Neue Höchstleistung in Sachen Gründlichkeit

Paradebeispiel auf sieben Seiten: sogar in Gemälde wurde gegangen, „Nazigold“ neu zugepflastert. Erstmals fanden für „The New Order“ auch Assets aus „Wolfenstein 3D“ eine „deutsche“ Entsprechung – selbst das Bildnis Adolf Hitlers wurde, Mann mag es kaum für möglich halten, feminisiert (Seite 2).
Ergänzender Kommentar im VDVC-Forum: ‚(…)
Und auf der deutschen Verpackung, die dort als einziger Teil der Veröffentlichungen anscheinend nicht betrachtet wurde, steht auch nicht „100% Uncut“ oder so ähnlich drauf, sondern ein Zitat aus „GameStar 03/2014“ das da lautet: „Gewalt ist in der deutschen Version nicht geschnitten.“ Zumindest in der vorbestellten Xbox One-Version welche mir Amazon.de lieferte ist in meiner Erinnerung auch kein anderslautender Sticker drauf gewesen.
Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass diese deutschen „Wolfenstein“-Spiele prinzipiell andere Spiele sind, also vom Inhalt her – so wie wenn Nintendo ihr „Nintendogs“ in einem Land verkaufen wollte in dem Hunde als Haustiere nicht erlaubt wären und diese stattdessen durch diverse Meerschweinchenarten penibel ersetzt worden wären, solange sie den Titel ändern.
Denn der Aufwand war gerade in dem Teil offensichtlich gigantisch. Allein technisch muss dafür wohl von Anfang an mit Grafikabteilungen kooperiert worden sein, teilweise habe ich sogar den Eindruck dass für vieles schon in der Produktion zwei Assets hergestellt worden sein müssten. Von nachträglicher Zensur kann da so schonmal kaum mehr die Rede sein –
Und auch der Titel wurde hier gewissermaßen geändert, also zumindest die Betitelungen: denn, anders als etwa die GameStar behauptete – was ich auch zu kritisieren versuchte http://vdvc.de/forum/viewtopic.php?f=79&t=1958&start=50 – steht auf der deutschen Verpackung schonmal nicht nur der Satz „WIR SCHREIBEN DAS JAHR 1960: DAS REGIME HAT DEN KRIEG GEWONNEN.“ Wo ich als Historiker schonmal nicht nur Frage „welches Regime“, sondern auch „welcher Krieg“. Nein, des Weiteren steht dort: „B.J. BLAZKOWICZ MUSS DAS UNMÖGLICHE WAGEN UND ZUM GEGENSCHLAG GEGEN DAS FASCHISTISCHE REGIME AUSHOLEN, DAS DIE WELT UNTERWORFEN HAT.“ Also das Regime wird eindeutig mit dem Attribut „faschistisch“ belegt, selbst wenn das im Spiel selber – so genau hab ich den Schnittbericht jetzt noch nicht verglichen oder bin in die deutsche Version vorgedrungen – nicht mehr passiert.
Doch vom Nationalsozialismus (oder dessen Verbrechen) ist eben bereits auf der Verpackung keineswegs die Rede. Und das deutsche Wolfenstein stellt demnach eine Fiktion dar, in der es scheinbar keinen Nationalsozialismus je gab. Der Schnittbericht zeigt, dass das sogar soweit geht, dass etwa das Wort „Vaterland“, wahrscheinlich wegen dem gleichnamigen Roman MIT eindeutigem Nazibezug, rauszensiert wurde. In dem ersten Brief den ich bislang im Spiel fand, steht etwa auch nur ein sehr verlallgemeinerter Bezug zum Wort „Volk“ – die völkische Ideologie wurde ansonsten anscheinend vollständig entfernt.
Das Problem ist vielmehr, dass schon seit den Achtzigern – mit Übersetzungen von Boris Schneider-Johne bei „Indiana Jones“ etc. – hier wirkte ja auch wieder der nicht ganz unbekannte Roland Austinat mit – so getan wird, als würden lediglich „Hakenkreuze“ entfernt werden. Nur das ist eben nicht wahr.
Nein, in Einzelfällen mag das richtig gewesen sein, aber im Grunde geht es um viel mehr: bis hin zu in dem Fall eben Umbenennungen von Konzentrationslagern oder der glatten Entfernung industrieller Vernichtung, wobei ich eher fragen würde, ob nicht diese zensierte Fiktion strafrechtlich relevant wäre, zumindest hier in Österreich, wenn sie eine politisch eindeutige Implikation aufweist – zumal dann, wenn davon ausgegangen wird, dass jenes Frankfurter Urteil auf welchem diese ganzen Vorgänge passieren, doch irgendwas mit „Jugendschutz“ zu tun haben sollte. Eine Frage bleibt nämlich: was soll der Nachwelt mit diesem zensierten Spiel über die deutsche Vergangenheit, auch als Alternate History, eigentlich beigebracht werden?‘

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