Kommentar zum USK-Jubliäum

Bei „Aufbruch in eine neue Welt“: ‚Mich hätte aus gegebenem Anlass vor allem interessiert, wie der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens USK nach all den Jahren eigentlich aussieht. Aber scheinbar passt der nicht so gut zur allgemeinen Vorstellung von „Jugendschutz“, weshalb der lieber in kein aufmerksames Zentrum gerückt wird.
Die Position von Zimmermann ist zwar erfreulich, doch soweit ich weiß hat sich der BIU dem Kulturrat nie angenähert, oder annähern dürfen: der BIU gilt in Deutschland mittlerweile klar als „Publisherverband“, während GAME der „Entwicklerverband“ wäre. Auch hier zeigt sich wieder das überaus enseitige, Adornosche Kulturverständnis in Deutschland, wonach kulturell kreativ vor allem jene wären die authentisch sind. Und in erster Linie kommerziell orientierte Verlage können da, wie man an der harmonisierenden Kompetenzverlagerung doppeldeutig sieht, sogar schon eher mit dem Bau von (jedenfalls Daten-)Autobahnen was zu tun haben (man verzeihe mir das Modewort aus den Neunzigern, ich bin schon so alt).
Alles Ergebnisse einer Situation, in der sich zwar eine „Selbstkontrolle“ gehalten wird, diese sich aber dennoch nicht selbst regulieren darf. Facebook ein gutes Beispiel: man kann viel schlechtes über die Datenkrake sagen, aber seine zentrale Führung erlaubt nicht viele Möglichkeiten für Zensur in einzelnen Staaten. Entweder ein Staat, wie China oder die Türkei, erlauben es, aber sonst blocken sie es gleich komplett oder sperren es halt zeitweise. Da gibt es nicht viele lukrative Möglichkeiten dennoch in einen potentiellen Markt vorzudringen, anders als mit Videospielkonsolen.
Also sollen die Kennzeichnungen deshalb überhaupt freiwillig bleiben/werden? Und falls nicht, wie sollen Restriktionen (tagsüber) aussehen. Werden nicht-kommerzielle Angebote ebenfalls verpflichtet, wie im modifizierten Spielebereich etwa angefangen bei Total Conversions. Wie isoliert muss eine Videospielveröffentlichung dazu etwa sein, und welche Interessen braucht sie zu verfolgen? Kann da für Privatpersonen eine Einschränkung vielleicht mal vom Tisch, damit sich diese wirklich nicht mehr vor einer endgültigen Neufassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages fürchten brauchen? Wenn schon die Kosten für USK-Prüfungen, auch stichprobenartig, nicht thematisiert werden.
Vieles was in anderen Medienbereichen relativ einfach ist, ist bei Videospielen – vor allem im offenen PC-Bereich – eindeutig nicht der Fall. Konzerne wie Microsoft, Sony oder Nintendo sind mit ihren jeweils fest angepassten Marktplätzen da schlechte Beispiele.
Sicher ist Facebook etwa in Asien sowieso nicht populär, dennoch halte ich einen spezifisch deutschen Jugendschutz darauf für nur ziemlich schwer vorstellbar. Aber gerade deshalb werden ja wohl auch internationale Initiativen angestrebt, unter deutscher Hegemonie – wenn schon nicht Schirmherrschaft. Weitgehend unklar bleibt für mich dennoch die Situation um (doch weiterhin angedachte) Sendezeiten von Telemedien. Gibt es in den aktuellen Überlegungen überhaupt eine Alternative zu diesem Konzept?
Morgen beginnt etwa auch die 20. E3. Noch kann über diese aus Los Angeles selbst tagsüber mehr oder weniger ungehindert nach Deutschland berichtet werden, also zumindest solange kein Spiel mit Hakenkreuzen vorgestellt wird. Ich würde mir wenigstens ein Signal wünschen, dass das auch in Hinkunft so bleiben darf -‚

Ergänzung vom 12. Juni. Klarstellung: ‚(…)
Das Problem ist nicht, dass die USK “Zensur” ausübt, sondern dass die USK insofern mit Zensur zu tun hat, dass sie davon mehr oder weniger, mutmaßlich massiv, profitiert. Und Deutschland gehört so mit ihr zu jenen Staaten, die Videospielzensur begünstigen sowie zumindest indirekt fördern.
Allerdings betrifft das im Verhältnis auch andere, solche an die dabei für gewöhnlich überhaupt nicht gedacht wird, wie vor allem die USA. Die Videospielindustrie wird zumindest im AAA-Bereich international von Grenzen bestimmt, zum Teil auch einer ästhetischen Norm, wie sie die ESRB beschlossen hat, erlaubt usw. Sogar die allermeiste Videospielzensur wird dabei von den USA ausgehen, da etwa ein M-Rating für den dortigen Markt vielfach eine Notwendigkeit darstellt – eine zwar mehr ökonomische als politische Notwendigkeit, aber auch eine die Gesellschaft(en) durchdringt. Da dort etwa durch die Bank (freiwillig) beschlossen wurde, dass sie diese Ratings einfordern. Also ganz ohne staatliche Gewalt -‚
Nachtrag: ‚(…)
So einen Fall hätte es ja eigentlich beim “Wolfenstein” von vor fünf Jahren auch gegeben. Eigentlich hätten die OLJB ihr Kennzeichen damals müssen zurückziehen. Doch es kam nichts, keine Stellungnahme, überhaupt nichts.
Die Industrie hat eigenmächtig gehandelt und die Spiele, bei denen wahrscheinlich – so eindeutig erklärt wurde das eigentlich ja auch nie – ein Hakenkreuz übersehen wurde, einfach aus den Regalen genommen. Also das ergibt diese schwierige Optik, dass die USK (und mit ihr die OLJB) keine Fehler macht (machen).
Jetzt gibt es schon über zehn Jahre diese verbindlichen Kennzeichnungen und es gab scheinbar noch keinen einzigen Fehler. Da stimmt doch irgendetwas ganz gewaltig nicht. So fehlerlos kann doch niemand, nicht einmal die USK, sein -‚

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