEGO-Spiele so angesehen werden, nicht bloß etwa Kriegsspiele die von Frau Schiffer natürlich meistens als Prokriegsspiele interpretiert werden. Und formal reicht beim Gewaltdarstellungsverbot auch nicht „Gewaltverherrlichung“ allein, sondern muss dabei zusätzlich noch eine gewisse „Menschenwürde“ auch verletzt worden sein. Nur was soll wiederum das sein? Ein Beispiel aus der praktischen Ethik: manche Menschen empfinden vielleicht schon den bloßen Gedanken an einen Nacktbadestrand gehen zu sollen als Verletzung ihrer Würde. Andere sind hingegen ganz begeistert vom Nudismus. Ähnlich verhält es sich mit Schmerzen beim Sex usw. Denn „Gewaltverherrlichung“ ist negativ auch nichts anders als positiv „Schönheit“, jedenfalls kein objektiver Begriff. Und das Strafrecht sollte mit seinen Tatbeständen mitten in Europa dem Umstand endlich auch mal Rechnung tragen und Andersdenkende diesbezüglich gleichstellen – zumindest nicht länger diskriminieren. Ich finde ja, dass sie moralische Gewalt verherrlicht – selbst wenn ich „Verherrlichungen“ als zutiefst patriarchal sprachlich ablehne – aber das ist halt auch nur meine Meinung.
(…)
Niemand hat mehr „recht“ als ein anderer Mensch, wenn es um Werturteile geht. Ich kann etwas das von einer Person so betitelt wird auch gänzlich anders sehen, etwa abwechselnd als „komisch“, „kritisch“, „erhellend“ oder „nachdenklich“ bezeichnen. Nur weil eine Mehrheit nicht versteht dass etwa die Farbe Grau nicht unbedingt hässlich ist, hat sie deshalb keineswegs „in einer gewissen Weise schon recht“. Das einzige was vielleicht (noch zusätzlich) hilft ist diese Meinung auch zu begründen. Wobei ich gerade da die Probleme sehe, denn Frau Schiffer sieht Gewalt und interpretiert sie zusammen mit einer bestimmten, angenommenen Herkunft, Logik und Kraft, Energie, immer gleich (schlecht, als affirmativ gemeint usw.). Und das einzige was bei ihr zu zählen scheint sind depressive Titel wie „Papers Please“ -‚

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