Kommentar zu Günter Grass als tugendhaften Internetverweigerer

Replik beim Standard: ‚Jemandem der beständig polemisch verkürzt und Populismen moralischer Überlegenheit verbreitet, im Einklang mit der Beschwörung von Bildern seiner Gegnerschaft (ohne dabei – quasi wie natürlich – auf die eigene Vergangenheit Rücksicht zu nehmen), das quasi nur mit entsprechend opportuner und angenehm etablierter Literalität zudeckt, wollen Sie bitte nochmal welche normative Kultur zu Gute kommen lassen? Auch in diesem Interview ist etwa schließlich von Israel als „mittelgroßer Atommacht“ die Rede.
Da wird wieder so getan als ob ein Kleinstaat, dessen Legitimität in fast allen Nachbarländern seiner Region massiv in Frage gestellt wird, so wäre wie Frankreich oder Großbritannien. Das ist mindestens ungenau, potentiell aber von Neuem latent …‘

Wobei das folgende Zitat selbst für diesen altbekannt antiamerikanistisch-revisionistischen, bürgerlichen Chauvinismus bemerkenswert ist: „Ich bin ein politisch engagierter Bürger, der von Beruf Schriftsteller, Grafiker und Bildhauer ist. Bei mir hat die Schule mit fünfzehn Jahren aufgehört. Ich wurde Luftwaffenhelfer, dann kam ich zum Arbeitsdienst, zum Militär und in die amerikanische Kriegsgefangenschaft. Es war ein Barackendasein, und mit achtzehn musste ich mich neu erfinden. Alles, was ich weiß, habe ich mir selbst beibringen müssen. Darauf bin ich stolz. Die oft mit Niederlagen verbundenen Wahlkämpfe für die SPD haben viel Zeit und Kraft gekostet, aber das habe ich nie bereut. In meinen politischen Einschätzungen habe ich die Macht der Banken unterschätzt. Auch habe ich zu lange an die moralische Stärke und Überlegenheit Amerikas geglaubt, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Ich habe den Einfallsreichtum des Kapitalismus unterschätzt. Und ich habe, der Tendenz entgegen, immerhin sechs Kinder in die Welt gesetzt, meine Frau hat noch zwei mitgebracht, und wir haben schon achtzehn Enkelkinder. An mir liegt es nicht, wenn die Deutschen aussterben.“ Man beachte: selbst solche Sachen werden bei der Zeitung mittlerweile als Schlussworte eines Frontpage-Artikels akzeptiert…

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