Ergänzung zu „Wenn Männer sprechen“

Weitere Replik im VDVC-Forum: ‚Genau solche Reaktionen meinte ich ja. Und diese Haltungen sind völlig irrsinnig: auf einmal soll dann der Mann wieder über den Dingen stehen, nicht hysterisch auftreten usw.
Also typisch weibliche, ja oft genug schon misogyne Stereotype werden dann demselben Mann vorgeworfen/unterstellt, der sich etwa über eine Ungleichbehandlung beschwert hat. Nur das einzige was das zeigt ist, dass es um Gleichbehandlung dabei überhaupt nicht geht.

Schon längst ist da über die zweite Welle vieles zu oberflächlicher Propaganda geworden, welche von Personen vorgetragen wird die auch höchstens sekundär je theoretisch oder wissenschaftlich unterwegs gewesen sind, sondern vielmehr dem Journalismus entstammen. Einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten (wollen) und damit den Markt beschallen: eine Schwarzer hat im deutschsprachigen Raum etwa vor allem viele Dogmen einer Dworkin popularisiert und sich nebenbei auf Meriten ausgeruht, welche im gesellschaftlichen Wandel womöglich sowieso – das heißt auch ohne ihr zutun – zustande gekommen wären.
Vor allem international. Und literarische Klassiker wie Simone de Beauvoir sind da oftmals nicht einmal wieder zu erkennen.
Also entweder „wir“ sind nun alle Menschen und befreien uns vielleicht von diesen Konstruktionen, oder nicht, aber eine Befreiung von Frauen kann damit sowieso nicht mehr klappen. Das haut überhaupt nicht mehr hin, sondern praktisch nur mehr eine Funktionalisierung eben dieser. Das genehme Einspannen ins vorhandene Räderwerk. Analog geht es darüber hinaus ebenfalls nicht mehr um deren Selbstbestimmung, sondern weit eher nur die Aufstellung neuer Grenzen und Einschränkungen im Verhalten.
Denn wenn es um Selbstbestimmung ginge, wäre halt auch die Hausfrau kein Problem für diese Leute. Doch niemand braucht auf die emotionale Ablehnung religiöser Lebenswelten von Burkaträgerinnen verweisen, solche hiesig traditionellen Vorbehalte gegenüber Konfrontationen aus der Migration, es reicht eben schon diese ganze Verachtung von traditionellen Hausfrauen diesbezüglich. Allein gegenüber dem Begriff der „Hausfrau“, die es da mittlerweile gibt: keine Frau als Frau und deren Idee als Mutter oder sexuell Begehrte reicht da mehr aus oder ist (sexualpolitisch) auch nur mehr erwünscht, sondern sie soll immer bürgerlich berufstätig (zumindest mal gewesen) sein. Und diese Verknüpfung mit dem Phänomen der Arbeit wäre auch schon der Hinweis auf die Leistungsgesellschaft als konstituierendem Element, das bei dem Ganzen im Hintergrund vorhanden ist, wobei es letztlich also immer nur um fähige Körper geht. Körper, die willig und bereit sind dieser (Gesellschaft) zu dienen – dass sie zufällig weiblich sind ist da eher nur ein Zusatz. Denn letztlich verweist auch das auf die Logik des Patriarchen und dessen Kapital: die „Frau“ solle sich wie dieser etwas eigenes schaffen, unabhängig sein, alle anderen Leben würden nicht zählen, andere Werte werden bloß veräußert. Die einzige „Freiheit“ die da gekannt wird.
Und das einzige was sonst angenommen, und dann vielleicht noch wie ein Schild der Veränderungen vor sich hier getragen verwendet, wird, ist der „Hausmann“. Aber wenn etwas für einen „Mann“ gelten soll, dann muss es auch für eine „Frau“ gelten können.

Zu Darstellung von Frauen in Videospielen sei nur noch gesagt, dass prinzipiell alle Darstellungen erlaubt sein müssen und gefördert werden sollten. Allein schon der Vielfalt zuliebe, von Diversität als solcher, sowie dass wiederum nichts unbedingt affirmativ interpretiert wird. Das ganze ist ja schon, bis hin zu Themen wie Vergewaltigungen, aus der Gewaltdebatte her bekannt: und Frauen in Videospielen dürfen demnach sowohl Mütter, als auch CEOs, Präsidentinnen von Amerika, Papst, Nonne und Sexsklavin sein – alles andere ist schlichtweg indiskutabel und diskriminierend. Und zwar nicht nur dahingehend, dass es Frauenbilder einschränkt, sondern anthropozentrisch jene aller Menschen(gruppen). Am wichtigsten ist jedoch wahrscheinlich, dass Frauen auch Männer sein dürfen und umgekehrt. Und wenn man das anthropozentrische Denken im Sinne eines Lyotards verlässt und auch das Inhumane fördern will, erneut nicht nur dieser (Menschen).
Wobei sich die Diplomarbeit von der Sarkeesian etwa vor allem gegen den maskulinisierenden Typus der „starken Frau“ richtete. Den kritisierte sie dort stark, der war so auch mal deren eigentliches Thema. Also wie „Frauen“ Eigenschaften von „Männern“ übernehmen sollen. Und damit hatte sie auch Recht. Dennoch geben viele ihrer Fans und treuen Anhänger gerade vor diesen Typus unterstützen zu wollen – was wiederum doch eigentlich kaum in derem Interesse sein kann.
Also das widerspricht sich oft alles total und macht insgesamt gesehen schonmal vielfach keinen Sinn. Doch ein mangelhaftes Gedächtnis und die immerwährende Regentschaft des Ressentiments stehen offenbar dazwischen: hinzu kommt, dass überhaupt kaum gesagt wird welche Bilder nun eigentlich erwünscht wären.
Gerade das hat System: es wird meistens nur gesagt wie eine Darstellung nicht sein soll, also keine Sexsklavinnen (negativ), aber vielleicht Nonnen (positiv) usw. Also weder die Frau als Opfer, noch als zum Beispiel Gewalttäterin (siehe Lara Croft seit letztem Jahr – auf der diesjährigen E3 wurde für das Sequel in ein paar Jahren dann schon wieder das pathologisierende Stereotyp einer Traumatisierten verwendet, gewissermaßen das der cool-mysteriösen Borderlinerin) ist demnach erwünscht.‘

Unter Vorbehalt und mit leiser Hoffnung auf eine Ambiguität bei der „Kranken“. Für voraussichtlich 2015:

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