Ethische Probe zur Moral im Elfenbeinturm. Neuer Kommentar zu möglicherweise ehrlicherer Subversivität in „Watch Dogs“

Versuch bei Videogametourism: ‚Was übernimmt denn „Watch Dogs“ schon von GTA? Dass keine Kinder darin enthalten sind und der Generator diese etwa nicht „profilen“ geht?
Kinder gab es schon in „Assassin’s Creed“ nicht. Und ich bin sehr froh, dass „Watch Dogs“ sich nicht wie GTA als „Satire“ ausgibt.
Aber davon wollt Ihr wohl nichts hören, weil es Eure „Kritik“ untergräbt. Denn im Grunde geht es dieser „Kritik“ daran doch nur um die Aufrechterhaltung ihres sozialen Normdenkens, der Idee „normaler“ Menschen und ihrer Verhalten, Interessen, ob von „Männern“ oder „Frauen“, dass dann damit ein Geschlechterdualismus und eine entsprechende Bestimmung über Sexualitäten, Körperbilder oder Hautfarben, sowie deren Wahrnehmung und im etwas entfernteren Sinne auch „ordentliche“ Beziehungen zu Religion, Wohlstand etc. weiterhin aufrecht erhalten werden können.
Doch vermeintlich politische Messages auf einfach vorgestellte Slogans zu reduzieren ist medial schließlich bereits seit der „didaktischen“ Überheblichkeit eines Godard bekannt. Nur dort unter dem elitistischen Vorwand nicht an Geld oder Macht interessiert zu sein, sondern angeblich hehre Ziele zu verfolgen. Mir ist es jedenfalls lieber Ubisoft kommerzialisiert diesen eingebildeten „Protest“ ohne dabei ideologisch einseitig zu werden, als dass Publikationen wie die taz das Verbrechen der euphemistisch „Kulturrevolution“ auf das jüngste „Thief“ projizieren – während ich es schon schlimm genug finde, gerade am heutigen Jahrestag, wie sich andere Videospielkonzerne dem chinesischen Markt anbiedern.
Und dass Ubisoft statt auf Humor wie GTA vielfach auf ein anderes Element aus der Tradition offensiver Exploitation eines Themas zurückgegriffen hat, nämlich die Kolportage, ist dabei für mich erstmal nur eine Möglichkeit von vielen Alternativen gewesen, eine Option die sie in dem Fall halt bloß genutzt haben. Denn letztlich mangelt es hier nicht nur an „Verständnis“ für solch unliebsame Inhalte, sondern vor allem an einer Bereitschaft dieses Andere nicht auszugrenzen sondern anerkennen zu wollen.
Weil Ihr im Rahmen von TäterInnen-Opfer-Umkehrungen diesbezüglich verallgemeinernd vorgebt, dass alle die Eurer einseitigen „Kritik“ an Inhalten nicht zustimmen gleich sämtliche „Kritik“ an Videospielen samt und sonders als solche verhindern würden. Wobei es sowieso immer nur eine Handvoll der gleichen Leute zu sein scheinen, welche hier schreiben und es sich diesbezüglich gemütlich gemacht haben. Aber dass Ihr aus Eurem Elfenbeinturm heraustretet, das wird wohl nie passieren -‚ Nachlese vom Mai

Ergänzung: ‚Erschreckend finde ich als autonom Sprechender vor allem, wie die patriarchale Logik dieser Vorwürfe, noch dazu unter dem Diktat eines femininen Verhüllungsgebots, nicht einmal ansatzweise aufzufallen scheint, obwohl absurder Weise noch beteuert wird damit nicht verallgemeinern zu wollen, oder gegen Stereotype über Videospiele und ihr „männliches“ Publikum aufzutreten. Wie mit diesen sexnegativen Vorwürfen gerade das christliche Patriarchat und dessen Sexualmoral ökonomis(tis)ch dennoch ständig reproduziert, wiederholt und verlängert wird. Und ich möchte deshalb, als Behinderter, Feminist und andersdenkender Katholik, auch schon gar nicht mehr auf ein Geschlecht oder eine Sexualität samt dahingehender Körpernormen reduziert werden. Denn wer reduziert denn Menschen, deren Körper, hier dahingehend noch dazu immer einseitig auf eine Konstruktion von „Mann“ als Gender-Bild bezogen? Oder weshalb wird nicht über die Funktionalität oder Gesundheit, Attraktivität von diesen konstruierten „Männern“ gesprochen? Wird eine Person zumindest ansatzweise als „männlich“ wahrgenommen, scheint sie schon nichts mehr zu betreffen das hier dementsprechend „kritisiert“ werden würde. Doch welches Interesse von Nicht-„Männern“ soll damit eigentlich verfolgt werden? Mit diesem Wohlfühlen vom „Mann“ als „Problem“. Wobei es um Männer inhaltlich eigentlich gar nicht geht, denn was diese in Videospielen so unter sich veranstalten bleibt weitgehend völlig unberücksichtigt – sondern immer nur um ein Zusammenspiel, ein Verhältnis zu Frauen in der Darstellung. Und welche diesbezüglich Bestimmung über eine Sexualität von „Frauen“ spielt da noch eine Rolle? Oder ist es scheinbar egal wie „Männer“ als solche weiter transportiert werden. Eben ganz im Sinne des Patriarchats so, dass diese schon selber wissen müssten wie sie sich zu (re)präsentieren hätten, weil sie auch als Produzenten der Bilder wahrgenommen und verstanden werden. Genau diese Stellung von ihnen eben nicht befragt wird – wie selbstverständlich hingenommen wird. Denn darum, dass etwa mehr Frauen in der Videospielindustrie den Ton angeben sollen, als Produzentinnen und nicht bloß als patriarchale Arbeitssklavinnen in irgendwelchen Art-Departments, davon höre ich in diesen viktimisierenden Zusammenhängen immer so gut wie gar nichts. Man(n) stelle sich vor, dort auf der Toilette, wären zwei „Männer“ zugange gewesen. Das fände ich interessant – doch „Männer“ werden vielleicht in einem Publikum sexistisch beschimpft, auf ein Interesse an „Nutten, Bier und Burger“ abgestellt, weil es sonst sowieso klar erscheint dass gerade so ein großes Spiel nicht darüber hinaus gehen wird – ansonsten aber ist es egal, Hauptsache die Darstellung von Frauen sei „realistisch“, nicht „sexualisiert“ oder gleich „normal“. Nicht das reaktionäre Familienbild des gewalttätigen Rächers wird inhaltlich „kritisiert“. Einer der persönliche Motive in einem kriminellen Milieu perfider Weise politisch als „gerecht“ verpackt, nein, sondern eine Marketingszene und Körperbilder werden geschlechtsspezifisch einseitig verurteilt – was auch immer das alles mit Prostitution, Alkohol und fettem Essen heißen soll. Oder wer nimmt hier den inszenierten Sexualakt aus einer Veranstaltung heraus und stellt diesen als exemplarisch hin? In Verbindung mit sozialen Normen wie „Frau/Freundin/Schwester“?‘

Replik: ‚Dafür dass sich bei mir keiner auskennen würde, ist das Urteil über mich aber immer schön klar. Negativ und harsch: doch wenn ich vorgebe etwas nicht zu verstehen, merke ich das vielleicht an, aber ich äußere mich daraufhin nicht dermaßen abwertend darüber. Und reagiere nicht ständig mit einer solchen Aggressivität. Denn anders ist es wohl nicht mehr zu nennen, außer unendlich aggressiv, wie mir hier begegnet wird. Verachtung für meine Sprache, meine Positionen, meine nicht vorhandenen Inhalte, letztlich mein Denken, meine eigenen Emotionen gegen Eure Verkürzungen, Vereinfachungen, Verallgemeinerungen usw. „Pseudointellektualität“ und „Geschwurbel“. Dann wird mir noch mein Doktortitel vorgeworfen, obwohl ich von dem kein Wort schrieb. Ich würde mich trotz der Urkunden an meinen Wänden als Philosoph bloß „verkannt“ gerieren, weil Ihr „Philosoph“ anscheinend auch nur als Auszeichnung verwendet. Kleiner Tipp: das bräuchte ich eigentlich nicht, würdet Ihr mich nicht ständig ausgrenzen und Urteile über mich bilden, es endlich einmal ertragen dass es auch noch andere gibt. Ich würde mich gegen jede „Kritik“ am Mainstream wehren, heißt es etwa, noch, dabei habe ich allein letztes Jahr sehr viel gegen etwa „Tomb Raider“ und „The Last of Us“ geschrieben. Nur vielleicht, weil ich diese Linie gegen mediale Exploitation und für Zurückhaltung in Darstellungen nunmal kaum teile, nicht in Eurem Sinne. Das einzige was darüber hinaus stimmt ist, dass ich keine negativen Gefühle gegen militärische Inhalte teile. Und ich glaube im Übrigen nicht, dass es dumme Menschen wirklich gibt. Wobei genau das es wohl ist, das uns letzten Endes unterscheidet – ich möchte nicht dermaßen über andere urteilen wie Ihr es tut, egal ob Kreative oder Marketing-Leute, „Männer“ oder „Frauen“, obwohl eben gleichzeitig angeblich gar kein Verständnis für mich vorliegt. Das einzige was ich sehe bleibt, dass Ihr mir überhaupt keine Chance geben wollt – Gedankenstrich.‘

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