Neuer Kommentar zu „Tropes“

Beim Standard: ‚“Ethik“ und „Kritik“: vielleicht würde es schon helfen diesen aus meiner Sicht unsäglichen Begriff der „Trope“ vielleicht endlich wenigstens einmal zu befragen: Herausforderungen zu überwinden etwa schon so zu bezeichnen finde ich, gelinde gesagt, „interessant“. Insofern wäre doch ihre Arbeit selbst, gegen die Widrigkeiten der Branche, bereits eine einzige „Trope“… Noch dazu eine ziemlich absurde – angesichts der einhelligen, praktisch geschlossenen Unterstützung welche diese Industrie ihr zuteil werden lässt, spendet usw. usf.‘

Über ihre entsprechende Verwendung im englischsprachigen Raum, etwa auf der Internetseite „Television Tropes & Idioms“, wurden „Tropes“ in diversen Diskursen schon länger als gewissermaßen bildliche Idiome gebraucht – was weit über ihre ursprüngliche Bedeutung als rhetorische Figuren in literarischer Tradition hinausgeht.
„Tropes“ werden daraufhin in vor allem audiovisueller Hinsicht auf fiktionale Medieninhalte angewendet und in weiterer Folge politisch eingesetzt. Figurativ bleibt die „Trope“ damit als Ausdruck erhalten, wird aber soweit umgeformt dass sie einen neuen eigenen Ausdruck findet, nämlich jenen welcher mehr oder weniger in Konflikt mit „Realität“ stünde. Da diese „Realitat“ aus ideologischen Gründen bevorzugt erscheint, entwickelte sich die Bezeichnung „Trope“ dahingehend auch als mehr oder weniger klar formulierter Vorwurf: „Tropes“, so heißt es zwar häufig, würden sich nicht verhindern lassen (warum dann eigentlich?), dennoch sei es Aufgabe einer „Kritik“ auf ihre Existenz hinzuweisen – welchen Urpsrung diese „Kritik“ hat und auf was sie sich eigentlich bezieht beziehungsweise (überhaupt) beziehen kann, wird nicht weiter erörtert, da „Realität“ wie „reale Menschen“ als Monumente der Ordnung unangetastet bleiben – mehr noch: sogar als ureigentlicher Grund befunden werden, weshalb über „Tropes“ dermaßen gar gesprochen wird. Deren Bedeutung in der Dekonstruktion wird somit in ihr autoritär-dogmatisches Gegenteil verkehrt. Man könnte auch sagen, dass in der Vorstellung „intellektueller“ Überlegenheit und entsprechender Repräsentation antiintellektuelle Grundmuster verbreitet werden – zumal es (wie im obigen Beispiel meines Kommentars) in nicht wenigen Fällen um Zuschreibungen von grundlegenden Kategorien wie Geschlecht geht – Bestimmungen die dahingehend aber keineswegs „kritisiert“ werden sondern als (einfach so) hingenommen erscheinen.
So scheint sich auch jeglicher „Feminismus“ in erster Linie über die Existenz eines virulenten „Antifeminismus“ zu definieren und jegliche differente Zugänge konsequent auszuradieren. Eine Debatte über Feminismus im Videospielbereich findet bis heute nicht statt (!), sondern es gibt immer wieder nur die Personen welche als „feministisch“ ausgewiesen werden und wiederum im Widerstreit mit (all?) jenen stünden, bis von diesen (in ihrer Existenz) bedroht werden, die gerade das nicht wären.
Und es fällt auch auf wie sehr dafür Rationalismen bemüht werden, ein „Für“ und „Wider“ und ein Effizienzdenken in Verbindung mit Wirkungshypothesen (alles typisch „männliche“ Anlagen) – kein Mensch weiß in der vorgeblichen Gender-Debatte wie sehr darin Geschlecht nicht tendenziell doch ausschließlich biologisch definiert werden soll. Zunächst wird dafür jedoch mit einem (stark) erweiterten Textbegriff gearbeitet werden, der Text nicht auf (mündlich) Artikuliertes oder Schriftliches begrenzt, sondern etwa auf Filmtext und Videospiel-Narration ausdehnt. In weiterer Folge wird „Sprache“ daraufhin auch auf Bilder und (sonstige) Töne ausgedehnt werden, im Sinne von etwa „Filmsprache“ etc.
Dennoch endet dieser Exkurs von Text und Sprache eben bei „Realität“. So finden sich folgende zwei „Tropes“ etwa nicht, da sie in beiden Fällen „Realität“ betreffen: erstens „auffi“ – Bergsteigen. Jemand will einen Berg erklimmen, betrachtet „den Berg“ als (eigene) Herausforderung. Das wäre höchstens ein Fall für den „Bergfilm“. Zweitens „das Runde muss ins Eckige“: im Fußball will der Ball ins (vorzugsweise gegnerische) Tor befördert werden.

Wäre Anita Sarkeesian ihrer Erscheinung nach keine „junge Frau“ sondern ein „alter Mann“ welcher sagt wie Frauen in und von industriellen Produkt(ion)en (nicht) dargestellt werden sollten, sie hätte kaum jene mediale Präsenz und Zustimmung erfahren die sie erhalten hat. Sie hätte im Gegenteil wohl selbst mit Vorwürfen der Misogynität zu tun.
Dafür lege ich meine Hand ins sprichwörtliche Feuer: die Wahrnehmung wird über körperliche Betroffenheit und entsprechende politische Bezugnahmen bestimmt. Wer da wie dort nicht dazugehört, oder dazugehören will, wird konsequent ausgegrenzt. Das was Sarkeesian vertritt entspricht weder einem Humanismus, noch einer „Inklusion“ über die eigenen, liebsamen Gruppen hinaus, nicht mal einem Feminismus jenseits geschminkter Oberflächen und körperpolitisch biologischer Vorgaben, sondern ist vielmehr fremdbestimmte Gewalt und patriarchal gefärbter Chauvinismus über den Ausdruck anderer Menschen, deren Erzeugnisse in der Folge – wenn schon nicht sie selbst – nichts anderes als verachtet erscheinen sollen.

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