Neue Kritik an grundlegenden Vorstellungen und Wahrnehmungen

Im VDVC-Forum: ‚Ich habe mir schon gedacht, dass die „Dedicated Server“ – so wie etwa Electronic Arts sie neuerdings versteht -, (auch) nicht behagen werden. Ich wüsste aber nun wirklich nicht wie der Fortschritt innerhalb eines heutigen (Multiplayer-)Spiels anders zu handhaben wäre.
Früher gab es in Multiplayer-Titeln üblicher Weise ja nicht einmal irgendwelche Fortschritte – die gab es praktisch nur extern, virtuell und (jeweils) imaginativ (über entsprechende Einrichtungen wie aus dem E-Sport, real-soziales Prestige mittels Clans usw.). Aber keine allgemein gültige Statistik, also nichts das „für alle“ gelten würde, das heißt keine Aufzeichnungen von den Spielen selbst. Höchstens ein paar sehr einfache Ranglisten.
Das einzige was man öffentlich tun konnte war Schauplätze auszuwählen, eben die jeweiligen Server, aber was auf denen geschah hatte für den Fortgang des Spiels innerhalb eines Titels keinerlei Bedeutung. Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit einem (bezahlten) Ökosystem wie es heutzutage Xbox LIVE (Gold) darstellt.
Doch das heutige (kostenlose) Steam ist in mancherlei Hinsicht noch ein Relikt aus dieser Zeit – bis hin zu etwa der Tatsache, dass Fehlverhalten in einzelnen Spielen oft ohne Folgen bleibt (auch noch immer ein mehr oder weniger großes Problem bei Sony und Nintendo). Denn mittlerweile weiß ich ja was mit dem Begriff „Dedicated Server“ überhaupt gemeint ist, nur: es geht in diesen Spielen doch schon lange nicht mehr bloß darum mit- oder gegeneinander zu „spielen“, sondern auch (intern und formal) in Ränge aufzusteigen usw. Diese Spiele sind – bis hin zu Facebook und Co. – mittlerweile ja allesamt wie Rollenspiele aufgebaut. Oft auch übergreifend bis hinein ins Einzelspiel.

Die Forderung müsste deshalb doch vielmehr lauten ein unabhängiges Spielen jenseits dieser Progress-Systeme zu ermöglichen, als etwa „offizielle“ oder „lizenzierte“ Einrichtungen usw. zu kritisieren. Das ist doch völlig kontraproduktiv und widersinnig: wer so für „Dedicated Server“ spricht scheint die Funktionsweise dieser neueren Spiele schonmal überhaupt nicht verstanden zu haben, oder sie zumindest nicht (mehr) weiter akzeptieren zu wollen. Weder die Regeln denen sie unterworfen sind, noch die Welten und Plattformen mit denen sie verbunden werden können (ich denke da bei Microsoft etwa nur an „SmartGlass“). Oder wie soll das alles ohne die grundlegende Umwelt einer festen Dienstleistung zu haben dann bitte noch gehen?
Ebenfalls geht es bei „EA Access“ gar nicht darum: weder um Multiplayer, noch irgendwelche Server von Electronic Arts, sondern in dem Fall vielmehr um das digitale Angebot bei Microsoft – über die Marke „Xbox“, die, wie ich noch erläutern werde, über die gleichnamigen Konsolen auch längst hinausgeht. Dieses Denken wurzelt doch in einer Multiplayer-Videospielwelt von vor fünfzehn Jahren, bestenfalls in den Anfängen von „Counter-Strike“ und Co. – nicht mal auf das aktuelle „Global Offensive“ trifft das ja mehr so ohne Weiteres zu.

Nun konkret zu „EA Access“. Wer PlayStation Plus kennt weiß von dem Prinzip: die Spiele werden prinzipiell wie digitale Einkäufe behandelt, nur haben die Angebote von Sony und Microsoft (das Programm dort heißt „Games with Gold“) den Nachteil, dass man genau in dem Monat oder zu dem Zeitpunkt in dem ein Titel (kurzfristig) verfügbar gemacht wurde auch Member gewesen sein muss. Der dort imaginäre „Vault“ kann bei Sony und Microsoft (selbst) deshalb nur dann kontinuierlich wachsen, wenn man immer (wieder) zahlt.
Im Übrigen müssen sämtliche Inhalte die darüber kostenlos – beziehungsweise ohne weitere Kosten – verfügbar gemacht werden auch noch extra ans Konto gebunden werden, das heißt tatsächlich noch gratis „gekauft“ werden. Einfach Mitglied sein reicht deshalb nicht.

Und Microsoft lässt diese „Käufe“ dann bei seinem eigenen „Games with Gold“ auf der 360 auch am Konto aktiv und verfügbar, wenn man nicht mehr Mitglied ist. Das ist genau so wie wenn das Spiel gegen Geld gekauft wurde.
Während das „Games with Gold“ auf der Xbox One genau so funktioniert wie „PlayStation Plus“ von Sony. Was immer etwas unter den Tisch fällt, vielleicht weil es nicht für so relevant gehalten wird – mir aber sehr wichtig ist. Dazu schließlich mein erläuternd sein sollender Hinweis: Microsoft führt seine Xbox-Marke auch im Windows 8 Store. Viele Spiele dort sind mit Xbox LIVE kompatibel.

Ein erster von zwei Vorteilen des Electronic-Arts-Modells, da man dort einfach in den Vault sozusagen greifen kann. Begleitend gibt es dazu auch eine App – „EA Access“ ist in diesem Monat erst in der Betaphase – und mittlerweile wurde diese auch so umgekrempelt, dass deutlich wurde was Electronic Arts damit eigentlich beabsichtigt, nämlich Werbung für ihr gesamtes Angebot zu machen – nicht nur für alte Katalogtitel.
Wer bei Sony und Microsoft allein nur Mitglied ist und glaubt deshalb gleich Zugriff auf etwas zu haben, der irrt gewaltig. Das ist eher so wie in eine Leihbibliothek zu gehen wo es Bücher nur zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt und diese mitzunehmen: bevor Bücher mit nach Hause genommen werden können, müssen diese erstmal registriert (sowie gegebenenfalls verlängert) werden. Die Verlängerung ist jedoch kostenlos und niemand stellt Fragen, Verhinderungen sind nicht vorgesehen.
Ein weiterer Vorteil bei „EA Access“ und seinem „Vault“ (deutsch das „Magazin“), dass diese Aktionen unnötig sind um das schon vorhandene Angebot nutzen zu können. Ich wüsste deshalb nicht wer da Electronic Arts was nicht „glauben“ soll – es ist eben wie bei „Plus“ und „Gold“, nur nimmt der „Vault“ einem die Arbeit ab. Und es geht nicht darum, dass etwas von Electronic Arts verhindert wird. Xbox LIVE betreibt als Service Microsoft, nicht EA. Der Zugriff auf den EA-Katalog wird deshalb in erster Linie auch von Microsoft ermöglicht. Die Dienstleistung ist deren Eigentum, nicht – wie Origin am PC (Stichwort „Auf’s Haus“) – das von EA.
Also da scheint mir das Prinzip der Dienstleistung dort bereits gehörig durcheinander gebracht zu werden – bis hin zu scheinbar dem DRM vom PC, also dass ein unabhängiges Spielen via nicht-autorisierte Dedicated Server unterbunden wird: ein Titel der von einer Plattform wie Xbox LIVE geladen wird ist nicht unbedingt weniger verzahnt mit eben dieser Plattform, wie ein heutiges Facebook-Spiel ohne Facebook auch nicht wirklich vorstellbar wäre. Das alles funktioniert deshalb auch deutlich anders als eine Spiele-Flatrate am PC – etwa bei Gamesload (früher? http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutsche-Telekom-findet-Kaeufer-fuer-Gamesload-und-Musicload-2180454.html Deutsche Telekom). Die kolportierten Vergleiche damit halte ich deshalb auch für einigermaßen unsinnig.

Allerdings ist etwa „Battlefield 4“ (einer der aktuellen Titel aus dem EA-„Vault“) penetrant zu starten, wenn man nicht gerade Gold-Member ist. Die Werbung dafür ist nahezu unerträglich.
Mit EA Access oder digitalem Vertrieb http://spielkultur.ea.de/themen/industrie-und-politik/markt-fur-digitale-spiele-wachst-und-wachst hat das jedoch von Neuem nichts zu tun. Das wäre auch so wenn die Disc im Laufwerk sein müsste – installiert muss auch auf den neuen Konsolen ohnehin jetzt schon alles werden, wobei zwischen den Disc- und digital (geladenen) Spielen auch inhaltlich diesbezüglich keineswegs mehr unterschieden wird.‘

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