„Wir Vergewaltiger“. Neues zum geschminkten Körperfaschismus, Hass, Stigmatisierung und Gewalt

Wieder bei sexueller Denunziation gegen den bestenfalls vorgeblich „unbekannten“, männlich-heterosexuellen „Videospieler“ halt, welcher naturgemäß im selben Artikel gleich per Morddrohungen sozusagen „enttarnt“ wird. Diese unerwünschten Videospieler als virtuelle Vergewaltiger und potentielle Mörder vorstellt – und zwar nicht nur mittels verdeckter Billigung, sondern auch mehr oder weniger offener Zustimmung eines gleichgesinnten Journalismus und ästhetisch angepasster Kreativer. Frontalunterricht, adrett gekleidet und – ich kann es nur immer wieder betonen weil es die normierten Unterschiede in der Körperdarstellung am besten zum Ausdruck bringen – beständig gleich geschminkt. Schminke als Waffe, denn welche Legitimität darüber inszeniert wird, erscheint damit sofort und umgehend klar. Es ist das Mächtige das angesprochen wird und bestätigt werden soll: es geht nicht um Anerkennung sondern Anpassung, nicht um Inklusion und Egalität sondern Ausgrenzung von Ungleichem. Ein „Egalitarismus“ des Gleichen, nicht des Anderen. Die Schminke soll sagen: ‚hier spricht kein Nerd/Geek oder sonst was. Hier spricht einEr von Euch über all das was wirklich verwerflich ist. Denn wir sind soweit gekommen und lassen das nicht weiter zu. Und Ihr hattet schon immer Recht. „Videospiele sind der größte Müll“, zumindest dann wenn sie so sind wie ich sie Euch präsentiere und nicht „für alle“ bestimmt. Alle wie uns.‘
Einen „Egalitarismus“ der lediglich das „inkludieren“ will das ihm genehm ist, zu ihm passt, gut steht. Nach dem altbekannten Motto, dass immer noch für jede Proto-Diskriminierung stand. Wonach nämlich Ungleiches nicht gleich behandelt werden dürfe und deshalb auch nicht „toleriert“ werden bräuchte, sondern bestenfalls „kritisiert“ werden soll.
Wobei „Sexismus in Videospielen“ durchaus ein reiner Dezisionismus ist und „Sexismus im Film“, etwa inhaltlich auch aus der Vergewaltigungsszene in der „Jungfrauenquelle“ und „Kindersex“ in der „Blechtrommel“ bestehen könnte. Inhalte teilweise kaum mehr weniger aus dem Zusammenhang gerissen, dekontextualisiert werden, als es diverse Berichte im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen („Frontal 21“, „Panorama“) auf dem Höhepunkt der „Killerspiel“-Debatte allgemein schon taten. Als Gewalt gegen Frauen zwischendurch höchstens eine Fußnote Wert war. In der älteren bildenden Kunst die Selbstbestimmung eines „Objektes“ von „Mädchen“ bei Egon Schiele der Selbstbestimmung des Autors gegenüber steht und all das wohlweislich nicht nur nicht aufgelöst werden soll, jedenfalls nicht hier bei Videospielen um die es geht, sondern nicht einmal angesprochen wird.

Die Probleme der Videospielindustrie mit Frauen in Führungspositionen der Branche und bei der Marginalisierung von Frauenfiguren (wie zuletzt etwa in einem „WATCH_DOGS“) können damit auch ganz wunderbar zugedeckt werden, wenn misogyn und sexistisch immer nur die anderen wären – die (für gewöhnlich) anonymen, das heißt realnamenlosen Hater, Revenger und unreifen Fanboys in Kellern und Windeln – „sexistisch“ an „Watch Dogs“ etwa die wenigen Referenzen an Sexualität darin wären, aber keineswegs das gesamte Bruder/Onkel/Mafia-Patriarchat. Wo an Quoten leider nicht einmal zu denken ist. Feministen wie ich gar keine mehr sein könnten, weil es erstens nur einen „Feminismus“ geben könnte und dieser dogmatisch immer gleich über vornehmlich fiktionale Inhalte empört wäre, Fantasien statt Realitäten bekämpfen möchte, entrüstet wegen all der militarisierten „Männer“ gegen „Frauen“. Für gewöhnlich sowieso biologisch bestimmt.
Oder welche Frauen geben etwa bei Naughty Dog nach dem Weggang von Amy Hennig nun den Ton an? Wieviele Double Fine-Titel hatten weibliche Lead Designer?

Der vergewaltigte Bürgerkrieg

Und diese Situation erinnert mich auch daran was Uta Ranke-Heinemann mal über meine Kirche und deren Verhältnis zu Weltenbränden sagte: als ob die größten Verbrechen im Schlafzimmer erfolgen würden und nicht auf den Schlachtfeldern. Denn daran gemessen welche Gebäude einer Haltung allein hier in Österreich die Agitationen von Sigl, Wilhelm und Co. in diesem Bereich, deren Hetze gegen Inhalte die andersdenkenden Personen wie mir gefallen, schon alles aufgezogen haben, müssten sie ihre Vorwürfe mindestens im Ansatz auf sämtliche Action- und Strategiespiele die „Krieg“ zum Thema haben ausdehnen, wenn sexuelle Gewalt immer affirmativ und Sexualität die nicht ihren Normen entspricht, immer negativ wäre. Letztlich Leute wie ich dermaßen abscheulich wären könnte die Empörung angesichts jüngster Enthüllungen über Inspirationen für zum Beispiel „Far Cry 4“ wohl kaum größer sein.
Doch nein: insgeheim mögen diese Leute traditionelle Videospiele oft nicht lieber haben als ihre ablehnenden, vielfach schon bürgerlich situierten Elterngenerationen, so sehr sie auch vorgeben möchten dass sie sie „lieben“, doch sie leben nunmal weiterhin davon dass sie selbst mit ihrem menschenverachtenden Klassismus und fremdenfeindlichen Reifedünkeln auch „Gamer“ wären, zumindest als solche gelten und allein deshalb in ihrem Applaus für Sarkeesian und Co. angeblich wissen würden wovon sie da eigentlich sprechen.
Und das unterscheidet, diese Doppelmoral, Heuchelei, whatever – wie auch immer sie bezeichnet werden soll – die aktuelle Situation mit der vor zehn Jahren, als etwa bei Bernd Graff im Süddeutschen Print gegen „Doom“ angeschrieben wurde. Obwohl Anita Sarkeesian nicht unbedingt mehr Gamer ist als Graff, Spike Lee, Michael Haneke oder Alice Schwarzer und Sabine Schiffer.

Kampf um jeden Quadratzentimeter Haut, aber wieso nur um jene von Frauen(figuren)?

Egal ob es jetzt die Hüften von Cortana in „Halo 4“ waren, diverse Bodysuits von Samus Aran bei Nintendo, die Frauen(figuren) aus diversen (anderen) Kampfspielen waren, die Vorwürfe drücken zunächst einmal den patriarchalen Urwillen aus, Frauen zu verhüllen. Und diese „gleichberechtigte“ Form eines „radikalen Feminismus“ wird dadurch zum Erfüllungsgehilfen gerade dieses Willens. Zum Teil, das war schon bei Andrea Dworkin herauszulesen, weil es um die Verdrängung von Kapital geht, dem Wunsch nach Kompensation – weshalb das größte Problem dieser Leute wohl immer noch die Psychoanalyse sein wird, keine „Pornografie“.
Bester Hinweis: anders als im Filmbereich hat keine dieser „Kritik“ bislang namhaft noch je sexuellen Ausdruck für Frauen gefordert, also mehr erregende Inhalte für spezifisch diese Zielgruppe. Das was höchstens gefordert wird ist eine normalisierte „Erotik“ in Games wie von BioWare, aber keine speziellen Angebote für (Hetero-)Frauen. Denn dann müsste auch der Sex und Sleaze für Heteromänner akzeptiert werden und dass es immer nur um Heteroinhalte geht scheint sowieso klar zu sein: wie normativ und dahingehend prüde angelegt die ganze Debatte ist zeigen offensiv schwule Ausnahmetitel wie heuer früher im Jahr „My Ex-Boyfriend…“, der so wie die inkriminierte, zaghafte Heteroware die es auf Steam vielleicht gibt bestenfalls ignoriert wurde, aber sonst gleich ebenso „kritisiert“. Sogar mit ähnlichen Mitteln einer „Realität“ gegen Stereotype etc.
Und japanische Nischen wie „Hakuoki“, die sich an heterosexuelle Mädchen und junge Frauen richten, deren romantisch-erotisierten Träume, zeigen wiederum die geforderte Ästhetik sehr schön: es sind allesamt junge Männer mit ästhetisiert feinen Gesichtszügen, die „gut“ gekleidet sind, körperlich fähig, wehrhaft sind, aber dabei das Gute und Schöne betonen, auch wenn bei ihrer Gewalt viel Blut spritzt: sie selbst sind „gesund“ und handlungsfähig, obwohl sexuelle Handlungen in ihnen rar gesät bleiben. Der restliche Schmutz des Lebens ist ganz einfach nicht vorhanden.
Und als „ästhetisiert“ bezeichne ich diese Figuren deshalb, weil reale „Männer“ ja nicht immer Schönheitsidealen entsprechen. Hoffentlich auch nicht schöngeredet werden. Doch diese schönen Männer aus „Hakuoki“ sind gewissermaßen auch gleich wie die geschminkte Sarkeesian: sie sind weder nackt noch sonst wie anstößig, sie repräsentieren all das was in den jeweiligen Gesellschaften in denen sie auftreten für gut, richtig und wichtig gehalten wird. Sie repräsentieren ihr kulturelles Kapital, verdrängen aber diesen Willen damit ihre ureigenste Herkunft zu etablieren indem sie mit dem Finger ständig immer nur auf andere zeigen, sonst nur Positives repräsentieren und über sich selbst keine weitere Auskunft geben. Nach dem Motto: das Blut darf fließen, aber bitte keine anderen Körpersäfte.

Und die Begründung dafür? Fehlanzeige. Im Umkehrschluss ganz ähnlich wie ein Christian Pfeiffer und Jack Thompson oder Dave Grossman früher: was Pfeiffer und Thompson abseits ihrer empirischen Ergebnisse, einem utilitaristischen Bildungsdrang und rechtlichen Äußerungen gefiel, konnte auch über Pfeiffers Äußerungen in Predigten oft nur erraten werden. Die christliche Moral, also bei den asexuellen Gewaltdarstellungen um die es da ging nicht nur die Sexualmoral, konnte zwar angenommen werden und war bei Thompson’s evangelikalen Ausritten als wiedererweckter Christ mitunter auch vordergründig, schien in der Debatte um konkrete Inhalte jedoch kaum relevant gewesen zu sein – weder in den USA, noch in Deutschland.
Hinzu kommt auch eine allgemeine Wahrnehmung der Unterscheidung zwischen Games und „Gewalt“, die hier bei Tim Schafer eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dürfte. So wird in der Diskussionsseite zu Grossman auf der englischsprachigen Wikipedia scheinbar nicht verstanden, weshalb es „ironisch“ sei dass Grossman mit dem Lucasarts-Designer den gleichen Namen teilt: „The games that Grossman designed are comedy based adventure games, and not violent in the slightest.“

Einen tut vor allem ein Verantwortungsgefühl für die eigene Gemeinschaft und gegen all jene die nicht dazugehören, die sie (Sarkeesian als Person) nicht kennt, sie bedrohen, sie (als Gruppe) nicht anerkennen, mit denen sie (beide jetzt – Person und Gruppe) nichts zu tun haben will/wollen etc.
Und auch die Vorwürfe selbst entsprechen genau diesem Bild, wonach Sexualität erstens nicht objektorientiert wäre und zweitens Videospielinhalte nicht von Vornherein sexuell sein könnten, denn auch in einem „Hakuoki“ ist Sexualität zunächst keineswegs präsent. Eigentlich gar kein freies Leben außer Arbeit und Pflichterfüllung: nur über die Hintertür, irgendwann als Zusatz, kommt Sexualität auch in dieser Form vor. Nur dann sind die Objekte immer nur die schönen, tüchtigen Männer, vielleicht Outlaws, aber deren Auftreten löst nunmal keine Empörung aus. Oder wie könnte etwas erst „objektifiziert“ werden das schon von Vornherein immer ein Objekt war, weshalb sollten im Bereich Sexualität Menschen überhaupt als Personen wahrgenommen werden usw. usf. Wie grenzt dieser Anthropozentrismus auf Personen als höherwertige „Dinger“ oder gleich Nicht-„Dinge“ gegenständlich eigentlich aus? Über Konzepte wie „Geist“, „Würde“, „Seele“ etc. Und wie wird darauf dann erst ein Konstrukt wie Geschlecht (samt seiner jeweiligen Identität) gelegt?

Doch auch die „Gewalt“ als Handlung an sich wird prinzipiell nicht anders interpretiert als sie es bei Thompson, Anderson, Pfeiffer, Spitzer und Co. schon immer wurde: der Gender-Faktor kam eher nur hinzu, wie „Gewalt gegen Frauen“. Bereits in meiner Dissertation habe ich gezeigt, dass die Interpretation schon vor einem Vierteljahrhundert prinzipiell keine andere gewesen ist (10ff. PDF) und fiktionale Welten in denen es keinen Grund zur Sorge gab schon allein aus pädagogischer Sicht bei Videospielen immer von besonderem Interesse erschienen. So wie diverse Anliegen (offiziell und informell) etwa forderten, die Darstellung von Krieg in Videospielen zu beschönigen, indem ihm funktionierende Regeln auferlegt werden sollten, die anders als in der „Realität“ doch nachweislich leider oft der Fall, greifen, und Verbrechen darin sozusagen „rechtlich“ (über fiktionale Mechanismen) unmöglich gemacht werden, so soll hier mit Sexualität und sexueller Gewalt umgegangen werden. Scheint Sarkeesian ganz ähnliche Sachen zu fordern und etwa ein Film wie „À ma soeur“ von Breillat, der selbst Vergewaltigungsfantasien einer Minderjährigen thematisiert, es in dieser Welt als Videospiel deshalb so nicht geben: wenn sich die Wahrnehmung der Ausdrucksform nicht grundsätzlich (wieder) wandelt, werden etablierte „digitale“ Spiele inhaltlich noch abstrahierter werden (wie ihre Cousins, die Brettspiele), und die Blockbuster noch mehr (un)verstanden bleiben.
Hinzu kommt die dominante Vorstellung, dass „Kritik“ einerseits nur aus der authentischen Distanz möglich wäre und keiner Unmittelbarkeit wie sie kommerzielle Blockbuster vorschlagen, sowie andererseits auch in Opferrollen am Vordringlichsten präsentierbar wäre. EinE mächtigEr AkteurIn könnte demnach weit schlechter oder gleich überhaupt keine Gewalt diffamieren, als einE ohnmächtigEr PassantIn – um beim Bild des öffentlichen Raumes zu bleiben.

Doch welche negativen Inhalte und welche „Kritik“ in Spielen können dann so überhaupt noch übrig bleiben?

Zunächst wäre einmal die Betroffenheit und emotionale Involvierung zu nennen, wie sie in affektorientierten Melodramen wie der ersten Staffel von Telltale’s „The Walking Dead“ zum Ausdruck kam. Eine zweite Variante wäre die poetische Reduktion eines „The Last of Us“, in dem die Ästhtetisierung einer verfallenen Natur sehr einprägsamer, extremer aber im Sinne eines Hanekes immer noch „konsumierbarer“, das heißt überwindbarer (Stichwort „Überleben“) Gewalt gegenüberstellt wird.
Die dritte Variante, und diese herrscht bei den unabhängigeren Spielen schon aus ökonomischen Gründen vor, ist Gewalt in der Abstraktion: in dem selbst diese abstrahiert wird oder auf eine Tonebene reduziert (Limbo) – denn dort kann auch der Vorwurf Gewalt „konsumierbar“ zu machen (Lindemann mit Haneke als Gewährsmann) nicht mehr ziehen. Wobei in einem „Super Mario“ sie dann unter Umständen als solche gar nicht mehr wahrgenommen wird und in „Trauma“ die Gewalt eines Unfalls schon geschehen ist, also ähnlich in der Vergangenheit liegt wie weite Teile von Krieg in Dalton Trumbo’s „Johnny got his gun“. Das ist dann ein vollständig „realistischer“ Reduktionismus, sich sozusagen nur mehr mit Folgerungen von Gewalt zu beschäftigen, Darstellungen sonst zurück zu halten, vielleicht nur zusätzlich noch ein paar Erklärungen dafür anbieten, aber selbst keine mehr zeigen („zur Schau stellen“), keinen Grund mehr für den Vorwurf geben etwaig „spekulativ“ damit umzugehen.

Und mit der unerwünschten Sexualität verhält es sich dann ähnlich: zunächst sind es dort die Umarmungen eines BioWare, womöglich noch stereotyper Sex in Unterwäsche aber jedenfalls wieder in normiert (geschminkten und gekleideten) Körpern, nicht zu alt und nicht zu jung, die je nach Fantasy/SF-„Rassen“ und Orientiertung „inkludiert“ auftreten. Gleiche Fähigkeiten für gleiche Körper. Im zweiten „Dragon Age“ waren gefühlt sämtliche Figuren schon bisexuell, da gab es dann sogar einen sexuellen Basar, auch weil eben alle gleich attraktiv waren – es kam nur darauf an wer mehr an Gewinn bot.
Die zweite Variante ist die eines „Tomb Raider“ (2013), in dem zwischenmenschliche Gefühle einerseits nur auf freundschaftlicher Ebene ablaufen, familiär, geschwisterlich. Und die „böse“ Sexualität gleich in das Reich restlicher Fantasie abgeschoben wird, selbst dann wenn im Spiel ständig – asexuell – gewaltsam Körper penetriert werden, Lara Croft und eine Welt voller bärtiger, ungepflegter Männer dauernd im Clinch liegen. Die Natur quasi zur Orgie wird: „angezogen unter Wilden“.
Und die dritte Variante hier ist wiederum die Abstraktion: diese kann komplett erfolgen, auch gleich über Distanz, zum Beispiel bei „Entwined“, sie kann aber auch als Subtext sich präsentieren, so etwa wenn im Verhältnis zwischen Booker und Elizabeth aus „BioShock Infinite“ die Spannung eines Geschlechterkampfes über ideelle, platonische Größen vermittelt wird und Booker dabei als positiv sehr „männlich“ beschrieben erscheint (präsent, kräftig usw.), Elizabeth hingegen als positiv äußerst „weiblich“ (findig, geschickt). Beide sehr viele Kompetenzen aufweisen, zusammenarbeiten, in der Dramaturgie sich letztlich aber auch als Gegenpole bis Todfeinde herausstellen – keineswegs zusammenfinden (können). Nach dem „kritischen“ Udo-Jürgens-Schlager: „Der Mann ist das Problem“. Elizabeth’s zeitweilige Verachtung für „Mr. Dewitt“ ist dafür beispielsweise auch schon früh in der Handlung ein Garant gewesen und das Spiel betont damit die Differenz, den Unterschied in einem Geschlechterkampf. Auch wenn es sonst ein traditionelles „Gewaltspiel“ ist.

Prinzipiell zwar eine interessante Möglichkeit und Alternative die Kategorie Geschlecht ins Videospiel zu bringen, das Videospiel begibt sich damit aber auch auf die Ebene der Metapher aus politischem Grund (Zensur), so wie sich die etablierte Literatur vergangener Jahrhunderte ebenfalls vorgestellt hat – selbst dann wenn im Untergrund und hinter den Fassaden, wie etwa im vorrevolutionären Frankreich, die „Pornografie“ vielleicht mehr brodelte als heutzutage mit „YouPorn“, dem deutschen Privatfernsehen nach Franzobel und Co.
Auch die Übernahme von Männergewalt, wie sie Sarkeesian schon früh kritisierte, wird da wieder eine größere Rolle spielen. Tatsächlich wäre diese Diskussion ja noch zu begrüßen, nur wird sie dann womöglich auch wieder in einem Text wie „Ice and Fire“ einer Dworkin resultieren, wo die vermeintliche Verachtung für Inhalte und (andere) Sexualitäten als die nebulös bleibenden bis konsequent verschwiegenen eigenen zwar auf ein tiefes (und geheimes) Begehren in der eigenen Verachtung hinweisen (Weiterleitung an Jelineks „Klavierspielerin“ oder „Lust“), diese umkehrende „Befreiung“ von „Tätern“ und „Opfern“ aber erst nicht wieder möglich sein dürfen wird. Und erneut die sexuelle Frustration im anderen Wesen übrig bleibt, als Vorwurf an Vergewaltiger und Co. gerichtet. Zumal ich nicht glaube, dass heute für Videospiele schreibende AutorInnen wie Rhianna Pratchett solche literarischen Kapazunder sind, dass sie sich – ähnlich wie die Jelinek – Sympathien konsequent enthalten könnten und etwa „Frauen“ scheinbar noch mehr ihre Zuneigung verweigern als „Männern“: der Markt wird im Gegenteil ein Korrektiv verlangen, das möglichst nach dem Gießkannenprinzip erzählt und eben die patriarchal schwächer Empfundenen fördert, also etwa die Frauen in ihrer Opferrolle.

Denn es werden jetzt schon andere Zugänge keineswegs berücksichtigt, nicht gefragt wer da eigentlich über wen redet. Nur, dass die welche „kritisieren“ eine Berechtigung dazu hätten und ihre „Kritik“ aus gutem Grund vortragen würden, während das angestammte Kapital die Angegriffenen kulturell verteidigen würde. Die mit dem Leben bedrohten.
Das Leben welches sie in Frage stellen nicht interessiert. Also die „Videospiele für niemand“ von denen ich ständig rede.
Gewissermaßen die Bestätigung einer Bestätigung – vorgetragen mittels konsequenter Ausblendung eigener Interessen und ausgestattet mit „Critique“ an vermeintlicher Apologetik unerwünschter Inhalte. Diese angesichts der gestrigen einschlägigen Berichterstattung erwartungsgemäß erneut sehr einseitige Information über sexnegative Vorwürfe beim Standard. Die üblichen Diffamierungsstrategien mittels „akademischer Kritik“, nur diesmal – dank Schützenhilfe prominenter „Männer“ wie Joss Whedon (siehe den Eingangs-Link für diesen Absatz zu Eurogamer) – vielleicht nur noch etwas ausgefeilter: ‚Geht es eigentlich noch einseitiger? Noch mehr in Richtung sich selbst erfüllender Prophezeiung?? Wenn schon in dieser Form mit normierten Körpern, Sexualitäten und Sozialverhalten gegen alles gearbeitet wird das anders ist? Oder weshalb werden diese
Tweets mit einer „Triggerwarnung“ versehen, aber die eigenen Videos etwa nicht? Mit welcher Umkehrung/Verharmlosung? Wer darf demnach betroffen sein, über welches Patriarchat allein Täter, was „persönlich“ nehmen usw. Und mit welcher Aggressivität werden was für „Beschimpfungen“ in und das Bedrohliche an diesen Videos nicht diskutiert
Für inkriminierte Inhalte gibt es eben gute Gründe und diese liegen in den Leben der anderen. Während Designer wie Druckmann oder Schafer, die ohnehin bereits asexuelle oder reduzierte Inhalte produzieren, davon natürlich profitieren
Bei Schafer wundert mich allerdings schon, weshalb er scheinbar erst jetzt darauf aufmerksam wurde – wie lange es gebraucht hat die für seine Arbeit gefällige Botschaft anzunehmen‘
Das Forum wird für sogar diese Anliegen mittlerweile auch manuell moderiert, wobei ich mir nach meinen deprimierenden Erfahrungen in Hinblick auf den Umgang mit meinen Worten zur revisionistischen Erinnerungskultur bei den Salzburger Festspielen dort als andersdenkender Wissenschafter und Mensch mit Behinderung, der somit offenbar als „krank“ und deshalb zu exkludieren wahrgenommen wird, wegen dieser beständig diskriminierenden Körper- und Kulturpolitik der Bronner-Presse, das heißt nicht nur mittels sexuell diffamierenderer Inhalte, schon vorsichtshalber wieder protestiere. Nachlese: 1, 2.
Tatsächlich wurde der Kommentar vorerst nicht veröffentlicht, weshalb ich ihn nochmal extrapoliere:

Geht es eigentlich noch einseitiger? Noch mehr in Richtung sich selbst erfüllender Prophezeiung?? Wenn schon in dieser Form mit normierten Körpern, Sexualitäten und Sozialverhalten gegen alles gearbeitet wird das anders ist? Oder weshalb werden diese
Tweets mit einer „Triggerwarnung“ versehen, aber die eigenen Videos etwa nicht? Mit welcher Umkehrung/Verharmlosung? Wer darf demnach betroffen sein, über welches Patriarchat allein Täter, was „persönlich“ nehmen usw. Und mit welcher Aggressivität werden was für „Beschimpfungen“ in und das Bedrohliche an diesen Videos nicht diskutiert
Für inkriminierte Inhalte gibt es eben gute Gründe und diese liegen in den Leben der anderen. Während Designer wie Druckmann oder Schafer, die ohnehin bereits asexuelle oder reduzierte Inhalte produzieren, davon natürlich profitieren
Bei Schafer wundert mich allerdings schon, weshalb er scheinbar erst jetzt darauf aufmerksam wurde – wie lange es gebraucht hat die für seine Arbeit gefällige Botschaft anzunehmen

Videospieler, egal welchem Geschlecht sie performativ oder biologisch zugeordnet werden, haben zwar auch in Österreich als Gruppe keinerlei Rechte, können nicht gemeinsam wogegen auftreten, doch dürfte es bei dieser systematischen Manipulation – zumal der Artikel mit Sarkeesian auch plakativ wieder auf der Startseite der Onlineausgabe dieser Zeitung erschien – auch noch andere Möglichkeiten geben sich zumindest in Hinkunft zu beschweren, weshalb ich abschließend eigentlich auf den Österreichischen Presserat verweisen wollte, aber wenn ich mir allein die „Entschiedenen Fälle 2014“ dort schon ansehe und was für diese Einrichtung einer Selbstregulierung heuer alles schon „nicht diskriminierend“ gewesen wäre, unterlasse ich das besser gleich.

Update 29. August. Ergänzende Replik bei IDG: ‚@Echelon
Ich kann nicht mehr erkennen, wo da in vielen Fällen besser recherchiert wurde als in manchen, auch öffentlich-rechtlichen, Fernsehsendungen, früher bei der ARD oder dem ZDF, wo andere ExpertInnen „Battlefield“ mit „World of Warcraft“ verwechselt haben etc.
Bei ihrer Kritik an Nintendo und Co. braucht nicht viel recherchiert werden, da sind die Figuren und Inhalte zwischen den Franchises ziemlich eindeutig und da sind ihre Videos auch gut, richtig und wichtig. Stimme ich sogar in jeder Hinsicht zu, aber was da zunehmend passiert ist, dass sich am sexuellen Ausdruck Erwachsener vergangen wird und das immer mehr in einem Tonfall, den ich nur überaus abstoßend und beleidigend nennen kann. Hier wird sich an der Sexualität anderer Menschen vergriffen, das sind massive Eingriffe in die Privatsphäre fremder Leute und betrifft den öffentlichen Raum nicht einmal ansatzweise.
Ebenso keine falschen, einschränkenden Rollenbilder für Kinder (wie bei ihrer Nintendo-Kritik), zumindest dann nicht wenn sich an den Jugendschutzvorgaben gehalten wird. Hinzu kommt, dass es nicht einmal vorgeblich um Jugendschutz geht, empirische „Studien“ über „Auswirkungen“ in diesen Fällen nicht einmal diskutiert werden können weil es sie gar nicht gibt (!), sondern ganz klar die Leben Erwachsener damit allein angegriffen werden sollen weil sie existieren (!).
Der Hass und die misogyne Gewalt welche Sarkeesian deshalb entgegen schlagen sind zwar bedauerlich und zweifellos zu verurteilen, geben ihr jedoch keineswegs Recht. Sie sind zwar beschämend, aber wenn jemand eine heterogene und so große Gruppe wie „Gamer“ auf diese Weise mit Vergewaltigung und Gewalt in Verbindung bringt, kann damit nicht bestätigt worden sein, sondern wurde das gegebenenfalls schon lange bevor die Vorwürfe überhaupt geäußert wurden. Wenn so viele Menschen der Gewalt bezichtigt werden… Es gibt einfach kein Recht die Existenz, Denk- und Lebensweisen anderer Menschen dermaßen in Frage zu stellen.
Jedenfalls so lange nicht, so lange in diesen unseren Gesellschaften noch ein Funke an persönlicher Freiheit besteht. Das was sie da macht ist einfach nur autoritär und verantwortungslos.
Dass sich die Videospielpresse und ein Teil der Branche, Kreative – die anstößige Inhalte sowieso schon immer vermieden haben – ihr anschließen, vermutlich weil sie glauben dass sie mit dieser Anpassung an eine öffentliche Meinung über Inhalte bessere Lebenschancen hätten, kommt da nur noch verschärfend hinzu. Denn letztlich geht es immer um den Vorwurf der „Gewalt“: auch „Nacktheit“, „Objektifizierung“ ist in dieser Hinsicht als „Gewalt“ gegen Frauen zu werten –

Und ich sehe das ähnlich wie mit den Karikaturen im Jyllands-Posten vor jetzt fast zehn Jahren. Da gab es auch Drohungen Sprachloser in aller Welt, nur war da die internationale Öffentlichkeit halt eher auf deren Seite. Zeigte Verständnis, sicher nicht für die Gewaltandrohungen, aber für die Anliegen dieser Menschen, das Recht auf deren Gefühle usw. Nur im Unterschied zu religiösen Gruppen haben halt jene „Gamer“ die sich mit Sarkeesian nicht mit aufregen wollen, ihr nicht zustimmen, auch in dieser säkularen Welt als Gruppe keine Rechte, obwohl ich denke dass es weniger um Gamer geht als einfach um jene heterosexuellen Männer die in dieser Gesellschaft nunmal einfach nicht erwünscht sind und deshalb ausgestoßen werden sollen.
Also wie da Menschen zu Mördern und Vergewaltigern stilisiert werden finde ich schon ziemlich beispiellos. Und es geht nicht nur um Ausbeutung, sondern auch um Körperpolitik: denn die Frage bleibt vielfach offen, welche „gesunden“ oder „normalen“ Inhalte, Darstellung(sweis)en sonst eigentlich erwünscht wären.‘

Update 30. August: der oben extrapolierte erste Text wurde nun doch veröffentlicht. Zweiter: ‚Weshalb wäre diese Politik korrekt? Ich denke es sollte im Gegenteil endlich einmal aufgehört werden derlei Vorstellungen als „gut“, „besser“ oder „korrekt“ zu bezeichnen, denn damit wird ihnen ein Stück weit immer zugestimmt.
Das alles ist zutiefst unsozial. Und Sensibilität sehe ich in diesem aus meiner Sicht überaus brutalen Text schonmal gar keine: mit ungeheurer Aggressivität wird von der eigenen Sozialisierung einfach auf andere geschlossen und die Beispiele entstammen immer der Businesswelt Erfolgreicher. Ob Journalismus oder Recruiting. Wobei die Gewalt der Sprachlosen in aller Welt dann perfider Weise als Bestätigung für die eigenen Vorbehalte gegen sexuellen Ausdruck usw. missbraucht wird. Nur die eigene Intoleranz, Nicht-Akzeptanz und Verweigerungen einer Anerkennung bleiben als Negativhaltungen außen vor.
Ausgegrenzt wird bereits an den Universitäten massiv, manche Stellen werden gleich nur mehr nach biologistischen Kriterien ausgeschrieben, usw. usf.‘

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Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
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