Warum nicht „25 Visible Benefits of Gaming While Female“?

Kommentar zu Video mit potentiell neuerlicher TäterInnen-Opfer-Umkehrungen: ‚Schon die ersten paar dieser 25 „Gründe“ oder was auch immer das an unsichtbaren Vorteilen/Vorzügen eigentlich sein soll, geben eine dezisionistische Perzeption wieder, das heißt bloße Vorurteile die von einer negativen Rezeption in der Definition „weiblich“ bereits ausgehen. Natürlich gibt es viel Misogynität und sexistische Abgrenzung im Videospielpublikum und auch bei Videospielinhalten dahingehend (also „Männer“ Täter, „Frauen“ Opfer), weil diese Medien partizipativer sind als andere und als solche von traditionellen Männern dominiert werden (die in ihrem „Männer“-Sein und analog „Männerbild“ vorbelastet sind) – aber nicht nur aus inhaltlichen, sondern auch stereotyp technischen Interessensgründen.
Doch ich gebe nicht etwas weniger Macht und strukturelle Gewalt, wenn ich seine Macht/Gewalt die ganze Zeit vor mir hertrage. In welcher gefühlten/gemeinten/sinnlich wahrgenommenen Solidarität zu kollektiven Opfern auch immer. Wieso wurden dafür etwa wohl überhaupt „Männer“ als Vortragende/Rezitierende ausgewählt?
Im Gegenteil: ich zementiere und verlängere diese (historische) Macht/Gewalt (eines Patriarchats, von einseitiger „Logik“ und etablierter Vernunft) weit eher indem ich ihren angeblichen Einfluss, ihre vorgebliche Bedeutung andauernd wiederhole. Was schon beim Kausalitätsprinzip beginnt, also „ich Mann“ deshalb … „ich Frau“ darum anders.
Das ist ein Kommunitarismus der letztlich nur in einer Ausgrenzung all jener mündet die wirklich nicht dazugehören (wollen oder können), sich dabei nicht angesprochen fühlen, eben anders denken und vielleicht (wo immer das möglich wäre) auch dazu stehen, weil sie sich nicht dementsprechend einsortieren lassen (in „Täter“ und „Opfer“ aufgrund bestimmter körperlicher/wahrgenommener Eigenschaften etc.), nicht in jene Denkschemata von „für“ und „gegen“, „wider“: und welche Gemeinschaft wäre das dann? Wer ist dieses „Wir“ eigentlich, welches da „kritisiert“?

Also ich finde diese Agitationen zunehmend bedenklicher, sie übersteigen mittlerweile sogar die „Gewaltdebatte“ einigermaßen, auch weil sie mir als beständige TäterInnen-Opfer-Umkehrungen/Bestimmungen zunehmend aggressiver erscheinen. Menschen können so nicht nur auf Gender, sondern auch auf Hautfarben oder andere Körpermerkmale (wie in meinem Fall etwa Krankheit/Behinderung) reduziert werden, den Rassismen (wozu ich halt auch Sexismus zähle) ihre Kraft gebe ich aber erst dadurch indem ich mich daran festhalte, davon ausgehe usw. usf. Wobei ich glaube, dass hierbei nicht einmal mehr Gender gemeint sein kann, sondern ein reiner Biologismus zum Ausdruck kommt welcher die (Nicht-)Sprechenden allein darüber definiert was sie (nicht) zwischen den Beinen haben, oder sonst halt über ihre (Hetero-)Sexualität. Weiterhin heteronormativ, weil ja nur das „kritisiert“ wird was „normal“ wäre, wovon als Vorurteil (wie der sozialen „Unreife“) ausgegangen wird.
Und auf irgendwelche (männlichen) Feindbilder (wie in dem Fall sich selbst) zu schimpfen ist wohl leicht, wesentlich schwieriger Frauen in der Videospielindustrie tatsächlich zu fördern: doch die vortragenden, eingebildeten „Männer“ meinen damit ihre Schuldigkeit gegenüber sich selbst und ihren „kritisierten Geschlechtsgenossen“ wahrscheinlich bereits getan zu haben. Das Schlimmste für mich selber ist jedoch vielleicht die eigene Erkenntnis, dass ich selbst – wäre ich Teil dieser Branchencliquen, gefragt worden und meine Wenigkeit dort erwünscht gewesen – bei dem Video auch mitgemacht hätte und brav meine Sätze aufgesagt…‘

Update 5. Dezember: Kommentar – ‚Und weshalb weiß ich dann, auch ohne seine Adresse zu kennen, auf genau welches Video Sie damit hinweisen wollen? Oder wieso soll der Kategorie Geschlecht damit ihre Macht/ihr Einfluss bestätigt/gestärkt werden, wenn schon vorgegeben wird genau das
damit eigentlich „kritisieren“ zu wollen?
Anders gefragt: wieso sollte es diese Morddrohungen nicht gegeben haben, wenn „Männer“ dermaßen über Videospielinhalte, die Körper/Sexualität anderer Menschen, gesprochen hätten? Warum wird die „Kritik“ so ständig auf diese Kategorie reduziert, wenn es doch um keine Schwarzweißmalerei, kein „für“ und „wider“ ginge?
Und wie verhält es sich demnach eigentlich mit dem „status quo“: was wird den „Männern“ damit anderes gesagt, als dass sie (weiterhin) die Macht in ihren Händen hielten? Wenn schon sie es wären die immer noch reden müssten? Was für ein einfach-oberfläches Denken in Schubladen bestimmt diese „Debatte“ dahingehend und schafft mit ihren kollektiven Gruppenzuschreibungen erst Frontbildungen??‘

In einem früheren Standardartikel, den ich auch noch kurz kommentierte, wurde in weiteren, mittlerweile offenbar entfernten Kommentaren unter Verweis auf Orwell etwa auf diesen reaktionären Welt-Artikel aus dem Frühjahr hingewiesen, sowie die darin kritisierten Vorschläge als ideologischen Zwang usw. vorgestellt. Doch selbst in dem Text bei Springer konnte zwischen all seinen Diffamierungen mit einem Verweis auf Skandinavien wohl nicht aus der Welt geschafft werden, dass lebendige Sprache letztlich (ebenfalls) Politik ist.
Ein Diskurs über Geschlechtsneutralität, wie sie etwa Lann Hornscheidt vorschlägt, findet in der Praxis breitunwirksam ja tatsächlich wiederum keineswegs statt. Der Kategorie Geschlecht über entsprechende Handlungen als politische Akte der Veränderung die Grundlage ihrer Machtausübung auf Personen zu entziehen und so für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt zu sorgen, ist demnach kein Anliegen dieser Expositionen. Und das sind Vorschläge die bei weitem nicht nur eine Ergänzung zur Berücksichtigung des, an sich schon patriarchal gesprochen, „anderen Geschlechts“, sind, sondern eine gänzlich andere Politik bedeuten würden.
Denn das was hierzulande alles unter Binnen-I subsummiert wird, oder, mehr verächtlich, als „gendern“ bezeichnet, ist ja gerade das eigentlich (auch) nicht: genau so wenig wie Sarkeesian und Co. die Gewalt der Geschlechter/Normativität von Sexual- und Sozialverhalten nicht zurückdrängen, sondern samt entsprechend kollektiver Zuschreibungen von „Tätern“ und „Opfern“ vielmehr zementieren. Eine Berichterstattung wie jene des Standard über Sexismen bei und „Sexismus in Games“, oder auch der Videospielpresse als solches, kann dahingehend gar nicht interessiert daran sein, denn regelmäßige Artikel mit bis an die 1000 Kommentare bei diesen Themen wären daraufhin vom Wegfall bedroht, würde wirklich daran gearbeitet werden, dass dieser unsägliche Geschlechterkampf (nicht nur bei den Games) endlich aufhört.

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3 Antworten zu Warum nicht „25 Visible Benefits of Gaming While Female“?

  1. nicolas schreibt:

    Ich glaub das in dem Video nur Männer gezeigt wird um zu zeigen das auch Männer was gegen „Sexismus“ haben die Sarkeesian anprangert.

    • pyri schreibt:

      Die allermeisten welche in der Videospielpresse, praktisch geschlossen, für sie schreiben oder Partei ergriffen haben, sind Männer. Ich denke wer die Wahrnehmung ihrer Videos bislang verfolgt hat, sollte mittlerweile längst wissen, dass es diese gibt.
      Wobei ich sowieso glaube, dass die Mehrheit ihrer treuen Fans auch männlich ist – aus zweierlei Gründen: einerseits weil die Gruppe welche sich mit den kritisierten Core-Games und deren Publikum beschäftigt allen Beweihräucherungen zum Trotz immer noch eher männlich ist und sich daraus deshalb nicht nur ihre Gegnerschaft speisen kann, andererseits sie den Männern immer und immer wieder sagt: Ihr seid es welche die Macht in Händen halten und dafür Sorge tragen könnt, dass sich die Dinge für uns Frauen zum Positiven verändern.

  2. nicolas schreibt:

    Aber wo stehen dann die „Frauen“ auf welcher Seite ?

    Sarkeesians verteidigter meinen sehr oft ohne sie hätte die Sexismus-Debatte in der Öffentlichkeit nie wirklich stattgefunden!?

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