Neuer Kommentar zu Repräsentation und (angeblichen) Sexismen

Diesmal wieder bei IDG: ‚Es ist mittlerweile wohl eine Tatsache, dass wenn in einem zumindest größeren Videospiel es einen mutmaßlich heterosexuellen, „weißen Mann“ als (alleinig möglichen) Protagonisten in irgendeiner Form gibt (vor allem im Singleplayer), und diesem „Mann“ dann noch dazu eine „Waffe“ (die auch als solche identifiziert wird) in die Hand gedrückt wird, es dann bereits einen „Aufschrei“ gibt.
Also Fußballer betrifft das etwa weit weniger als „Krieger“ wie Link, Soldaten, Polizisten oder sogar Kriminelle wie Assassinen, das heißt auch „Frauen“ sollen Kriminelle sein dürfen.
Eine kollektive soziale Empörung. Eine Entrüstung auf Basis der kollektivistischen Ideologie um „Videospiele für alle“.
Oft begleitet von schlichter sexueller Denunziation. Oder den Diffamierungen eines Pazifismus.
Und die Branche hatte dazu praktisch in keinem Fall noch auch nur irgendeine (eigene) Stimme: sie reagiert praktisch immer nur. Sie passt sich an, oder gelobt halt – wie in den Fällen von Ubisoft – sich irgendwann anzupassen, das ja eigentlich schon berücksichtigen hätte zu wollen etc. Sie benimmt sich als kulturell normativ eingeschüchtert, als einer diesbezüglichen Lawine der Vorwürfe lediglich ausweichen wollend. Rechtfertigend, beschwichtigend, relativierend – auf diese Hypokrisie von Körper-, Gender- und Sexnormen lediglich mit einer eigenen Heuchelei begegnend.
Denn als jemand der, als Behinderter auch da, eindeutig nicht „dazu“ gehört sehe ich diese „Kritik“ selbst als zunehmend negativ und eigenbedrohlich an, da auch sie (die Forderung) in erster Linie halt stillschweigend all jene ausgrenzt die nicht dazugehören, dem nicht zustimmen, sich nicht festlegen (wollen), nicht dabei sind, nicht inkludiert, nicht entsprechend als „normal“ oder „gesund“ und „funktional“ (mit) repräsentiert werden wollen. Und das ist eine Bekenntnislogik welche eigentlich ganz und gar nicht postmodern ist, sondern weit eher Fortschreibungen der Moderne wiedergibt. Klare Regeln und Trennungen. Fähigkeiten und einseitige Besetzungen. Praktisch keine Widersprüche zulässt, aber sich selbst als (alleinige) „Kritik“ versteht.
Also das ist nicht nur ganz und gar nicht postmodern, sondern sogar auch weit eher anti-postmodern. Sie, die Forderung, kommt mit der Freiheit nicht klar. Sie wollen wieder (mehr) Einschränkungen haben, haben ein massives Problem damit diese in den letzten Jahrzehnten neu gewonnene Freiheit zu verantworten. Und zwar in sämtlichen populären Medien, Ausdrucksformen, sogar der Politik eines Umgangs im Alltag.
Die Forderung ist im Grunde genommen die Reaktion in Person und sie wird befördert von diesem neuen Biedermeier, das jetzt eintritt. Man wird in Zukunft auch wieder mehr den Jugendschutz am Plan haben: diejenigen, welche sich heute noch über vorgeblich misogyne Bilder und Einschränkungen beschweren, werden morgen womöglich als „Familienväter“ und „Mütter“ auftreten, welche dieselben Vorwürfe für ihre Kinder, ihre nachkommende Generation, tätigen werden. Sie gerieren sich zwar selber (auch) noch als Videospieler, aber sie wollen ihre bürgerlichen Normen anderen aufoktroyieren. Mit der Vorgabe ihrem Nachwuchs vor Unerwünschtem zu bewahren. Nicht zwanghaft, weil sie dafür auch gar keine rechtlichen Grundlagen haben werden, aber ideell. Also die Christian Pfeifers und Manfred Spitzers der Zukunft werden keine Nicht-Spieler mehr sein, sondern sich aus den vermeintlich eigenen Reihen rekrutieren. Sie werden jung sein, auch die provozierend einfache Sprache der Jugend sprechen, und ihre negativen Gefühle gegen einen Großteil dieses unliebsamen Games-Outputs werden grenzenlos artikuliert werden. Mit Figuren wie Carsten Görig beim Spiegel, oder dem adeligen Herrn Glaßer und zumindest teilweise Sabine Schiffer, ist das allein in Deutschland heute schon abzusehen. Und sie werden die Statistik auf ihrer Seite haben, weil die Empirie auch jetzt schon von diesen Verallgemeinerungen lebt: da interessiert etwa nicht wer welche Videospiele spielt, sondern Hauptsache dass jemand irgendwas spielt. Und sei es nur auf Facebook.
Manchmal wird zwar dazugesagt, dass auch keine allzu befähigten Körper (allein) gehabt werden wollen, aber meistens geht es im Gegenteil doch eher darum, dass immer mehr Körper immer fähiger werden sollen. Die Forderung gibt vor dies unter Anzeichen von Egalität und Diversität zu tun, aber eigentlich tut sie das glatte Gegenteil davon, weil sie damit sowieso bloß „unter sich“ bleibt. Sie, die Forderung, will eigentlich gar nichts anderes und nennt diese Ausgrenzung dann vielleicht noch „Anerkennung“ – obwohl es ihr um Anerkennung von anderem ja so eigentlich gar nicht gehen kann. Sondern es geht ihr nur darum dass sie selbst anerkannt wird, sowie alles andere nach Möglichkeit „geächtet“, verachtet wird usw.
Weil es halt auch immer nur, stillschweigend, GEGEN bestimmte Bilder geht: Bilder die unliebsame „Männer“ betreffen, aber zum Beispiel auch „Frauen“ mit großem Oberkörper oder breiten Hüften – weil diese wiederum nicht deren Normvorgaben einer (realistischen) „Frau“ entsprechen. Mich wundert ja schon weshalb es keine Skandalisierungen angesichts der Darstellungen von Peach und Daisy in den hautengen Anzügen von „Mario Kart 8“ gab…‘

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