Repliken zu „Wolfenstein“ und (Nicht-)Zensurvorgaben

Wieder im VDVC-Forum: ‚Es wurden doch nur eher selten Symbole allein zensiert. Meistens war es doch eher so, dass wenn etwa in Strategiespiele sowieso schon keine verfassungsfeindlichen Kennzeichen integriert wurden, auch nichts zensiert werden brauchte.
Und in „The Saboteur“ feierte etwa ständig ein gewisser „Kanzler“ Geburtstag, aus „Call of Duty 2“ wurde Unmengen an Propagandamaterial entfernt. Hier ist jetzt andauernd vom „Staatsoberhaupt“ die Rede, ohne dass das je konkretisiert werden würde.
Da stellt sich dann immer die Frage ob das wegen §86 oder §86a geschah. Soweit ich informiert bin wurde immer nur §86a als strafrechtlich relevant moniert, auch Frankfurt bezieht sich schließlich nur auf Kennzeichen, aber ein Adolf Hitler ist auch eine historische Person und jedenfalls nicht nur ein (verfassungsfeindliches) „Kennzeichen“ im Sinne des deutschen Rechts. Einzig eine Rede vom „Führer“ könnte begrifflich schon soweit instrumentalisiert worden sein, dass sie als Propagandamittel anerkannt ist, aber das wäre mir auch neu.
Aus historischer Sicht ist es überhaupt naiv zu glauben, dass man Geschichte auf eine Symbolik, Namen, typische Bezeichnungen und Orte, reduzieren könnte. Das macht ja diese interessante Form der unbeabsichtigten Geschichtsklitterung, diese Entideologisierung und Reideologisierung (im Hintergrund spielt ja wohl auch noch immer diese erfundene okkulte Sekte namens „Wölfe“ eine gewisse Rolle) bemerkenswert.
(…)
Und „Borderlands 2“ ist eher der Fall wie bei unzähligen Strategiespielen, wo es von Haus aus auch keine Hakenkreuze gab, nur halt hier bei „Gewalt“. Gearbox hat da schon früh, laut Pitchford, mit der USK (wohl ohne sie je namentlich genannt zu haben, aber jeder weiß wer die Industrie in Deutschland repräsentiert) zusammengearbeitet und eine „Lösung“ gefunden. Doch das Spiel ist demnach überall „unzensiert“ erschienen.
Es ist ganz einfach unsinnig so zu tun, als ob die entfernte industrielle Vernichtung nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt hätte – sondern etwa „Gewalt“ (was auch immer das sein soll) allein gewesen wäre, wenn der bekannte (und anscheinend ja auch akzeptierte – ganz wichtig) Gegenstand der Zensur die Entfernung desselben (Nationalsozialismus) ist.
(…) ich kann mir vorstellen, dass diese Verallgemeinerung ein Vorzug der zensierten Versionen ist, ja, welche dann diesbezüglich ein Mahnmal darstellen, während sie im Original doch sehr explizit auf den Nationalsozialismus (allein) zu sprechen kommen.
Nur wenn sie den historischen „Faschismus“ meinen, würde in diesem „Wolfenstein“ alles eher italienisch als deutsch sein. Doch die Germanophilie, die ganze Deutschtümelei, ist auch in der zensierten Version unverkennbar.
Weshalb sie eher eine landläufig-oberflächliche Definition von alles und jedem meinen werden, in der zensierten Version, weil sie über den Nationalsozialismus nicht reden dürfen und so tun (vielleicht nicht müssen, aber immerhin) als wäre der vielleicht eben nur eine „typische“ Form von Faschismus, auf den ansonsten aber alles mögliche hindeuten kann. Doch das ist ja gerade das problematische bis verharmlosende daran, denn Ernst Nolte war es schließlich, der vom Faschismus als „epochaler“ Bewegung gesprochen hat, wobei ich kaum glaube dass sie den meinen wollten – der im Übrigen mittlerweile (hoffentlich) endgültig diskreditiert ist.
(…)
Normalerweise gibt es ja auch diese Werbesprüche, nur in dem Fall fällt es schon auf dass da kein solcher Spruch dort steht, sondern ausweichend auf das Zitat einer Zeitschrift Bezug genommen wird. So wie eine Feuilleton-Zeile samt Werturteil.
Du bist der Experte in Sachen Meinungsäußerung und Wahrheitsgehalt von Informationen, aber mit einem solchen Zitat ist wohl auch keine eigene Behauptung über die Beschaffenheit von Inhalten im Spiel verbunden, sondern es wird – erst per Zitat – doch nur die Meinung eines anderen darüber wiedergegeben, welche keineswegs den Tatsachen entsprechen braucht, demnach auch nicht eingefordert werden kann.
Und das obwohl die GameStar ja absurder Weise nur vom Publisher überhaupt die handfeste Information erhalten haben kann, dass etwas keine Gewaltzensur aufweisen würde. Dennoch bezieht sich eben dieser Publisher in seiner Werbung nicht auf sich selbst, sondern weist das Zitat allein der Zeitschrift zu. So kann immer behauptet werden „wir haben ja nichts gesagt“, sondern die GameStar hat geschrieben dass…‘

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