Falk: „Kritik an der USK in den letzten fünf Jahren sehr viel schwächer geworden“

Anlässlich der heutigen Nicht-Veröffentlichung von „Dying Light“ in Deutschland äußerte sich USK-Geschäftsführer Felix Falk auf ZEIT ONLINE (2): so sei „die Kritik an der USK in den letzten fünf Jahren sehr viel schwächer geworden“ – was auch damit zusammenhänge, dass dort „der künstlerische Aspekt von Computerspielen inzwischen stärker bei deren Prüfung berücksichtigt“ werde. Problematisch an dem Artikel (1) ist vor allem die Darstellung der USK-Kommunikation: demnach sei es „verständlich“, dass über Ablehnungen und Nicht-Kennzeichnungen keineswegs Auskunft erteilt werde.
Nein ist es grundsätzlich sicher nicht, denn es sollte doch nicht nur über die positiven Errungenschaften informiert werden, das vermeintlich „Gute“, den herzeigbaren „Erfolg“. Auch das häufig vorgebrachte Scheinargument, die rechtlich fadenscheinige Ausrede dass die Information über abgelehnte Titel selbst schon (potentiell) „jugendgefährdend“ wäre, ist kaum korrekt, da die BPjM nach Nicht-Kennzeichnungen wohl nur in den seltensten Fällen bereits aktiv wurde. Bis dahin könnte deshalb (auch rechtlich) sehr wohl über eine Ablehnung informiert werden, diese bestenfalls auch begründet erscheinen – nach dem Vorbild des FSF-Blogs.
„Verständlich“ wäre es nur, würde es sich um zeitnahe Verfahren in der Schwebe handeln – wie, ja, vielleicht im Falle von „Dying Light“, aber halt nicht allgemein. Und selbst während dieser Verfahren könnte die Transparenz eben (wesentlich) größer sein, wenn schon die Akzeptanz der USK gestiegen sei.

Doch nichts von alledem, ein weiteres Falk-Zitat liefert postwendend eine ganz andere Erklärung ab: „Die Publisher reichen Spiele zur Prüfung ein und zahlen dafür Gebühren. Bei vielen Spielen, besonders bei den noch nicht erschienenen, wäre es für den Publisher problematisch, wenn die USK öffentliche Aussagen zu den Inhalten des Spiels macht.“
Das liebe Geld wäre demnach Schuld. Mit dem wahrscheinlich angenenehmen Nebeneffekt, dass darüber was für oder gegen die Ablehnung getan wurde oder (noch) werden könnte nicht mehr öffentlich diskutiert wird – zumindest jenseits von Spekulationen mit handfesten Infos dahingehend was nun eigentlich Sache ist oder war – abgesehen von einer einzigen, rudimentären Zahl in den jährlichen Statistiken.
Und die verschwindend geringe Anzahl solcher Fälle, also dort wo nicht schon – wie Falk gegenüber der ZEIT sinngemäß auch sagt – im Vorfeld einvernehmlich kooperiert worden ist, trägt wohl ihr Übriges dazu bei, dass diese beschönigenden Kommunikationsprobleme auch in Hinkunft (noch weiter) marginalisiert werden können. Ganz zu schweigen von der Frage, welche Titel aus den eben genannten Kostengründen und/oder wegen mangelhafter Aussicht auf Erfolg gleich erst gar nicht (mehr) vorgelegt werden, letztlich womöglich dafür sorgen, dass diese Statistiken immer lupenreiner werden – sich der Eindruck einer größeren Akzeptanz zementiert – gerade im Zusammenhang mit der Explosion an Download-Titeln, für die ein Retail-Release ohnehin Luxus ist und welche sich derlei Prüfungen gegebenenfalls nicht einmal leisten könnten. Nachlese.

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