„Vielzahl von Entfaltungsmöglichkeiten“: weiterer Kommentar zu normabweichender Sexualität, bei IDG

Rant: ‚“Vielzahl von Entfaltungsmöglichkeiten“, Lockerheit und „Toleranz“. Dass ich nicht lache: ich sehe den Bioware-„Sex“ in züchtiger Unterwäsche schon wieder vor mir.
Denn man gibt sich zwar „aufgeschlossen“ und „tolerant“, aber „pornös“ und zu explizit will man dann ja doch nicht wieder sein. Denn das wäre ja erneut „entwürdigend“, beleidigend, diskriminierend usw.
Nur von diesen Diskriminierungen will nichts gehört werden. Die Vorbehalte und Vorurteile gegen sexuellen Ausdruck haben sich in keinster Weise geändert – im Gegenteil: sie werden von Tag zu Tag schlimmer, oppressiver und rigider – bei Frauenfiguren werden mittlerweile penibel Oberkörper gemessen, deren Anzahl und Verhältnisse sowieso (da geht es überhaupt nicht darum Kreative frei wählen zu lassen). Und Verhüllungen noch und nöcher werden gefordert. Von den Hüften angefangen.

Sind sie zu groß wären die Spiele sowieso gleich „sexistisch“, weil nicht „natürlich“ oder keiner allgegenwärtigen Ideologie des Realismus folgend. So als ob diese Frauen auszugrenzen ein Kennzeichen von Feminismus wäre, und alles andere misogyn.
Sind sie zu klein stehen die Spiele wiederum gleich in Verdacht für Pädophile gemacht worden zu sein. Absurd. Von Freiheit kann da überhaupt keine Rede sein.

Oder wie aktuell in den USA etwa anhand eines Japano-Releases dort (steht in Europa noch bevor, ich sehe die britische Videospielpresse schon Anti-Unterhosen-Petitionen ins Unterhaus einbringen) wegen abstrahierter Kämpfe in Wäsche videospielende Menschen in die Nähe von Kinderschändern gerückt werden, das gab es nicht einmal zu Becksteins Zeiten. Während asexuelle oder „familienfreundliche“ Gewaltdarstellungen fröhliche Urständ feiern.
Auch gilt es offensiv schwulen Ausnahmen keineswegs positiv zu begegnen. Wie jüngst etwa der Release von „My Ex-Boyfriend…“ auf Steam zeigte. Da gab es umgehend erneuten Protest in Form eines Offenen Briefs gegen „Stereotypisierungen“.
Entweder das, oder die Videospielpresse schweigt so einen Titel tot – bis sich irgendwann von selbst wieder ein einseitiger, Ressentiment-beladener Aktivismus dagegen hervortut. Siehe „Dead or Alive“ und Co.: da fürchte ich mich schon vor jeder News-Meldung.
So allumfassend empfinde ich diese Empörungen und Versuche einer Unterdrückung eines jeden anderen Leben und Seins mittlerweile. Und queere Videospiele wollen so doch gar nicht gehabt werden, sondern immer wieder bloß normierte Körper die sich sozial angemessen verhalten – egal ob hetero oder nicht. Alle anderen können sich mehr denn je vorhalten lassen „pervers“ zu sein, oder als Menschen ohnedies gleich untragbar.‘

Nachtrag: ‚Wieso scheint es Euch überhaupt so wichtig zu sein Euch darüber zu definieren? Weshalb sollte es dermaßen identitätsstiftend sein was wer bevorzugt, irgendwo zwischen den Beinen hat (haben will) oder nicht. Als jemand der einen Körper aufweist, bei dem die jeweilige Geschlechterkonstruktion noch das kleinste Problem wäre, kann ich das auch immer wieder nur äußerst beleidigend und diskriminierend finden – angefeuert von Berichterstattungen wie dieser hier und Meldungen selbstherrlicher Firmen wie Bioware, die Menschen ständig darauf, und ihre Anpassungen diesbezüglich, reduzieren wollen. Als „Fähige“, „Funktionierende“ und was weiß ich noch alles.
Ich würde mich etwa schon länger keineswegs mehr unbedingt als bi, homo-, heterosexuell oder sonst was bezeichnen. Ich finde eher diese Bekenntnis- und Definitionslogik dabei einfach nur schrecklich.
Und glaube auch immer noch nicht, dass es „Männer“ oder „Frauen“ überhaupt wirklich gibt, höchstens in Euren einseitigen, biologischen Vorstellungswelten usw. usf. Und ich lebe ebenfalls -‚

 

Exklusive Ergänzung: ich finde es auch insofern mindestens ebenso bedenklich wie bemerkenswert, dass diese Abgrenzungsdebatten in den letzten Jahren überhaupt auch die Videospielwelt erreicht haben, aber das war wahrscheinlich ebenfalls eine Folge jener Ideenwelle von „Videospiele für alle“ – wogegen ich mich mit diesem Blog ja ausdrücklich wenden möchte.

In vielen Games werden nicht einmal Menschen gespielt, oft auch keine humanoiden oder solche Wesen, bei denen ein Gender-Konstrukt klar oder auch nur eindeutig wäre – vor allem bei Abstraktionen nicht. Und ebenfalls Sexualität sollte diesbezüglich doch eigentlich keine Rolle spielen…

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