Standard bezeichnet „Pregnancy“ als „Vergewaltigungsspiel“

Wer darf sich so noch irgendwelche Anerkennung abseits ausgetretener Pfade erhoffen: anstatt einmal berechtigte „Kritik“ am Videospiel-Publikum zu üben, jenseits der üblichen Hetze gegen ominöse „Bewegungen“ wie GamerGate und Co., bezeichnet das redaktionelle Kürzel „UL“, welches ich bislang nicht identifizieren konnte, Diffamierungen nicht nur als „Shitstorm“ (neudeutsch) und „Häme“, sondern verwendet im wohl üblichen Rahmen seines gemeinten Euphemismus auch das Wort „Kritik“, während schon die Bildunterschrift nebenan in Hinblick auf dessen Grafikmangel unmissverständlich Unverständnis für den Inhalt des Spiels suggerieren mag: „Die Präsentation des Spiels ist zurückhaltend, der Inhalt nicht.“
Zweifellos ein neuer Tiefpunkt in der Kreativen- und Menschenverachtung des größtenteils nur vorgeblich aufgeschlossenen, österreichischen Videospiel-Journalismus. Und wahrscheinlich überflüssig darauf hinzuweisen, dass Literatur im Allgemeinen technisch eher zurückhaltend ist, wenn damit bunte Bilder und laute Töne gemeint sind. „Pregnancy“ ist ein weiterer Vertreter eines Visual Novel/Interactive Fiction-Hybrids: der Titel tritt auf Steam als gewissermaßen Sequel zu „Cahors Sunset“ auf, wo es um Entscheidungen am Ende eines Lebens ging.
Dass es auf der Steam-Plattform jedoch nicht mehr „Serious Games“ gibt, oder der systemimmanente Mainstream zwischen turnusmäßig diskreditierten „Kommerz“ und repräsentatorisch-eingebildeten „Indie“ insgesamt dort kaum gestört wird, sollte mich persönlich in Hinkunft wohl auch keineswegs mehr wundern… Nachlese vom November.

Update 7. März: Replik – ‚Auch das hier ist agenda-driven und gibt nichts anderes als eine bestimmte Wahrnehmung wieder, und zwar über genau eine einzige Konstruktion – nämlich aus der Thematisierung einer Vergewaltigung heraus: ähnlich jener Artikel welcher 2013 etwa

danach fragte „warum“ Lara Croft eine „Massenmörderin“ war. Und natürlich prompt antikommerzielle Antworten lieferte. Moralische Integrität und immanente Konsistenz einer Fiktion (Tat, Güte, Schuld) ethisch völlig ignorierend.

Nur, weil die Ressentiments gegen gewaltdarstellende Videospiele prinzipiell geteilt werden dürften, stört das dort scheinbar kaum jemandem. Bemerkenswert finde ich lediglich, dass es als „Vergewaltigungsspiel“, aber nicht als „Abtreibungsspiel“ bezeichnet wird (was doch näher liegen würde) – aus dem einfachen Grund weil der Bezug zur Abtreibung die Fristenlösung ideologisch in Frage stellen könnte, als vermeintliche „Männerphantasie“ und damit „Kritik“ Vergewaltigung perfider Weise leichter transportiert werden kann.

(…)

Vergleichbar andere Bezugnahmen: etwa diverse Assoziationen von emotionalen Vorgängen wie „Rache“ oder „Unfall“ mit „Pornographie“ am Blog vom für hier zuarbeitenden Herrn Sigl, bei Görig vom Spiegel, 4players-Luibl usw. – alles nach dem Motto, dass ein moralisch überlegener Mensch keine Vergeltung üben wolle, Nicht-„Zurückhaltung“, Verzicht angesagt wär. Genauso wie hier die Thematisierungen als spekulativ empfunden werden dürften.
Andere Artikel wie bei der taz, dort wurde der Diebstahl aus „Thief“ kapitalistisch sogar auf das Verbrechen der euphemistisch „Kulturrevolution“ bezogen: es gibt viele Wege die auch im Feuilleton der „digital natives“ zu jenem heute-Artikel führen, der damals „Edna bricht aus“ auf den Inzest in Amstetten bezog.‘

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