Neuer Kommentar zur ideellen Dimension des Stigmas „Videospiele“

Replik: ‚Aus diskursanalytischer Sicht kann ich mich ShadowXX naturgemäß bloß anschließen: es geht darum was Habermas „erkenntnisleitende Interessen“ genannt hat.
Üblicherweise werden diese zwar eher antikommerziell einer Industrie, oder etwa Branche wie bei diesen Computerspielen, untergeschoben, aber auch hier handelt es sich offenbar um ein kleines Unternehmen in Erlangen, das sich politisch profilieren möchte. So wie das KFN ebenfalls außeruniversitär erstmal finanziert werden will.
Da gibt es keinen Rückhalt nicht: Spenden, Stiftungsbefeuerungen etc. müssen erstmal (gesellschaftlich und öffentlich plausibel) reinkommen, und insofern sind die Verhältnisse auch nicht viel anders wie in der im „Kölner Aufruf“ dereinst als „wirtschaftsnah“ opponierten (wenn schon nicht angefeindeten) Fachhochschule Köln. Die Frage der „Kritik“ müsste daher vielmehr lauten, weshalb sich jemand medial so präsentiert der von sich selbst darüber spricht (ansonsten) für „Medienverantwortung“ auf- und einzutreten. Als politisches Schlagwort, ökonomisch, wissenschaftlich oder sonst was.

Und wieso wird hier Inhalten dann oft genug sehr „kritisch“ gegenüber gestanden, ich denke da etwa an „Anno“ und Co., aber (solchen) Leuten scheinbar naiv vertraut? Es wird überall gern über „Fakten“, Sachverhalte oder eine vermeintliche Rechtslage gesprochen. Aber wenn man es schon genau nehmen möchte, nur ein Beispiel: wieso wird überhaupt der Darstellung von Schiffer anscheinend geglaubt, dass es bei dem Faschismusvorwurf um das historische Italien ginge?
Der Faschismusvorwurf von Weiß bezog sich ursprünglich auf „Call of Duty – Modern Warfare“* anhand einer Untersuchung an Schulkindern. Das ist ganz klar, eindeutig und belegbar.
Und darin kommen klassische Faschisten überhaupt nicht vor, weder deutsche noch italienische oder sonst für welche. Weiß wird damit vielmehr die Gewaltdarstellung gemeint haben. Also überhaupt keinen Revisionismus, sondern eher schon eine unliebsame, internationale Sicherheitspolitik in der Gegenwart.
Die Probleme beginnen demnach bereits mit den Begriffen und deren Verständnis, weil die Gründe für eine Wortwahl nicht befragt werden, sondern immer nur nach irgendwelchen vielleicht „objektiven“ Kriterien (dafür) gesucht wird: doch nein – das ist genau so wie bei „Gewalt“ in fiktionalen Medien sonst auch oft gleich eine ethische Kategorie wie „Mord“ bemüht wird. Scheinbar plakative Spiele sollen darüber noch besser veranschaulicht werden (können), aber eigentlich geht es politisch darum sie nach Möglichkeit noch schlechter, noch mehr runter, zu machen. So wie dereinst bei der Publikumsdefintion von „Nazis und Familienvätern“. Nichts anderem.
Und der Grund dafür liegt ideologiekritisch wiederum im selbigen Hintergrund der Sprechenden. Im Rahmen einer Bezeichnung, Signifikation (den ursprünglich von Derrida, in der Nachfolge von Saussure, angesprochenen Verhältnissen zwischen den Wörtern, ihren Bedeutungen usw.): für „Frieden“, gegen „Rassismus“, Rüstung, Militär, Soldaten (zumindest solche die ihren Beruf weiter emotional stolz und kräftig ausüben möchten) aufzutreten, usw. usf.
Und Schiffer ist dort, in dieser ideologischen Situation, seit jeher das Feindbild einer islamophoben Rechten in Deutschland, hat selbst aber nachweislich so auch ihre Probleme mit Andersdenkenden – von traditionellen Konservativen über libertär Liberale bis hin zu undogmatische(re)n Linken. Wenn es um immanenten Antiimperialismus, mit teilweise selbst völkischen Anleihen, geht: siehe auch eine Linie welche im Diskurs von Rudolf Weiß zu Hänsel gezogen werden kann (der bei Jürgen Elsässer publiziert hat), oder ihre Kaptialismuskritik, gegen „neoliberale“ Irgendwas, scheint „Medienverantwortung“ jedenfalls nur mehr sehr einseitig ausgelegt zu werden. Die Verbindungen zu Verschwörungstheorien sind evident, sei es nun ob es „Killerspiele“, die „USA“ oder irgendwelche, an Palästina angrenzenden Kleinstaaten im Nahen Osten angeht.
Schiffer mag sich persönlich jovial geben und ihre Vorbehalte, gegen die Industrie usw., mögen auch geteilt werden, für mehr Aufklärung sorgt diese Einstellung jedoch sicher nicht. Das ist so wie mit Schulze von Glaßer und „Battlefield 3“: dessen Analyse für die Informationsstelle Militariserung (IMI) war einfach nur toll, ganz großartig gemacht, fundiert recherchiert und alles. Nur die einseitigen Schlüsse welche darin gezogen wurden, über den Gegenstand „Battlefield 3“, kann ich als jemand der diese dogmatischen Leeren nicht teilt einfach nur haarsträubend finden. Auch was Schiffer bei dem Autor über China in „Operation Flashpoint – Red River“ wiedergab: wie sie Inhalte beständig affirmativ interpretiert. Da ein Regime, vielleicht sogar eine einzige Partei, sublim ethnisch definiert wird. So als ob jegliche Furcht, Alptraum- und Konfliktimaginationen immer nur in reale Kriege zwischen souveränen Staaten enden könnten. Alle unheilschwangere Verarbeitung, Beschäftigung oder Auseinandersetzung von Nachrichtenbildern. Und die Konstruktionen welche Schiffer vertritt sind dahingehend alle schlicht und ergreifend gedankenpolizeiliche Positionen. Das einzige was dogmatischen Bestand feiern dürfte Beschönigungen, jene sprichwörtliche Freude an Eierkuchen. Und alle diese Kritiklosigkeit erfolgt üblicher Weise unter dem Deckmantel der „Völker“verständigung.
Jetzt kann wieder behauptet werden, dass sich über diese genannten Titel alle nicht geäußert werden mag, weil sie angeblich nicht „gespielt“ wurden. Doch das ist nicht bloß durchsichtig, sondern mir ehrlich gesagt auch immer viel zu billig. Oder, um das auf anaussprechliche Weise zu sagen: niemand braucht Medien „gespielt“ haben, bevor sich darüber fundiert geäußert werden kann. Ich kenne Schlingpflanzen auch nicht, dennoch muss ich sie nicht angebaut haben um mich darüber äußern zu können und dafür sind Enzyklopädien schließlich da – zur Not kann inhaltlich, nicht ideologisch, zwecks Plotanalyse auch der IMI-Text von Glaßer herangezogen werden. Die Frage bleibt weshalb das alles hier ausgeblendet und isoliert betrachtet werden soll, so als ob es da keine längst dokumentierte Vorgeschichte gäbe – nicht nur als Historiker frage ich mich das, sondern auch als videospielender Mensch.‘

* als Marke, einzeln zumindest auf den zweiten Teil, möglicherweise aber auch die Teile 2+3

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