„Wolfenstein – The New Order“: offenbar Sendungszensur auf Xbox LIVE (Update)

Wie von mir bereits befürchtet, hat ein Vergleich zwischen den österreichischen und amerikanischen Xbox One-Shopseiten von „Wolfenstein“ und „Madden“ meinerseits ergeben, dass die „Upload“-App der Konsole in Österreich und den USA zu „Wolfenstein“ gänzlich andere Spielclips präsentiert. Microsoft, das mit „Upload“ teilweise sowieso schon unerträgliche Marketingkonzepte verfolgt und den User Generated Content mit eigens produzierten Videos stört, kann die Herkunft von Clips demnach auch sehr gut steuern.
Anders sieht es jedoch anscheinend bei Drittangeboten aus, denn die seit Einführung dort ebenfalls üblichen Twitch-Übertragungen werden am Marktplatz gleich gar nicht angezeigt – was das erste Mal bei Xbox-One-Releases im Retail ist, selbst LEGO-Spiele werden zum Release von irgendjemandem ständig gebroadcastet – und „Wolfenstein“ dürfte demnach bereits auf IP-Ebene blockiert werden, hier habe ich aber noch keine Bestätigung von jemandem mit nicht-deutscher oder nicht-österreichischer IP-Adresse über die Xbox One erhalten.
Ein Blick in die Twitch-App der Xbox One selbst verrät allerdings, dass es dort Dutzende unzensierte Übertragungen schon gibt. Auf „Live from PlayStation“ bei Sony (mit jeweiligen Twitch- und Ustream-Anbindungen) habe ich ebenfalls keinerlei einschränkende Maßnahmen entdeckt, wobei sich die bessere Situation auf der PlayStation 4 wohl dadurch erklären lässt, dass Sony die Streams versteckt und nicht etwa prominent in seinem Shop platziert. Ähnlich wie Microsoft reagierte übrigens bereits Nintendo auf unliebsame sexuelle Inhalte in „Senran Kagura Burst“.

Das eigentliche Spiel wurde nach der heutigen Aufhebung des außerordentlich gut (ein)gehaltenen Embargos derweil erfreulich positiv aufgenommen. Nur die üblichen Ressentiment-beladenen Verdächtigen, wie Jim Sterling, Eurogamer oder 4players in Deutschland, scherten dabei etwas aus.
IGN versucht sich auch in seiner Rezension (What if?) dem Nationalsozialismus inhaltlich anzunähern, verweist auf unerwartete Bezüge im Spiel – wie etwa den Behinderten- und Krankenmord. Ähnlich betont Polygon die „Menschlichkeit“ des Spiels, sowie die in der Alternate History der Fiktion direkte Relevanz des Germanofaschismus für die eigene US-amerikanische Geschichte, etwa Jim Crow.
Allgemein ist wohl eine Abkehr von den Okkultismus-Themen vorangeganger „Wolfenstein“-Titel hervorzuheben, erstaunt die Charakterentwicklung von Blazkowicz als Intellektuellen, sowie der Versuch ernste Ansprachen mit traditionellen Überzeichnungen zu verbinden und damit eine neue Form der Erinnerungskultur zu schaffen. Leider durch die Bank negativ aufgenommen werden technische Eigenheiten der von mir schon in „Rage“ sehr geschätzten Id Tech 5. Kaum gewürdigt wird zum Beispiel, dass es diesem „Wolfenstein“ als einen der ersten Third-Party-Titel gelingt, auf der Xbox One annähernd gleich gut auszusehen wie auf der PlayStation 4: bereits „Rage“ beeindruckte auf der 360 Seth Schiesel.

Update: Twitch-Streamings sind im österreichischen Shop mittlerweile verfügbar. Auch Clips aus der englischen Sprachfassung sind jetzt in „Upload“ zu sehen, der Nationalsozialismus wird also angesprochen – verfassungsfeindliche Symbole sind mir seltsamer Weise dennoch weiterhin, anders als in den USA, keine aufgefallen. 21. Mai… Kommentar bei der Rezension vom Standard: ‚Es gibt wenigstens einen Verlass: über GTA
oder Wolfenstein wird hier nie übergebührlich hergezogen werden – warum auch immer. Die Rezension geht zwar deutlich in dieselbe Richtung wie die Verrisse von Sterling, Eurogamer und 4players, ist aber sehr moderat gehalten.
Nur dass auch dieses Wolfenstein eine „Satire“ wäre glaube ich nicht, vielmehr scheint es in dasselbe Dilemma zu geraten das jede gute Exploitation auszeichnet, von „Casablanca“ bis „Salon Kitty“:
zwischen romantischem Melodram und bitterer Schaulust befindet sich ein Abgrund, den es erstmal zu überwinden gelte –
Und auch an Christoph Waltz denke ich bei Frau Engel nicht, sondern vielmehr an Sophie von Essenbeck. In „Return to Castle“ gab es mit Helga von Bulow/Braun im Übrigen eine ähnliche Figur, nur nicht glamourös –‚

Replik: ‚Es gibt in Deutschland gar keine eigene „Wiederbetätigung“ und das österreichische
Gesetz ist dabei auch nicht das Problem. Die ideologischen Verbote sind in Deutschland einerseits dort zusammengefasst was bei uns Verhetzung (allein) heißt, sowie andererseits in der deutschen Abzeichengesetzgebung („Kennzeichen“ in Deutschland).
Im Übrigen ist auch die Schweiz davon betroffen, sowie werden der japanische und israelische Markt entsprechend eingeschränkt. „Für“ Israel hat sich Ubisoft scheinbar sogar geweigert die für Europa, den Nahen Osten und Afrika „angepassten“ Konsolenversionen von „South Park – The Stick of Truth“ zu veröffentlichen – in meinen Augen grenzte das schon an indirektem Antisemitismus. Und auch hierzulande wird so vor allem das stereotype Bild bedient, dass das Nazithema nicht angesprochen werden dürfte -‚
Jason Wilson über das „South Park“-Spiel – am PSN wurden am 5. März zusätzlich zu arabischen Ländern auch noch fünf weitere europäische Staaten genannt, nämlich Bulgarien, Kroatien, Luxemburg, Slowenien und die Ukraine. Die Gründe blieben – wie leider so oft – weitgehend im Unklaren, ein Update zur Verfügbarkeit erfolgte in dem Monat jedenfalls lediglich für Deutschland und Österreich, nach Veröffentlichung der euphemistisch weiter „angepassten“ deutschsprachigen Version am 26. März 2014.

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