Deutsches Gewaltdarstellungsverbot: Ausblick 2015

Die BPjM hat Medienberichten zufolge gegen die polnische AAA-Produktion „Dying Light“ einen Eilantrag auf Indizierung gestellt. Diese Schnellindizierungsverfahren sind afaik rechtlich die einzige Möglichkeit mit welcher die Behörde von sich aus aktiv werden kann und ohne das Vorzensur-Verbot zu verletzen sogar noch vor offizieller Veröffentlichung (wie auch beim internationalen Retail von „Dying Light“ am 27. Februar der Fall – laut Homepage jedenfalls außerhalb von Nord- und Südamerika) dem eigenen Antrag selbst stattgeben. Erfahrungsgemäß haben diese Anträge dann auch keine einfache Indizierung zur Folge, sondern die Feststellung strafrechtlicher Relevanz – zuletzt etwa 2013 bei „Dead Rising 3“ (Nachlese), oder vor sechs Jahren anlässlich von „No Russian“ in „Modern Warfare 2“, sowie „Left 4 Dead 2“, vor fünf Jahren „Call of Duty – Black Ops“.
Es wird erwartet, dass vor allem die Existenz sogenannter „Kinderzombies“ in „Dying Light“, das heißt indiskriminierende Gewalthandlungen dagegen, den Unmut der JugendschützerInnen geweckt hat. Das deutsche Strafrecht schützt formal nach wie vor zudem humanoide Fantasiefiguren wie „Zombies“ als „menschenähnliche Wesen“ mittels „Menschenwürde“-Prärogativ.

„Dying Light“ ist 2015 allerdings nicht der einzige Indizierungskandidat, welcher Gefahr läuft mit dem deutschen Strafrecht zu kollidieren: zwei weitere befinden sich momentan noch in der Pipeline. Mit „Dead Island 2“ wäre da zunächst erstmals auch ein Titel aus deutscher Produktion – „Dead Island 2“ soll aktuell in Berlin entwickelt werden: jedoch wurde die strafrechtliche Relevanz gegen das erste „Dead Island“, wohl aufgrund verschiedener Handlungsoptionen im hohen Rollenspielanteil, später wieder zurückgenommen. Auffallend ist ebenfalls, dass der österreichische Publisher Koch für den Titel einen deutschen Internetauftritt parat hat – bei „Dying Light“ im Vertrieb aber jegliche Bezugnahme zu Deutschland vermieden wird (siehe Link zur Homepage oben).
Schließlich befindet sich mit dem US-amerikanischen „Mortal Kombat X“ von Warner noch ein potentielles Spiel auf dem Fahrplan dieses Jahres, bei dem schon Vorgänger notorisch mit dem Gesetz in Konflikt kamen. In anderen Fällen dürfte die euphemistisch „Zusammenarbeit“ mit der „Freiwilligen Selbstkontrolle“ in Deutschland bereits dermaßen gut klappen, dass überhaupt von einer Indizierung abgesehen werden kann.

Update 12. Feber: ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die BPjM nur nach den in § 21 JuSchG (5) genannten Gründen selbst aktiv werden darf, die „Schnellindizierungsverfahren“ ebenfalls nach Antrag/Anregungen Externer erfolgen und die Indizierung in jedem Fall erst nach Veröffentlichung eines Titels geschieht (was angesichts der digitalen Vorveröffentlichung ja auch bei „Dying Light“ demnach nur der Fall sein kann). Die BPjM hat vorläufig übrigens keine strafrechtliche Relevanz festgestellt und den Titel auf Liste A platziert (diese Information via VDVC-Blog).

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