„In Indien“: Kommentar zu „Video Games: The Movie“ (2014)

Nicht nur der Fauxpas in der deutschen Tonspur der offen legte dass der Sprecher überhaupt nicht wusste wovon er da – also bei diesen „Indies“ – eigentlich redete, auch sonst werden alle die von Videospielen ohnehin schon nicht viel hielten in dieser unter anderem von David Perry produzierten Sendung ihre Meinung darüber kaum geändert haben. 100 Minuten Marketing-Blabla, könnte man sagen.
Und zudem womöglich höchstens die Hälfte der Videospielgeschichte, was sich wahrscheinlich schon in der voreingenommenen Definition des Begriffs „Videospiel“ manifestierte. Oder wie über Narration in Videospielen überhaupt reden, ohne dabei auf Infocom oder Sierra auch nur ansatzweise näher einzugehen? Also nicht nur an der US-Zentrierung, sondern ebenfalls an seinem Konsolenfokus zeigt der Film von Jeremy Snead höchstens ein weiteres, stereotypes Zerrbild zwischen „Kunst“ und „Kommerz“, unabhängiger „Seele“, Videospiel-Fabriken usw.

Im Gedächtnis blieben mir deshalb vor allem auch die Auftritte der Produzenten des Films selbst, wie Cliff Blezinski – der dem ganzen tatsächlich den Anschein gab als handle es sich um ein Werbevideo für eines seiner früheren, eigenen Spiele. Samt dem unvermeidlichen Nolan Bushnell, von dem man heutzutage doch meinen könnte er dürfte mittlerweile mehr über Gastronomie als Videospiele erzählen, und jeder Menge aufgeblasener Mythen: von „E.T.“ bis normierter Sozialität, „Bildung“ natürlich ohne die segregierten „Serious Games“ ebenfalls bloß zu erwähnen.
Zwischen ein paar schön, wenn auch wild, zusammengeschnittenen Erinnerungen richtig schlimm wurde es jedoch, als es kurz an die ganzen Vorwürfe ging: von „Sexismus“ bis „Gewalt“(verbrechen) – da scheint nämlich in den Vortragenden keinerlei Bereitschaft zu bestehen, Inhalte jenseits des Guten und Schönen ihrem wohl verdienten Platz zuzuweisen. Also einmal mehr keine Verteidigung in der Sache selbst, sondern – samt dem bekannten Mantra der etablierten Jugendschutz-Kennzeichnungen (in den USA) – nur eine weitere, beschwichtigende Rechtfertigung: es gäbe zwar die „gewalttätigen“, aber halt viele andere auch.
Übrig blieb deshalb der Eindruck eines weiteren Verweises auf „schwarze Schafe“ der so, in dem Tonfall, auch von einem „Industrievertreter“ im ZDF stammen könnte – bloß gerade jene selber tätigen, die „Gewaltspiele“ (auch) herstellen. Absurd.
Aber nicht nur das sagten in der Sendung die (völlig) falschen: einmal mehr wurde deutlich in welches Ghetto jenseits jeglicher Anerkennung sich eine vorgeblich inklusive Ideologie von „Videospiele für alle“ so bereits hineinmanövriert hat. Denn zu Wort kamen abseits der Veteranen jenseits von Gut und Böse praktisch ausschließlich hippe Youngsters: wie die Ausdrucksform älteren Menschen, abgesehen von Bewegungsübungen, inhaltlich näher gebracht werden sollte – genau dort herrschte völlige Fehlanzeige.

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