Kommentar zu Christian Huberts in der Süddeutschen

Im VDVC-Forum: ‚Ich finde es überaus schade, dass ein so toller Titel wie „Cart Life“, der mit seinem Steam-Relase zumindest ein breites Publikum schon erreichen könnte, in einem einzigen Absatz (versteckt auf Seite 3 http://www.sueddeutsche.de/digital/armut-in-computerspielen-medium-der-power-kapitalisten-1.2014188-3 ) abgehandelt wird, aber für ein wie gewöhnlich von eben diesem Massenmarkt praktisch vollständig segregiertes „Serious Game“, das Browserspiel einer lokalen Hilfsorganisation in den USA, fast über eine ganze Seite aufgewendet wird (!).
Letztlich geht es also auch dort nur um ein „geistig“ prekäres, beleidigendes Narrativ: seht her wie fern von „Realität“ die Mehrzahl dieser (kommerziellen) Computerspiele sind, wie ideologisch einzellig diese wären, wenn schon nicht gleich der altbekannte „Egoismus“-Vorwurf bemüht wird, und wie wenig sie ein Kollektiv, am besten ja meistens gleich „alle“, repräsentieren.
„Für“ welche moralisch widerwärtigen, „degenerierten“ Kapitalisten***weine sie stattdessen scheinbar geschaffen wurden. Angeblich.
Der ganze übliche, menschenverachtende Kulturpessimismus welcher das Medium seit jeher begleitet, kommt in dem Artikel mal wieder überdeutlich zum Vorschein. Denn nur solche Artikel sind in derlei Zeitungen offenbar inhaltlich unterzubringen.
Und nur jene AutorInnen, die derlei ideologiekritisch einseitige Einstellungen zumindest ansatzweise stets teilen, dürfen dort offenbar auch schreiben. Denn über das Verhältnis von Politik und Fantasie wird letztlich (wieder) nicht weiter nachgedacht: gefragt wird etwa nicht was arme Menschen für ein paar Euro welche sie sich vielleicht für ein Spiel erübrigt hätten, spielen wollen, sondern die Armut selbst soll (bitte – nach Möglichkeit) dargestellt werden, repräsentiert und letztlich als dekorative Schaustellerei übrig bleiben. Als eine Thematisierung die betroffen machen würde. Und alleinige Form einer eingebildeten, überheblichen Vorstellung von „Kritik“. Der Rest Antiintellektualismus.
Nur die vielleicht dennoch, das heißt trotz allem oder gerade deswegen, gegenüber diesen „angeprangerten“, vielleicht eben lediglich zu „tolerierenden“ (direktes Zitat) Spielinhalten affinen Betroffenen selbst, werden mal wieder außen vor gelassen. Klar, werden es ja auch schonmal kaum sie sein, welche überhaupt je Gelegenheit bekommen in so einer Zeitung über Computerspiele zu schreiben. Und dann vielleicht halt gerade über jene Titel die sie spielen wollen, welche nichts mit Armut zu tun hätten oder sogar Fantasien über Reichtum sind.‘ Genau so wird nämlich ein immer gleich bleiben sollender Diskurs über Computerspiele nur verstärkt. Über diese voreingenommene Idee einer lediglich nobliert unausgesprochenen Ethik-Konzeption.

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